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„Die Kinder sind besonders treu“

Fahrende Bibliothek „Die Kinder sind besonders treu“

Gerade einmal 100 Bücherbusse gibt es in Deutschland - einer davon ist in Hannover. Martin Schnettler und Besime Dincer fahren mit ihrer rollenden Bibliothek quer durch die Stadt und in die Region. 4500 Medien haben sie an Board und berichten im HAZ-Interview von ihrer Arbeit an einem ungewöhnlichen Ort.

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Mit 4500 Medien auf Tour: Martin Schnettler und Besime Dincer arbeiten im Bücherbus.

Quelle: Franson

Hannover. Frau Dincer, Herr Schnettler, was machen Sie da?
Martin Schnettler: Wir verbuchen gerade am Laptop die ausgeliehenen und zurückgebrachten Bücher in unserer Fahrbibliothek.

Die rollenden Bibliothek, mit der Sie jetzt vor dem Bürgergemeinschaftshaus Ahlem stehen, sieht ganz imposant aus. Ist das ein ausrangierter Üstra-Bus?
Schnettler: Nein, das ist ein Bus, den die Firma MAN quasi als Rohbau angefertigt hat. Ein Unternehmen in Süddeutschland war für den Innenausbau zuständig. Die machen das als Sonderanfertigung: In Deutschland gibt es gerade mal 100 Bücherbusse. Unser hier ist schon seit 25 Jahren im Einsatz.

Mit 4500 Medien auf Tour: Martin Schnettler und Besime Dincer arbeiten im Bücherbus.

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Auf wie viele Kilometer kommen Sie im Jahr?
Schnettler: Rund 9000. Das ist nicht viel, aber wir sind ja nur im Stadtgebiet unterwegs. Wir fahren immer von Montag bis Donnerstag, der Freitag ist dann Putz- und Werkstatttag.

Und was transportieren Sie im Bus?
Besime Dincer: Wir haben hier rund 4500 Medien. Hauptsächlich Bücher, aber auch CDs, DVDs und Wii-Spiele. Ungefähr 60 Prozent der Medien sind für Kinder, der Rest für Erwachsene. Die Kinder sind besonders treue Nutzer und machen 80 Prozent unserer Kunden aus.

Was leihen die am liebsten aus?
Dincer: Bei den Mädchen ist zurzeit die Reihe „Dork Diaries“ von Rachel Renée Russell besonders beliebt. Und die Jungen lesen „Gregs Tagebuch“. Wir haben alle Greg-Bücher – und zwar mehrmals. Trotzdem gibt es im Moment an die 70 Vorbestellungen, weil die Titel ständig ausgeliehen sind.

Wie läuft das mit den Vorbestellungen?
Dincer: Wir fahren jeden unserer insgesamt 17 Standorte alle zwei Wochen an festen Tagen zu festen Uhrzeiten an. In Ahlem zum Beispiel stehen wir jeden zweiten Dienstag zwischen 13 und 15 Uhr. Ein Leser kann an einem Dienstag eine Liste mit Vorbestellungen schreiben und abgeben, und 14 Tage später kann man die Titel bei uns abholen.

Wie viele Titel darf man ausleihen?
Dincer. So viele, wie man will und tragen kann.

Nutzen Kinder das denn tatsächlich? Sind die nicht eher mit dem Smartphone beschäftigt?
Dincer: Kinder lesen viel. Klar, manche laufen erst mal in unsere DVD- oder Spiele-Ecke. Aber die meisten leihen vor allem Bücher aus. Manchmal sagen die Eltern auch: Okay, du darfst ein Wii-Spiel mitnehmen, du musst aber auch zwei Bücher leihen. Aber alles in allem sind viele Kinder lesebegeistert. Schwieriger ist es mit den Jugendlichen – gerade die Jungen zwischen 13 und 16 lesen kaum.

Beraten Sie die jungen und älteren Leser auch?
Dincer: Oh ja, und zwar viel mehr als in den normalen Stadtteilbibliotheken. Ich arbeite eigentlich in der Bibliothek Badenstedt und bin nur dienstags mit der Fahrbibliothek unterwegs. Im Bücherbus ist der Kontakt zu den Lesern viel direkter, viele der Nutzer kenne ich schon seit Jahren. Einige berichten von ihrer Familie und von der Schule. Kinder erzählen zum Beispiel, wenn die Mutter oder der Vater krank sind. Zwei Wochen später frage ich dann nach, wie es den Eltern geht – daraus entwickeln sich oft persönliche, schöne Kontakte.

Die Stimmung hier im Bus ist jedenfalls gut. Es herrscht Hochbetrieb. Wann räumen Sie die zurückgegebenen Bücher ein? Abends?
Schnettler: Wir versuchen, die Titel zwischendurch weg zu sortieren. Am Abend sind wir ja oft bis 19 Uhr an unseren Standorten, und dann müssen wir den Bus noch zurückfahren. Wir haben einem Stellplatz auf dem Aha-Gelände in Groß-Buchholz gemietet. Unser betagter Bücherbus sieht auch deshalb so gut aus, weil er nachts in einer Halle geparkt ist.

Interview: Martina Sulner

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