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Aus der Stadt Brutales „Brettern“ versetzt Opfer in Todesangst
Hannover Aus der Stadt Brutales „Brettern“ versetzt Opfer in Todesangst
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00:16 13.06.2016
Von Michael Zgoll
Quelle: dpa (Symbolbild)
Hannover

Es war einer dieser fast schon „normalen“ Raubüberfälle, über die man täglich in der Zeitung liest. Drei junge Männer fallen in einer Augustnacht 2015 über einen 62-jährigen Passanten her. Auf offener Straße, in Linden-Nord. Sie treten und prügeln auf ihr Opfer ein, schüchtern es mit einem Messer ein, doch das erhoffte Geld oder Handy erbeuten sie nicht. Minuten später gehen sie einen 22-Jährigen an, ringen ihm - mit dem Messer drohend - Telefon und Feuerzeug ab. Jetzt hat eine Jugendkammer des Landgerichts zwei der drei Täter wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung zu Bewährungsstrafen verurteilt, verbunden mit einigen Auflagen. Der dritte Mann ist flüchtig.

Wesley N. hat großes Glück. Hätte man ihn nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt, wäre der 19-Jährige wohl mehrere Jahre ins Gefängnis gewandert – er ist einschlägig aktenkundig. Aber: „Strafvollzug führt oft zu Ausgrenzung und Destabilisierung“, sagt der Vorsitzende Richter Ralph Guise-Rübe. Die Rückfallquote nach Gefängnisaufenthalten sei bei jungen Delinquenten sehr hoch. Noch hat Wesley N. eine Freundin, noch hält die Familie zu ihm, noch sieht das Gericht eine Chance. Die Kammer entlässt ihn mit Bewährungsauflagen: ein Sozialtraining, zehn Tage gemeinnütziger Dienst. Wenn das nicht klappt, wandert er in die Jugendanstalt.

Dass Joshua E. bei den Raubüberfällen mitgemacht hat, verwundert ein wenig. Der 20-jährige Ricklinger hat eine Privatschule besucht, Abitur gemacht, kann mit einer beruflichen Perspektive aufwarten und ist nicht vorbestraft. Auch hat er in jener Nacht nicht selbst zugeschlagen. Aber er war dabei, hat keine Anstalten gemacht, das brutale Würgen und Verprügeln des 62-Jährigen zu verhindern. E. wird kurz nach den Überfällen festgenommen. Und nennt der Polizei schließlich Ross und Reiter.

Gut zwei Monate saß Joshua E. später in Untersuchungshaft, das hat ihn offenbar schwer beeindruckt. Schlussendlich kostet ihn seine Tatbeteiligung neun Monate Haft auf Bewährung und zehn Tage gemeinnützige Arbeit.

Wie kann es passieren, dass junge Männer ihnen völlig unbekannte Menschen malträtieren, sie verletzen und in Angst und Schrecken versetzen? Den ganzen Tag haben die Drei zusammengehockt, auch im Freibad, haben sich immer mehr an Gewaltfantasien ergötzt. Und irgendwann ist klar: Die Gruppe will jemanden „brettern“, heißt: Ärger machen, zuschlagen. Aus Jux. Außerdem braucht Athir S., der Dritte im Bunde, ein neues Telefon. Das nächtliche Ego-Shooter-Ballerspiel am Computer, befeuert mit ein paar Gläsern Wiskey und Barcadi, heizt die Stimmung weiter an. Dann vermummen sich die Täter, nachts gegen halb drei, stecken ein Küchen- und ein Cuttermesser ein und streunen durch die Straßen. Bis sie ihre Opfer finden. Zufallsopfer, wie sie im Buche stehen.

„Ich hatte Todesangst“, sagt der 62-Jährige vor Gericht. Drei Wochen war er krankgeschrieben, inzwischen sind die körperlichen Wunden verheilt. Doch geht der Lindener jetzt nicht mehr so spät wie ehedem vors Haus. Aus Angst, wieder auf ein paar Heranwachsende zu treffen, die Bock auf „Brettern“ haben.

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