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Braucht Hannover ein Niki-Museum?

Große Pläne für den Großen Garten Braucht Hannover ein Niki-Museum?

Das Schlossmuseum kämpft mit Besuchermangel, kamen zu Spitzenzeiten knapp 100.000 Besucher jährlich, waren es 2016 nur noch 68.000. Jetzt soll dort ein Niki-Museum entstehen. Bringt das die Wende?

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Ein Haus für Niki? Im Schloss Herrenhausen könnten bald dauerhaft Werke von Niki de Saint Phalle gezeigt werden.

Quelle: Katrin Kutter / Archiv / Collage

Hannover. Draußen zeigt sich die Sonne, die ersten Flaneure ziehen durch den Großen Garten. Doch hier drinnen im Schlossmuseum bleibt zwischen den Exponaten viel Platz an diesem Freitagmorgen. Ungestört blicken Welfenherrscher aus ihren Bilderrahmen. Kommt ein Besucher, begrüßen die Aufsichten ihn persönlich. Gerne auch zu zweit. Draußen ist ein heller Septembermorgen. Hier drinnen steht im konservatorischen Dämmerdunkeln ein Kindersarg aus der Barockzeit. Man kann schon ins Fürchten kommen, wenn man so allein durch das düstere Museum wandelt, von dem ein Teil im Wortsinne unterirdisch ist.

Das 2013 eröffnete Museum im Schloss Herrenhausen kämpft mit Besuchermangel; Oberbürgermeister Stefan Schostok will jetzt einen Neustart. Seine Idee: „Wir richten dort ein Museum ein, das sich voll und ganz der Künstlerin Niki de Saint Phalle widmet.“ Schließlich hatte die 2002 gestorbene Schöpferin der Nanas zu Hannover ein besonderes Verhältnis. Auch die nahe Grotte im Großen Garten stammt von Hannovers Ehrenbürgerin, die für ihre üppig-bunten Skulpturen berühmt ist.

Es kommen kaum Jugendliche

Von einem Niki-Museum erhofft sich Schostok eine Belebung des Hauses. „Die Besucherzahlen bleiben hinter den Erwartungen zurück“, räumt auch Museumsdirektor Thomas Schwark ein. Noch 2014, im Jahr der großen Royals-Ausstellung, kamen mehr als 98.000 Besucher. Im Jahr 2016 waren es nur noch 68.000, weit weniger als die ursprünglich anvisierten 80.000 - und das, obwohl die Kombitickets für 8 Euro sowohl fürs Museum als auch für den Garten gelten.

Herrenhausen zieht in Spitzenjahren bis zu 640.000 Besucher an, auch dank Großevents wie Feuerwerkswettbewerb und Kleinem Fest. Doch das Museum profitiert nicht von diesen Freiluftveranstaltungen, die gut zu einem legeren Bummel durch die Gärten passen, nicht aber unbedingt zu einem gehaltvollen Bildungsprogramm im Museum. Schwark sieht in einer Niki-Ausstellung eine Chance. „Da lassen sich zwei hannoversche Kraftfelder zusammenführen - Niki und die Gärten“, sagt er auch mit Blick auf Hannovers Bewerbung als Kulturhauptstadt.

Die Museumsmisere hat viele Ursachen

In einem Bericht der Verwaltung heißt es, dass die bisherige Dauerausstellung Lehrern kaum Anknüpfungspunkte für den Unterricht biete. Im ersten Halbjahr 2017 kam gerade einmal eine Schulklasse dorthin - im Sprengel-Museum waren es im selben Zeitraum 387 Klassen.

Zudem ist das Museum eher klein; Besucher sind teils unter der Erde unterwegs, und weil kein Rundweg möglich ist, müssen sie am Ende des Besuchs dieselbe Strecke noch einmal Richtung Ausgang zurückgehen. Das Ausstellungskonzept im Westflügel wurde seit der Eröffnung 2013 mehrfach überarbeitet. Immerhin soll dort im Oktober die interaktive Ausstellung „Geheimnis - ein gesellschaftliches Phänomen“ eröffnen, die auch auf junges Publikum abzielt.

„Dass es im Schlossmuseum eine Veränderung geben muss, ist klar“, sagt Hannovers Marketing- und Tourismuschef Hans Nolte verhalten. „Eine Niki-Ausstellung könnte temporär einen positiven Effekt haben“ , sagt er. Eine euphorische Reaktion sieht anders aus.

Auch Reinhard Spieler bleibt eher nüchtern. „Das ist ein interessanter Vorschlag, den wir jetzt prüfen - wir arbeiten an einem Konzept“, sagt der Direktor des Sprengel Museums. Sein Haus würde in diesem Fall die Trägerschaft des Schlossmuseums übernehmen, das bisher unter Kuratel des Historischen-Museums steht.

Museumsarchitektur ist diffizil

Dass seinem eigenen Haus Niki-Highlights abhandenkommen könnten, fürchtet Spieler nicht. Schließlich umfasst der Nachlass der Künstlerin, der im Jahr 2000 ans Sprengel-Museum kam, mehr als 400 Werke. Nicht alle sind restauriert, einige schlummern im Außenlager in Langenhagen. „Es reicht aber in jedem Fall für beide Häuser“, sagt Spieler. Denkbar sei, im Sprengel-Museum Nikis Früh- und in Herrenhausen ihr Spätwerk zu zeigen.

Die bauliche Situation in Herrenhausen sei allerdings diffizil, gibt Spieler zu bedenken. Raumgreifende Plastiken wie Nikis berühmte Gwendolyn ließen sich im Schlossmuseum mit seinen niedrigen Decken und engen Treppenhäusern gar nicht unterbringen.

Außerdem ist die Stadt sowohl für das Schloss als auch für das Sprengel-Museum gemeinsam mit dem Land zuständig; für den Umbau müssten sich beide einig sein - und sie müssten Sponsoren für das kostspielige Projekt finden. „Wir stehen noch ganz am Anfang“, sagt Oberbürgermeister Schostok.

Im Schlossmuseum prangt an der Wand ein Zitat der Kurfürstin Sophie. „Nur mit dem Herrenhäuser Garten können wir prunken“, befand diese vor gut 300 Jahren. Die zweite Hälfte ihres berühmten Satzes wird nicht so häufig zitiert: „... aber das lässt sich nicht ohne Unkosten machen.“

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