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„Eigentlich ist AC/DC ja auch Karneval“

Brings im Capitol „Eigentlich ist AC/DC ja auch Karneval“

Mit Brings spielt am Freitag eine Kölner Karnevals-Institution im Capitol – dabei wollte die Band eigentlich nur Rockmusik machen. Im HAZ-Interview sprechen sie über ihren Auftritt als AC/DC-Vorband und darüber, was sie antreibt, sich gegen Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass zu engagieren.

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Brings wurde 1990 von den Brüdern Peter (links) und Stephan Brings gegründet – ursprünglich als Rockband.

Quelle: HAZ

Die 25-jährige Karriere mit Brings lässt sich in zwei Hälften teilen: Die ersten zehn Jahre war Brings eine echte Rockband und hat im Vorprogramm von David Bowie und Tom Petty gespielt. Dann sind Sie beide in den Karneval gewechselt – und damit in ganz Deutschland bekannt geworden. Wie kam es dazu?
Stephan Brings: Der Peter hatte das Lied „Superjeilezick“ zu unserem zehnten Geburtstag geschrieben, aber völlig ohne Gedanken an den Karneval. Wir hingen in dieser Zeit ziemlich durch. Wir hatten ein stinkendes kleines Loch als Probenraum auf dem Gelände des Großmarktes, und da haben wir den Song auch aufgenommen. Als wir das Lied dann bei unseren Konzerten gespielt haben, hat die Halle nach dem zweiten Refrain mitgesungen. Und wenn alle mitsingen, dann weiß man als Kölner: Das ist Karneval. Wir haben dann alles auf uns zukommen lassen. Aber es gab auch so Momente, wo unser Gitarrist Harry Alfter auf den Stufen von irgendeiner Halle saß und gesagt hat: „Wir gehen in den Karneval, das darf nicht wahr sein.“

Die Kölner-Mundart Band "Brings" ist am Freitagabend im Capitol aufgetreten. Ihr erfolgreichster Titel ist Superjeilezick aus dem Jahr 2001.

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Für die Karnevalisten war es aber auch Neuland, ein paar echte Rocker auf die Bühne zu lassen.
Peter Brings: Der Präsident des alten Festkomitees konnte uns gar nicht leiden, der hat immer demonstrativ den Saal verlassen, wenn wir auftraten. Aber die Leute wollten das hören, und deswegen hat das funktioniert.

Stephan Brings: Wir brauchten uns aber auch vor diesen konservativen Kräften nicht zu verstecken, weil das Lied ja schon in den Kneipen groß geworden war. Wir hatten viele Anrufe von Karnevalsgesellschaften, die uns buchen wollten. Wir hatten aber nur dies eine Lied für den Karneval. „Egal“, haben die gesagt, „dann spielt ihr das halt zweimal.“ Das haben wir aber nie gemacht.

2001, also nach dem Erfolg von „Superjeilezick“, haben Sie in Hannover als Vorband von AC/DC im damaligen Niedersachsenstadion gespielt. Wie war das, wieder Rocker zu sein?
Peter Brings: Wir hatten eine große Diskussion, ob wir den Song überhaupt spielen sollten. Wir waren der Meinung, dass ein Karnevals-Hit nicht bei AC/DC funktionieren kann. Hat aber doch, denn eigentlich ist AC/DC ja auch Karneval.

Stephan Brings: Wir hatten etwa 30 Minuten Zeit und haben die härtesten Rocknummern gespielt, die wir hatten, aber „Superjeilezick“ hat am besten funktioniert.

Haben Sie die Jungs von AC/DC auch backstage getroffen?

Stephan Brings: Ja, klar. Die sind zu uns in die Garderobe gekommen, alle Mann, haben sich vorgestellt und sich bedankt, dass wir den Support übernehmen.

Peter Brings: Das sind ganz anständige Jungs. Wir durften alles von denen benutzen, die ganzen Verstärker. Der Christian (Blüm, der Sohn des ehemaligen Bundesarbeitsministers Norbert Blüm) hat das Schlagzeug von denen genutzt. Die waren wirklich toll, die Jungs.

Sie engagieren sich seit Jahren gegen Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass. Was treibt Sie an?

Peter Brings: Wir sind selbst Familienväter und würden alle, wenn wir keine Zukunft für unsere Kinder sehen würden, an einen Ort streben, der uns das ermöglicht. Wenn Bomben fallen, ist es eh keine Frage, aber auch wenn die wirtschaftliche Situation in einem Land es nicht mehr ermöglicht. Wenn man die Kollegen hier hinter uns sieht (deutet auf das Lager der sudanesischen Flüchtlinge auf dem Weißekreuzplatz, in dessen Nähe das Interview stattfindet), haben wir ja auch so einiges zu verantworten, warum diese Menschen wandern, mit der Vergabe von Fangrechten vor der afrikanischen Küste zum Beispiel. Das ist so, als wenn ich neben dir wohne und dir den Kühlschrank leer mache: Dann ist es nur eine Frage der Zeit, dass du bei mir essen kommst.

Sie feiern Ihren Geburtstag 2016 mit einem großen Konzert im Kölner Stadion. Wer kommt zum gratulieren?

Peter Brings: Wir laden uns Gäste ein – aus unserer Stadt und Leute, die internationale Erfolge hatten. Die Show wird im WDR übertragen. Zur gleichen Zeit spielt Udo Lindenberg in der Lanxess­Arena – vielleicht geht da ja was, zumindest mit einer Videoschalte ins Stadion.

Brings spielt am Freitag, 23. Oktober, im Capitol Hannover, Schwarzer Bär 2. Tickets gibt es für 29,30 Euro im Vorverkauf an allen HAZ-Ticketshops und auf tickets.haz.de .

Brings wurde 1990 von den Brüdern Peter (links) und Stephan Brings gegründet – ursprünglich als Rockband. Nach einigen Hits wie „Katharina“ und Auftritten bei Rock am Ring stagnierte die Karriere des Quintetts. Zum zehnjährigen Bestehen funktionierte Peter Brings den bekannten Schlager „Those Were the Days“ in „Superjeilezick“ um. Mit dem Stück eroberten die fünf Kölnern die Säle der rheinischen Karnevalshochburgen. Inzwischen ist Brings aus dem Karneval nicht mehr wegzudenken und zählt neben den Bläck Fööss und den Höhnern zu den erfolgreichsten Bands der sogenannten „fünften Jahreszeit“.

Interview: Tobias Morchner

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