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Großer Zapfenstreich für 1. Panzerdivison

Zeremonie am Neuen Rathaus Großer Zapfenstreich für 1. Panzerdivison

Mit einem Großen Zapfenstreich vor dem Neuen Rathaus ist am Abend die 1. Panzerdivision aus Hannover verabschiedet worden. Wegen der Sicherheitsbestimmungen waren in der City zahlreiche Straßen gesperrt, es kam zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. 

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Am Donnerstagabend fand vor dem Neuen Rathaus ein Großer Zapfenstreich statt.

Quelle: Rainer Dröse

Hannover. Mit militärischen Ehren ist am Donnerstagabend der Stab der 1. Panzerdivision verabschiedet worden. Der Große Zapfenstreich auf dem Trammplatz, an dem neben Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) weitere rund 500 Ehrengäste sowie etwa 700 Zuschauer teilnnahmen, verlief ohne Störungen. Allerdings waren die Sicherheitsvorkehrungen, die von der Polizei und den Feldjägern im Vorfeld getroffen worden waren, enorm. Die Führung des Truppenverbandes, dem seit 2014 Generalmajor Johann Langenegger als Kommandeur vorsteht, hat künftig ihren Sitz in Oldenburg. Der Stab bestand bislang aus rund 350 Soldaten, wird künftig aber auf 500 aufgestockt. Von dem Umzug sind allerdings lediglich etwa 200 Bundeswehrangehörige und ihre Familien betroffen. Einige hatten sich entschlossen, von Hannover nach Oldenburg zu pendeln. Andere haben sich in andere, näher gelegene Einheiten verlegen lassen. Der Stab der "Ersten" hatte seit 1956 seinen Sitz in der niedersächsischen Landeshauptstadt.

Die musikalische Zeremonie auf dem Trammplatz mit Fackelträgern und dem Wachbataillon beim Bundesverteidigungsministerium hatte pünktlich um 18 Uhr begonnen. Mit den Glockenschlägen der Rathausuhr marschierte das Stabsmusikkorps der Bundeswehr und das Heeresmusikkorps Hannover unter Leitung von Oberstleutnant Martin Wehn vor das Rathaus. Drei Musikstücke hatte sich der Stab zu seinem Abschied nach 59 Jahren aus Hannover gewünscht. Es erklang der "Alexandermarsch" von Andreas Leonhardt, der Marsch der Hannoverschen Garde du Corps und die Komposition "Alla Hornpipe" von Georg Friedrich Händel. Auf der Tribüne verfolgten unter anderem Hannovers Polizeipräsident Volker Kluwe, der Bundestagabgeordnete Wilfried Lorenz (CDU), Dirk Toepffer, Fraktions-Chef der CDU im niedersächsischen Landtag, Thomas Schremmer, Landtagsabgeordneter der Grünen, und Schützenpräsident Paul-Eric Stolle den Zapfenstreich.

Militärische Ehren zum Abschied. Nach fast sechs Jahrzehnten wird die 1. Panzerdivision offiziell aus Hannover verabschiedet.

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Verteidigungsministerin von der Leyen erklärte in ihrer Rede im Rathaus im Anschluss an die Zeremonie, die 1. Panzerdivision sei schon immer ein ganz besonderer Verband gewesen, in der sich die Geschichte der Bundeswehr spiegele. Sei der verband zunächst in unmittelbarer Nähe der deutsch-deutschen Grenze stationiert gewesen, habe er sich mit dem Fall der Mauer plötzlich inmitten von Europa befunden. "Heute ist die Division zu einem international einsatzbaren Verband gereift", sagte von der Leyen. Alle zwei Jahre übernimmt die 1. Panzerdivision die Aufgabe der Leitdivision für alle Auslandseinsätze des deutschen Heeres. Im kommenden Jahr steht unter anderm die Koordinierung des Einsatzes in Mali an.

"Die Division hat alle Erfolge aber auch alle Rückschläge mitgemacht, die Auslandseinsätze mit sich bringen", sagte Ursula von der Leyen. Gleichzeitig erinnerte die Verteidigungsministerin an die zahlreichen Inlandseinsätze der Truppe in den vergangenen Jahren. "Allein derzeit sind täglich 7500 bis 9000 Soldatinnen und Sodaten in der Flüchtlingskrise im Einsatz - das sind doppelt so viele, wie bei unseren derzeitigen Auslandseinsätzen", sagte die CDU-Politikerin. Mit Blick auf die Gegendemonstranten, deren Rufe vereinzelt auf dem Trammplatz zu hören waren, wies von der Leyen auf ein Banner hin, mit dem die Bundeswehr derzeit Werbung für sich macht. "Das steht ein Satz drauf, an den ich heute Abend erinnen möchte: "Wir kämpfen auch dafür, dass du gegen uns sein kannst", heißt es da."

Mini-Kröpckeuhr zum Abschied

Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok wies in seiner Ansprache auf die seit 1983 bestehende Ehrenpatenschaft der Landeshauptstadt mit dem Verband hin. "Das alljährliche Sommerbiwak der Panzerdivision zählte zu den großen gesellschaftlichen Ereignissen der Stadt", sagte Schostok. Zum Abschieb überreichte er Generalmajor Langenegger eine Miniaturnachbildung der Kröpckeuhr. Der kommandeur revanchierte sich ebenfalls mit einem Präsent. Schostok bekam einen Nachbildung in Klein des Findlings, der vor dem Sitz der 1. Panzerdivision an der Hans-Böckler-Allee stand.

Unklar ist, was aus den Gebäuden wird, die zur Division gehört haben. Einige der Räumlichkeiten werden weiterhin vom Landeskommando des Verbandes und vom Bundeswehrdienstleistungszentrum genutz. Die Feldjäger, die seit einiger Zeit ihren Sitz in Hannover haben, könnten möglicherweise den jetzt frei gewordenen Platz gut gebrauchen können.

Protest fällt eher klein aus

Der ganz große Protest gegen die 1. Panzerdivision blieb am Abend aus. Lediglich 80 Demonstranten folgten dem Aufruf des Friedensbüros Hannover und versammelten sich gegen 16.30 Uhr am Kröpcke. Von dort zogen die Teilnehmer über Karmarsch- und Breite Straße bis zur Ecke Osterstraße/Friedrichswall, um ihrem Unmut über die Bundeswehr und die Pläne der Bundesregierung, 1200 Soldaten nach Syrien zu schicken, Luft zu machen. Dort angekommen, stimmten sie Sprechchöre wie "Deutsche Waffen, deutsches Geld, morden mit in aller Welt" an.

Rund 80 Menschen haben gegen den Zapfenstreich der Bundeswehr in Hannover demonstriert.

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"Statt der Ausweitung von Militäreinsätzen fordern wir eine politische Lösung!", hieß es in einem Informationsblatt, in dem der Verein einen Einsatz in Syrrien als "völkerrechtswidrig" bezeichnet. Die Aktivisten fordern stattdessen unter anderem den Stopp von Waffenlieferungen in den Nahen Osten, die Austrocknung der Einnahmequellen des sogenannten "Islamischen Staates" und,  dass Deutschland Druck auf Verbündete wie die Türkei oder Saudi-Arabien ausüben soll, damit diese die Terrororganisation nicht weiter unterstützen. Der Protest, der gegen 18 Uhr endete, verlief friedlich.

Sperrungen legen Verkehr zeitweise lahm

Ein größeres Problem als der Protest gegen den großen Zapfenstreich stellte der die Verkehrslage dar. Bereits im Laufe des Tages kam es zu Verkehrsbehinderungen in der Innenstadt, da die Polizei den Bereich um den Trammplatz zur Hochsischerheitszone erklärt hatte. Ab 10 Uhr durften weder Autofahrer noch Radler oder Fußgänger den Friedrichswall zwischen Culemannstraße und Willy-Brandt-Allee passieren. Letztere wurde dann ab 14 Uhr ebenfalls gesperrt. Vor allem während des Feierabendverkehrs kam es durch die Sperrungen zu langen Wartezeiten auf der Lavesallee und dem Leibnizufer sowie dem Schiffgraben und der Hildesheimer Straße. Zeitweise staute sich der aus Osten kommende Verkehr nach Informationen der Verkehrsmanagementzentrale vom Aegidientorplatz bis zur Clausewitzstraße.  

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