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Biografie eines Überlebenden

Buch über Henry Korman Biografie eines Überlebenden

Der Jude Henry Korman spricht oft in Schulklassen über den Holocaust. Am Sonntag ist mit "Biografie eines Überlebenden" das Buch über sein Leben vorgestellt worden. Renate Müller de Paoli hat es geschrieben.

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Ministerpräsident Stephan Weil (li.) und Regionspräsident Hauke Jagau nehmen Henry Korman in die Mitte.

Quelle: Wallmüller

Hannover. Henry Korman hat die schlimmsten Orte und Auswüchse des Holocaust ertragen müssen und sie überlebt. Davon berichtet der 95-jährige Jude gemeinsam mit seinem Freund Salomon Finkelstein häufig in Schulklassen, als Mahnung und als Beitrag gegen das Vergessen. „Es ist beeindruckend, zu erleben, wie pubertierende Jugendliche plötzlich mucksmäuschenstill werden, gefesselt zuhören und sich am Ende bedanken“, sagt Regionspräsident Hauke Jagau. Jetzt gibt es Kormans Lebensgeschichte, betitelt schlicht „Biografie eines Überlebenden“, als Buch. Geschrieben hat es Renate Müller de Paoli im Auftrag von Stadt und Region Hannover.

Korman wurde im polnischen Radom geboren, im August 1942 verhaftet und von seiner Familie getrennt, deren Mitglieder er bis auf eine Schwester alle durch den Nazi-Terror verlor. Seine Odyssee führte ihn aus dem Ghetto in Radom zunächst in die Zwangsarbeit nach Starachowidse und dann in mehrere Konzentrationslager, darunter Auschwitz und Hannover-Mühlenberg. Zuletzt musste er einen der Todesmärsche nach Bergen-Belsen mitmachen - für ihn, der schon Unvorstellbares durchgemacht hatte, „die schlimmsten Tage meines Lebens. Wir hatten keine Seelen mehr.“ Als das Lager von den Briten befreit wurde, war er unter den Lebenden. „Ich hatte mir nach 1945 nicht vorstellen können, wieder nach Deutschland zu kommen“, erinnert sich Korman. 13 Jahre später tat er es dennoch und lebt seitdem abwechselnd in Hannover und New York.

„Guten Tag, Freunde“, sagte Korman gestern bei der Buchpräsentation im Regionshaus. Davon hat er viele, auch Ministerpräsident Stephan Weil zählt dazu und war ebenso wie Bürgermeister Klaus-Dieter Scholz gekommen. Für das Buch seien zwei Jahre Gespräche und Diskussionen mit der Autorin Müller de Paoli ins Land gegangen. Diese habe die notwendige Geduld aufgebracht, obwohl es nicht immer leicht gewesen sei mit ihm: „Meine Erinnerungen kamen hoch, und sie tun auch weh.“ Niemand im Saal hätte dies bezweifelt.

Das Buch bietet den zum Einordnen von Kormans Lebensgeschichte notwendigen historischen Kontext - etwa zum deutschen Überfall auf Polen, zur Einrichtung von Ghettos und zur „Aktion Reinhardt“, mit der die Nazis die Vertreibung und Massenermordung der polnischen Juden bezeichneten. „Kormans Geschichte ist aktuell. In der derzeitigen Flüchtlingsdebatte melden sich wieder Leute, deren Äußerungen erkennen lassen, dass sie den Wert des Menschen nicht schätzen“, sagte Jagau.

Das Buch „Henry Korman. Biografie eines Überlebenden“ kostet 10 Euro und ist im Buchhandel sowie von Mitte der Woche an auch im Bürgerbüro im Regionshaus sowie in der Gedenkstätte Ahlem erhältlich. Die Auflage beträgt 1500 Exemplare.

von Bernd Haase

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