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Brutale Tritte in der City vor Gericht

Prozesse gegen zwei Schläger Brutale Tritte in der City vor Gericht

Mit zwei brutalen Tritten mussten sich am Mittwoch die Gerichte in Hannover befassen. Im ersten Verfahren wurde das Opfer aus dem Drogenmillieu zum Pflegefall. Im anderen kann sich das obdachlose Opfer, obwohl es ein Video gibt, nicht erinnern.

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Der angeklagte Romeo W. ist schon vielfach vorbestraft. „Ich will nicht ausschließen, zugetreten zu haben“, sagte er.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover . Der Raschplatz gilt als Pflaster mit mäßigem Ruf. An einem Sonnabendvormittag im Juli 2016 ereignete sich hier vor den Augen vieler Passanten ein Verbrechen, das für Romeo W. vor dem Schwurgericht und für sein Opfer in Rollstuhl und Pflegeheim endete. Der 45-jährige W. soll seinem 39-jährigen Kontrahenten - beide im Trinker- und Drogenmilieu verwurzelt - mit derartiger Wucht gegen den Kopf getreten haben, dass der gebürtige Grieche fast gestorben wäre. Der vielfach vorbestrafte W. muss sich nun wegen versuchten Totschlags verantworten.

Romeo W. mit seiner Anwältin vor Gericht.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Opfer erleidet schwere Hirnverletzungen

Begonnen hatte der Streit, an dem mehrere Personen aus der Trinkerszene beteiligt waren, vor dem Kontaktladen Mecki. Hier kam es zu ersten Handgreiflichkeiten, bei denen auch der Angeklagte kräftig austeilte. Dann verlagerte sich das Geschehen die große Freitreppe hinauf Richtung Rundestraße. Von oben, so sagte ein Zeuge aus, habe das spätere Opfer eine Plastik-Bierflasche in Richtung von W. geworfen. Dieser verfolgte den 39-Jährigen und verpasste ihm, so gab er zu, vor dem SB-Bereich der Sparkasse am Bahnhofseingang zwei Faustschläge. Dann trat er seinem auf dem Boden liegenden Opfer mit aller Kraft ins Gesicht. Von einem Geräusch, als ob etwas dumpf zerbricht, sprach ein 26-jähriger Student, der die Tat miterlebt hatte - es war der Kopf des Griechen, als dieser auf die Steine prallte.

In den Gerichtssaal rollte das halbseitig gelähmte Opfer im Rollstuhl, lachte bei seiner Befragung oft unmotiviert. Gutachter Prof. Jens Rollnik sprach von einem „pathologischen Lachen“, bedingt durch schwere Hirnverletzungen. Hätten die Ärzte dem 39-Jährigen nach dem Tritt nicht zeitweilig die Schädeldecke entfernt, wäre dieser sogar gestorben. W. beruft sich darauf, unter dem Einfluss von Kokain gehandelt zu haben. Das Urteil wird die Kammer unter Vorsitz von Wolfgang Rosenbusch wahrscheinlich nächsten Mittwoch sprechen.

Ein heftiger Tritt gegen den Kopf eines Opfers war am Mittwoch Thema eines weiteren Prozesses, hier vor einer Jugendschöffenkammer am Amtsgericht. Die Tat ereignete sich abends in der Bahnhofstraße. Ein auf einer Bank schlafender Obdachloser wurde von einem Mann mit einem kickboxähnlichen Fußtritt im Gesicht getroffen, das zeigt ein wenige Sekunden dauerndes Handyvideo. Auf der Anklagebank sitzt der 22-jährige Dennis R., angeklagt wegen gefährlicher Körperverletzung. Doch stehen ungewöhnliche Fragen im Raum: Wer war das Opfer? Wann geschah die Tat? Und war es wirklich R., der den arglosen Mann attackierte?

Der Angriff geriet nur deshalb ins Visier der Polizei, weil das Handy von R. im Zuge anderer Ermittlungen untersucht wurde. Die Sequenz, die das Gericht unter Vorsitz von Brigitte Meier vielfach abspielte, zeigt einen älteren Mann mit weißem Bart und Zauselhaar. Er liegt auf dem Rücken auf einer Bank, neben sich ein Einkaufswagen mit persönlichen Habseligkeiten. Dann läuft ein junger Mann in Bermudashorts und Turnschuhen, der dem Angeklagten sehr ähnlich sieht, ins Bild und tritt zu, die Arme in Kampfstellung angewinkelt. Anschließend laufen die Beteiligten weg: der Täter, der Filmende und ein dritter Mann, von dem man nur die Beine sieht.

Dennis R. erklärte vor Gericht, sich nicht an die Tat erinnern zu können – allerdings sprächen die Aufnahmen gegen ihn.

Dennis R. erklärte vor Gericht, sich nicht an die Tat erinnern zu können – allerdings sprächen die Aufnahmen gegen ihn.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Die Tat soll sich in der ersten Hälfte 2015, vielleicht schon 2014 ereignet haben. Die Polizei ging zunächst von versuchtem Mord aus, suchte in der Obdachlosenszene monatelang nach dem Opfer. Inzwischen ist ein 56-Jähriger identifiziert, der laut mehrerer befragter Sozialarbeiter sehr wahrscheinlich der Gesuchte ist. Doch bestreitet dieser, getreten worden zu sein – oder kann sich zumindest an nichts mehr erinnern. Eine ärztliche Untersuchung im Juli 2016 ergab keinen Befund; ein Mediziner sagte aber, der Tritt hätte das Opfer schwer verletzen oder gar töten können. Dieser Prozess geht in zwei Wochen weiter.

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