Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Haftstrafe für Flüchtling wegen Brandstiftung
Hannover Aus der Stadt Haftstrafe für Flüchtling wegen Brandstiftung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 01.12.2017
Hussein F. (M.) wurde im Gerichtssaal unterstützt von Dolmetscher Brahim Maachou und Verteidigerin Tanja Brettschneider. Quelle: Michael Zgoll
Hemmingen/Hannover

 Seine Arbeits- und Perspektivlosigkeit ließen Hussein F. verzweifeln: Im Juni 2017 steckte der Flüchtling aus dem Libanon sein Zimmer in einer Hemminger Unterkunft an. Am Dienstag wurde er vom Amtsgericht Hannover wegen versuchter schwerer Brandstiftung zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Fünfeinhalb Monate saß der 26-Jährige in Untersuchungshaft, jetzt ist er wieder auf freiem Fuß.

Das Amtsgericht hat einen 26-jährigen Flüchtling wegen versuchter schwerer Brandstiftung zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Er hatte ein Feuer in einer Hemminger Unterkunft gelegt.

Bei dem Feuer, das 66 Feuerwehrleute mit 12 Fahrzeugen auf dem Plan rief, wurde niemand verletzt: Der Täter war zuvor durch die Unterkunft in der Heinrich-Hertz-Straße gelaufen und hatte seine Mitbewohner gewarnt. Nach Auskunft von Verteidigerin Tanja Brettschneider beläuft sich der Sachschaden in dem nicht mehr als Flüchtlingsunterkunft betriebenen Gebäude auf 5250 Euro.

Zwei Matratzen angesteckt

F. hatte am 12. Juni gegen 18.30 Uhr zwei Matratzen, Bettdecken und Kissen übereinander gelegt und mithilfe von Feuerzeugbenzin angesteckt. Da die Feuerwehr zeitnah im Hemminger Gewerbegebiet eintraf, konnten die Flammen schnell gelöscht werden. Das Zimmer des Libanesen,  in dem er mit einem anderen Flüchtling lebte, wurde stark beschädigt; Flur und Nachbarzimmer wiesen Spuren von Rauchgasen auf. Mieter des Gebäudes war die Stadt Hemmingen, Betreiber der Unterkunft das Deutsche Rote Kreuz. Unmittelbar nach dem Feuer mussten 14 der 22 damaligen Bewohner in ein nahegelegenes Heim umziehen, inzwischen wird das von dem Brand betroffene Haus überhaupt nicht mehr als Flüchtlingsunterkunft genutzt. 

Die Frage, die das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Koray Freudenberg ganz wesentlich beschäftigte, war die Frage nach dem „Warum?“ der Brandlegung. Hussein F. hatte den Libanon vor acht Jahren als 18-Jähriger verlassen und sechs Jahre in Dubai in der Gastronomie gearbeitet –nach Auskunft von Verteidigerin Brettschneider täglich 12 bis 13 Stunden, ohne Urlaub und bei mäßiger Bezahlung. Im September 2015 bekam der Mann, der sich einen Bundesadler auf seinen Oberarm tätowiert hat, ein Visum für das Land seiner Träume: Deutschland. Doch hier fiel er in ein tiefes Loch, durfte nicht arbeiten, wusste nichts mit sich anzufangen. Er wurde depressiv, versuchte –vergeblich –in einem psychiatrischen Krankenhaus aufgenommen zu werden, wandte sich häufig an die Stadt Hemmingen. Knapp zwei Stunden vor der Tat war er wieder einmal im Rathaus erschienen, hatte dort bereits angedroht, seine Unterkunft oder das Rathaus anzuzünden. Dass er dann tatsächlich zur Tat schritt, so seine Anwältin, seien eine „Kurzschlussreaktion“ und ein „Hilferuf“ gewesen. F. habe nie jemandem auf der Tasche liegen und überaus gern arbeiten wollen, doch dies sei ihm aufgrund der Gesetzeslage verwehrt worden.

Täter stellt sich freiwillig

Dass die Hemminger Brandstiftung einen ungewöhnlichen Hintergrund hat, zeigte sich auch zwei Stunden nach der Tat. Da tauchte F. auf dem Polizeirevier Mitte in der hannoverschen Herschelstraße auf, legte seinen Rucksack auf den Tisch und erklärte in schlechtem Englisch, dass er ein Feuer gelegt und seine Sachen für den drohenden Gefängnisaufenthalt bereits gepackt habe. 

Das Gericht folgte in seinem Strafmaß dem Antrag von Staatsanwalt David Fischer. Die Brandstiftung sei wahrlich keine Lappalie gewesen, so Richter Freudenberg, und die Folgen hätten auch wesentlich schwerwiegender sein können. Aber wenn Menschen knapp zwei Jahre „vor sich hinvegetieren“ würden, so der Vorsitzende, kämen sie halt manchmal auf komische Ideen. Laut Bewährungsauflage muss der Flüchtling nun auch noch 250 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, falls er nicht – wie von ihm angekündigt – zeitnah in sein Heimatland zurückkehrt. Alle Verfahrensbeteiligten waren sich einig, dass eine derartige Tätigkeit sehr hilfreich sein kann für den 26-Jährigen: Sein Alltag bekäme eine Struktur, er tue etwas Sinnvolles – und mit etwas Glück könnten sich über die Kontakte zu verschiedenen sozialen Einrichtungen sogar neue Arbeitsmöglichkeiten für ihn ergeben.

Von Michael Zgoll

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr haben Wildschweine den Modellflugplatz der Barsinghäuser Modellfluggruppe verwüstet. Für die Mitglieder bedeutet das abermals mühevolle Handarbeit.

01.12.2017

Bei einem Verkehrsunfall am Montagabend in der Südstadt ist eine 14 Jahre alte Fußgängerin angefahren und verletzt worden. Die Polizei sucht Zeugen.

28.11.2017

Die Drittklässerin überquerte am Morgen auf dem Weg zur Schule mit ihrem Fahrrad die Stadtbahnschienen in Altwarmbüchen und wurde von einer Bahn erfasst. Zwei Zeuginnen zogen das neunjährige Mädchen unter der Bahn hervor. Sie erlitt ersten Angaben nach nur leichte Verletzungen.

28.11.2017