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Aus der Stadt Lister Bombenbastler soll erneut vor Gericht
Hannover Aus der Stadt Lister Bombenbastler soll erneut vor Gericht
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00:15 27.06.2015
Von Tobias Morchner
Der Angeklagte Hans-Henning B. und sein Anwalt Björn Nordmann (rechts) im Landgericht in Hannover. Quelle: Julian Stratenschulte
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Hannover

Der Fall des mutmaßlichen Bombenbastlers aus der List beschäftigt möglicherweise ein drittes Mal ein Gericht. Nachdem der Angeklagte Hans-Henning B., der versucht haben soll, Anfang Dezember 2013 ein Mehrfamilienhaus an der Spichernstraße in die Luft zu sprengen, am Montag von der 2. Großen Strafkammer des hannoverschen Landgerichts völlig überraschend frei gesprochen wurde, will die Staatsanwaltschaft das Urteil anfechten. „Der Freispruch hat auch uns überrascht. Die Kammer vertritt offenbar eine ganz eigene Rechtsauffassung in dem Fall, die sie bislang nie zu erkennen gegeben hat“, sagt Oberstaatsanwalt Thomas Klinge.

Es ist bereits das zweite Urteil, das in diesem komplexen Fall gesprochen wird. Das Schwurgericht des Landgerichts Hannover hatte den 55-Jährigen vor ziemlich genau einem Jahr zu sieben Jahren Haft verurteilt. Der damalige Verteidiger des mutmaßlichen Bombenbastlers hatte den Bundesgerichtshof in der Sache angerufen. Dieser kassierte das Urteil und verwies das Verfahren zurück nach Hannover, diesmal an die 2. Große Strafkammer.

In seiner Urteilsbegründung am Montag hatte der Vorsitzende Richter Frank Rosenow auf eine Rechtslücke in dem Verfahren hingewiesen, die dem Angeklagten bei der Urteilsfindung offenbar zugutegekommen ist. „Es ist sicherlich eine juristische Feinheit, die nicht alle Tage auftritt“, sagt auch Stephan Loheit, der Sprecher des Landgerichts. Auslöser dafür seien unter anderem Defizite im Ermittlungsverfahren.

Hans-Henning B. hatte, angeblich um seine Suizidabsichten in die Tat umzusetzen, eine eigenwillige Sprengvorrichtung im Keller des Mehrfamilienhauses aufgebaut. Er koppelte eine tragbare Herdplatte an eine Zeitschaltuhr, deponierte einen Stapel mit Brandbeschleuniger getränkter Zeitungen auf der Platte und soll zudem eine gefüllte Gasflasche auf den Papierstapel gestellt haben. Die Steckdose, in der die Zeitschaltuhr steckte, konnte mit einem Schalter in seiner Wohnung an- und ausgeschaltet werden.

Im Rahmen der Hauptverhandlung konnten viele Fragen zu der Brandstiftung nicht geklärt werden. Ungewiss ist immer noch, wann der Schalter für die Steckdose im Keller betätigt wurde. Ebenso ungeklärt ist, wie die Zeitschaltuhr programmiert gewesen ist und auf welche Temperatur die Herdplatte eingestellt war und wie stark alkoholisiert der 55-Jährige war, als der Brand am frühen Morgen tatsächlich ausbrach. Es steht noch nicht einmal fest, von welchem Hersteller die benutzte Herdplatte stammt, denn sie wurde von der Polizei nie als Beweisstück sichergestellt.

Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre Haft wegen versuchten Mordes, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und Brandstiftung für Hans-Henning B. gefordert. „Um einen versuchten Mord nachweisen zu können, muss der konkrete Zeitpunkt der Tat nachgewiesen werde und das ist in diesem Fall, nach Ansicht der Kammer, nicht möglich“, sagt Gerichtssprecher Stephan Loheit. Der Vorsitzende Richter urteilte also nach dem Grundsatz: im Zweifel für den Angeklagten.

Björn Nordmann, der Rechtsanwalt des 55-Jährigen, der in der Verhandlung immer wieder auf die Fehler bei den polizeilichen Ermittlungen hingewiesen hatte, sieht einem neuerlichen, dritten Prozess gelassen entgegen: „An den Fakten ändert sich ja nichts, auch wenn der Fall jetzt noch von einem weiteren Gericht bewertet werden sollte - es entsteht nur ein Schaden für den Steuerzahler“, sagt der Jurist.

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