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Bund fördert Containerdorf in Linden

Jugendförderung Bund fördert Containerdorf in Linden

Der Bund steckt 120.000 Euro in ein Containerdorf in Linden – und schaut, was passiert, wenn man junge Leute tun lässt, was sie wollen. Rund 250 junge Leute zwischen 16 und 40 Jahren umfasst die Gemeinschaft von Skatern und Platzprojektlern inzwischen.

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Hannover, 23.08.2014: Skatecontest auf dem "2er" Skatepark.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Auf den ersten Blick sieht das Containerdorf an der Fössestraße aus wie eine Bauwagensiedlung. Eine Jurte steht hier, Überseecontainer mit grob gezimmerten Holzaufbauten, eine improvisierte Bühne, eine Bar mit Dachterrasse. Erst auf den zweiten Blick ahnt man, dass mehr hinter dem Bretterdorf steckt: An jedem Container prangt ein Schild, das ein dazugehöriges Projekt ausweist, einen Geldgeber, einen Kosten- und Zeitrahmen und ein Projektziel. Die Brachfläche in Linden verwandelt sich zurzeit in ein Versuchslabor für jugendorientierte Stadtentwicklung - gefördert mit 120.000 Euro vom Bundesinstitut für Bauforschung.

Daniel Mey und Robin Hörning tragen ausgebeulte T-Shirts, Hosen mit Löchern und im Gesicht Narben von Skateboardstürzen. Sie sitzen auf dem Dach der selbst gebauten Bar, rauchen selbst gedrehte Zigaretten und reden über Finanzierungspläne, Zielvereinbarungen, Versicherungen, Ausschreibungen und Genehmigungsverfahren. „Was wir hier aufbauen, soll auch nach dem Ende des Förderzeitraums Bestand haben“, sagt Hörning. Drei Jahre Zeit hat das „Platzprojekt“, um so viele konkrete Ideen beim Bundesinstitut einzureichen, dass die komplette Summe abgerufen werden kann. Dann läuft die Förderung für das Programm „Jugend.Stadt.Labor“ aus. Vor zwei Wochen haben die Lindener einen Zwischenbericht nach Berlin geschickt - 28 Seiten, eng beschrieben.

Der Skatecontest auf dem "2er"-Skatepark.

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Mey und Hörning sind Mitglieder des Vereins 2erSkateboarding, der nebenan auf einer Fläche des Metro-Konzerns in Eigenarbeit eine professionelle Skatebahn errichtet hat. Zunächst war das Vorhaben illegal - inzwischen hat der Verein die Fläche gepachtet, ist versichert und arbeitet gut mit den Behörden zusammen. „Die Stadt gab uns den Tipp für die Bewerbung bei dem Projekt des Bundesamts“, erzählt Hörning.

Als eines von deutschlandweit acht Projekten erhielten die Lindener den Zuschlag. Im Juni bekamen sie Besuch aus Berlin - zwei Mitarbeiter des Bundesamts schauten sich das Containerdorf an und waren offenbar ziemlich zufrieden mit dem, was sie vorfanden: einen neuen Treffpunkt für kreative junge Leute, die versuchen, eigene Ideen umzusetzen, für die sie in den bestehenden Strukturen der Großstadt keinen Platz finden.

Inzwischen stehen ein halbes Dutzend Container auf dem Platz, vor wenigen Wochen wurde der jüngste verlost:

Wer den besten Vorschlag machte, durfte mit seinem Kreativprojekt, einem eigenen Laden oder einem Kunstatelier in die graue Metallbox einziehen. Die Vorschläge reichten vom Riesen-Aquarium bis zum Secondhandladen. Den Zuschlag bekam Lena Meine. Momentan richtet die 23-Jährige Modedesignerin darin ein offenes Nähatelier ein, in dem sie Kurse und einen Reparaturservice anbieten will. 60 Euro Miete kostet ein Container monatlich, gemeinnützige Projekte müssen keine Gebühr zahlen. Es gibt bereits eine Holzwerkstatt, einen Gemüsegarten, ein Tattoostudio oder eine Werkstatt, die Musikinstrumente aus Schrott herstellt.

Rund 250 junge Leute zwischen 16 und 40 Jahren umfasst die Gemeinschaft von Skatern und Platzprojektlern inzwischen - Studenten, Musiker, Handwerker, die irgendwo zwischen Skateplatz und Beruf ihren Platz im Leben suchen. „Wir waren selbst erstaunt darüber, welche Dynamik sich hier entwickelt“, sagt Daniel Mey. „Ein ,Jugend.Stadt.Labor’ ist ein selbst organisierter Möglichkeitsraum von jungen Menschen, die über ihre Städte diskutieren und diese aktiv mitgestalten möchten“, schreibt das Bundesamt. Diesen Anspruch nimmt Architekturstudent Hörning sehr ernst: Wenn die „Orientierungsphase“ des Projekts abgeschlossen sei, möchte man sich stärker in die Diskussion um die Zukunft Hannovers einmischen. „Wir wollen eine Rolle beim Stadtentwicklungskonzept ‚Hannover 2030’ finden“, sagt Hörning. Könnte sein, dass das gelingt.

Allerdings ist unklar, wie lange das Platzprojekt über die Brachfläche an der Fössestraße verfügen kann: Der Verein hat das Gelände von der Metro gepachtet, aber es gibt immer wieder Gerüchte, dass der Konzern den Grund verkaufen will. „Wenn das passiert, müssen wir in wenigen Monaten hier alles abreißen“, sagt Mey.

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