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Bürgerinitiative und Verkehrsclub plädieren für Niederflurbahn

Debatte um Linie 10 Bürgerinitiative und Verkehrsclub plädieren für Niederflurbahn

Die Debatte um die Stadtbahnlinie 10 geht weiter: Die Bürgerinitiative Umweltschutz (BIU) und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) plädieren für eine Niederflurbahn. Die Üstra hingegen setzt auf Bahnsteige.

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Das Bild zeigt den Hochbahnsteig am Schünemannplatz in Ricklingen, den die Bürgerinitiative Umweltschutz (BIU) und der Verkerhsclub Deutschland (VCD) fotografiert und dann in eine Straßenansicht der Limmerstraße im Bereich der Haltestelle Leinaustraße einmontiert haben.

Chancen für und durch Niederflurbahnen“ – so lautet die Überschrift über einem Dossier, das die Bürgerinitiative Umweltschutz (BIU) und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) gemeinsam verfasst haben. Sie plädieren für diesen Straßenbahntyp auf der Linie 10, obwohl ein von der Üstra in Auftrag gegebenes Gutachten der Technischen Universität Braunschweig zu gegenteiligen Aussagen gekommen war. Cay Lienau (VCD) hält von dem Gutachten nichts: „Es ist einseitig und verengt, weil es nur finanzielle und betriebliche Aspekte beleuchtet. Städtebau und Nutzerfreundlichkeit wurden ausgeblendet.“ Ähnliches Misstrauen hatten zuvor schon Politiker aus dem Bauausschuss des hannoverschen Rates geäußert.

Es geht wieder einmal um die Frage, wie Hannovers einzige oberirdische Stadtbahnlinie künftig behindertengerecht ausgestattet werden soll – ob mit Hochbahnsteigen, gegen die Anrainer der Limmer Straße Sturm laufen, oder mit Niederflurtechnik, was die Anschaffung eines zweiten Stadtbahnsystems zur Folge hätte. Das von der Üstra präsentierte Gutachten hatte allein für den Fahrzeugkauf 35 Millionen Euro veranschlagt und zunächst für Ernüchterung bei den Politikern in der Regionsversammlung gesorgt. Die Behörde ist für den Nahverkehr zuständig, aber die Stadt Hannover redet bei der Stadtbahn aus städtebaulichen Gründen mit. „Diese Summe wird als Totschlagargument benutzt“, kritisiert VCD-Mann Lienau.

Im Prinzip geht es um etwa einen halben Meter. Während Hochbahnsteige 85 Zentimeter hoch sind, bringen es die Anlagen für Niederflurbahnen nur auf 25 bis 30 Zentimeter. Dadurch können auch die Zufahrtrampen kürzer ausfallen. „Deswegen halten wir die Niederflurbahn für den einzigen Ausweg aus dem städtebaulichen Dilemma“, erklärt Thomas Schwartz vom Arbeitskreis Verkehr der BIU. Kaum jemand kann sich etwa Hochbahnsteige am Steintor vorstellen, wo die Mendini-Haltestelle abgebaut und in Höhe der Münzstraße wieder aufgebaut werden müsste. „Stadtbaurat Uwe Bodemann hat ständig auf die städtebaulichen Aspekte in der City hingewiesen, aber erstaunlicherweise nichts zur Limmerstraße gesagt. Dort hätten Hochbahnsteige ähnlich prekäre Folgen“, sagt Schwartz.

Die Bürgerinitiativen zweifeln auch die Kostenrechnungen an. Niederflurbahnen gebe es mittlerweile als Serienmodelle, was sie von den wegen ihrer taillierten Form sonderangefertigten Silberpfeilen der Üstra unterscheide. Außerdem seien die Borde für die Niederflurbahnen erheblich günstiger zu bauen. „Inklusive aller Installationen veranschlagen wir 500 000 Euro. Bei Hochbahnsteigen sind es im Schnitt 2,5 Millionen Euro“, hat Lienau errechnet.

Schließlich sehen die Bürgerinitiativen auch Vorteile für die Fahrgäste. „Von einer Niederflurbahn profitieren etwa Eltern mit Kinderwagen oder Reisende mit Fahrrädern sofort und müssten nicht erst warten, bis nach und nach alle Stationen zu Hochbahnsteigen umgerüstet worden sind. Außerdem könnten die Niederflurborde auch von Bussen angefahren werden. Entscheide man sich für den Bahntyp, schaffe man sich für das Netz Erweiterungsmöglichkeiten etwa Richtung Rathaus und Maschsee, in die Südstadt oder durch die Königstraße zum Zoo.

Das Thema dürfte köcheln. Ulf-Birger Franz, Wirtschaftsdezernent der Region, hatte angekündigt, das bis Ende des Jahres eine Entscheidung fallen soll, wie es mit der Linie 10 weiter geht. Zeit für weitere Debattenbeiträge ist also vorhanden.

Bilder, wie behindertengerechte Stadtbahnhaltestellen im Stadtbild der Limmerstraße wirken könnten, gab es bisher nicht. Die Bürgerinitiative Umweltschutz und der Verkehrsclub Deutschland haben jetzt auf Abhilfe gesonnen. Das Bild oben links zeigt den Hochbahnsteig am Schünemannplatz in Ricklingen, den sie fotografiert und dann in eine Straßenansicht der Limmerstraße im Bereich der Haltestelle Leinaustraße einmontiert haben. Es handelt sich dabei um einen 100 Meter langen, sogenannten Mittelbahnsteig, an dem die Bahnen beidseitig halten. Das rechte Bild zeigt ein Hochbord für Niederflurbahnen an derselben Stelle.

Bernd Haase

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