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Aus der Stadt Boot-Boo-Hook-Festival in Hannover hat begonnen
Hannover Aus der Stadt Boot-Boo-Hook-Festival in Hannover hat begonnen
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21:50 20.08.2010
„Wenn wir spielen, scheint immer die Sonne“: Der Hannoveraner Christoph van Hal, Frontmann der Hamburger Popjazzformation Tanner. Quelle: Martin Steiner
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Barfuß lässt sich ein Musikfestival unter freiem Himmel am besten genießen – vorausgesetzt, es ist gutes Wetter. Und das war am Freitag zum Auftakt des Boot-Boo-Hook-Festivals seit Langem mal wieder der Fall. Ohne Schuhe spürt man die Wiese sanft unter den Füßen kitzeln, merkt, wie mancher Schlagzeugschlag auf der Open-Air-Bühne von der Fußsohle langsam in den Magen wandert, und trägt am Ende eines langen Musiktages ein Stück Festivalkultur und schwarze Füße mit nach Hause. Auch dieses Jahr sind fast 5000 Fans, teils barfuß tanzend, auf die Wiese neben dem Faust-Gelände gekommen – wie vergangenen Sommer. Nur dieses Mal schien von Beginn an die Sonne.

Die Musikliebhaber sind aus ganz Deutschland angereist, um sich ein Festival mitten in der Stadt anzusehen, das sich in nur drei Jahren in der alternativen Musikszene etabliert hat. Mehr als die Hälfte der Besucher kommt nicht aus Hannover. „Ich war 2009 wegen Tocotronic da und habe alle Freunde überredet, dieses Mal mitzukommen“, erzählt Simeon aus Osnabrück zwischen Grill, Dosenbierstapeln und mit Keulen jonglierenden Zeltbewohnern, die das Weddigenufer zum Campingplatz für 800 Gäste gemacht haben. „Die großen Festivals sind unentspannt. Menschenmassen nerven“, sagt der 24-Jährige. Darum sei er zum Boot Boo Hook gekommen. „Außerdem ist der Campingplatz ein Traum“, lobt Simeon. „Einfach schön“, sagt seine Begleiterin Sophie.

Vor allem freuen sie sich aber auf die Musik. 32 Bands haben die Veranstalter vom Kulturzentrum Faust, der Hamburger Plattenfirma Tapete und dem Spandau-Projekt für die zwei Festivaltage am Freitag und Sonnabend eingeladen. Die meisten haben das Genre „Indie“ maßgeblich geprägt. Es ist Musik abseits des Mainstreams, Pop mit Kanten und Charakter, der mal knarzt, mal aneckt und mal zusammenzucken lässt, aber oft auch eingängig, bewegend und schlicht schön ausfällt. Das bewiesen am Freitag gleich mehrere Ensembles, die nach großen Melodien und sinnlichen Stimmungen an den stilistischen Rändern des geradlinigen Musikstroms suchen. Angenehm anders eben.

So prägten mit Popanleihen versetzte Jazzklänge der Hamburger Band Tanner um den hannoverschen Sänger Christoph van Hal die ersten Festival-Minuten. Trompetentöne trafen auf Banjoklänge, und mancher Fan schien sich beim Glockenspiel wegzuträumen. „Toll! Wenn wir spielen, scheint immer die Sonne“, verkündete van Hal. Und behielt recht. Weiter ging es mit arg glatt geratenem schwedischen Pop von The Horror The Horror und sehr zarten Akustikgitarrensongs von Tess Wiley aus den USA. So ruhig kann ein Musikfestival sein. Selbst alte Rocker wie The Wedding Present aus England ließen sich von der entspannten Stimmung anstecken und spielten ihre Lieder, mit denen sie in den achtziger Jahren eine ganze Indie-Generation prägten, etwas ruhiger, als es manch alt gewordener Fan erwartet hatte. Bejubelt wurden sie trotzdem. Anschließend irritierte Hundreds aus Hamburg mit einem kühlen, hellen Gesang auf trockenen, knisternden Beats, Hellsongs verpackte Metal-Hymnen in Lounge-Stücke, und Friska Viljor aus Schweden verzückte mit Herzschmerzlyrik über Trunkenheit und Liebeskummer die Zuhörer, die trotzdem anfingen zu tanzen. So leicht kann Schwermut machen.

Später sollten noch Auftritte der Hamburger Band Superpunk und der Klangarchäologen The Notwist folgen. Anschließend luden die Faust-Hallen zu weiteren Konzerten bis in die Morgenstunden. Viel Zeit blieb da nicht, um sich auf dem Campingplatz von der Nacht zu erholen. Denn schon am Sonnabend geht es um 14.15 Uhr weiter mit einem Konzert des Tele-Frontmanns Francesco Wilking. Aber alles entspannt. Kein Stress. Auf dem Boot Boo Hook lässt man es ruhiger angehen. Und Füßewaschen ist Mainstream.

Alle Infos rund ums Festival

Jan Sedlies

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