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Aus der Stadt Ein Stück Militärgeschichte endet
Hannover Aus der Stadt Ein Stück Militärgeschichte endet
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19:10 10.12.2015
Oktober 1971: Langhaarige Soldaten der 1. Panzergrenadierdivision - eine unterstellte Abteilung der 1. Panzerdivision in Hannover - müssen im Dienst aus Sicherheitsgründen Haarnetze tragen. Quelle: Herbert Rogge
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Hannover

Die Männer der ersten Stunde kamen vom Bundesgrenzschutz: Im Juni 1956 traten sie als die ersten Heeressoldaten der neu gegründeten Bundeswehr in Hannover ihren Dienst an. Ihr Quartier fanden sie in der BGS-Unterkunft Nordring-Kaserne, am 1. Juli gab es ein feierliches Gelöbnis im Eilenriedestadion. „Die 1. Panzerdivision ist damit einer der ältesten Großverbände der Bundeswehr, und sie war von Anfang an eng mit Hannover verbunden“, sagt Generalleutnant Carsten Jacobson, der bis 2014 Kommandeur der Division war. Er sagt es mit Wehmut. Denn mit der offiziellen Verabschiedung des Stabes aus der Kurt-Schumacher-Kaserne nach Oldenburg ging auch ein Stück hannoversche Militärtradition zu Ende.

In seinen ersten Jahren hatte der Großverband nicht genügend Panzerfahrzeuge; teils mussten sich die Soldaten mit Ford-Lastwagen oder Unimogs behelfen. Das änderte sich bald: Die Soldaten, die so nah am Eisernen Vorhang Dienst taten, sahen sich selbst rasch als gut ausgerüstete Elitetruppe. In den Siebzigern war die Division nach VW das größte „Unternehmen“ Norddeutschlands; sie zählte 18 000 Mann an 15 Standorten. Für Niedersachsen wurde die Truppe zum veritablen Wirtschaftsfaktor: Tausende Zivilbedienstete fanden dort Lohn und Brot, die Kaufkraft der Soldaten kam den Standorten zugute.

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Lange war er kaum wegzudenken aus der Stadt: Der Stab der 1. Panzerdivision der Bundeswehr.

Soldaten der Division waren 1963 bei der Abschiedsparade für Adenauer dabei, sie halfen bei der Flutkatastrophe 1962 in Hamburg und beim Heidebrand 1975. Bei alledem war die Panzerdivision immer ein Spiegel der Gesellschaft: Ihre ersten Kommandeure waren teils noch als Freiwillige in den Ersten Weltkrieg gezogen, die Offiziere stammten fast durchweg aus der Wehrmacht. Später brach sich das Prinzip Menschenführung Bahn: „Das Betriebsklima muss positiv gestaltet werden“, betonte Generalmajor Heinz Kasch 1981: „Wir sind eine offene Armee.“ Solchen Parolen hätten die Kommissköpfe früherer Zeiten bestenfalls ratlos gegenüber gestanden – ebenso wie den Haarnetzen, unter denen die Soldaten zeitweise lange Mähnen tragen durften.

Hunderttausende Wehrpflichtige taten über die Jahrzehnte Dienst in den Brigaden der 1. Panzerdivision – meist an Standorten irgendwo in Niedersachsen: „In Hannover waren die Soldaten nie dominant, aber sie waren in der Stadt präsent und integriert“, sagt Generalleutnant Jacobson. Hannover übernahm 1983 offiziell die Patenschaft für die Division. Deren regelmäßige Adventskonzerte hatten – trotz der Proteste radikaler Pazifisten – in der Stadt ihren festen Platz, ebenso wie das alljährliche Sommerbiwak im Stadtpark.

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Bilder vom Zapfenstreich vor dem Neuen Rathaus.

Erstmals versammelten sich 1973 rund 3500 illustre Gäste zu dem gesellschaftlichen Großevent: „Ich war mit meiner Frau und meinen drei Töchtern im Stadtpark spazieren gegangen“, erinnerte sich der „Erfinder“ des Biwaks, der damalige Divisionskommandeur Hans-Jürgen Huth, später: „Da kam uns der Gedanke, dass dies der beste Platz für ein großes Gartenfest ist.“ Eine souveräne Geländebeurteilung.

Nach dem Ende des Kalten Krieges kamen Umstrukturierungen, Einsparungen, Kürzungen. War die 1. Panzerdivision anfangs fast ausschließlich in Niedersachsen präsent gewesen, unterstanden ihr zuletzt Soldaten von Unna bis zur polnischen Grenze. Die Frauen kamen, die Wehrpflicht ging. Und von Hannover aus wurden Soldaten immer häufiger ins Ausland geschickt: „Die Division hatte immer eine besonders hohe Zahl an Auslandseinsätzen“, sagt Generalleutnant Jacobson.

Derzeit sind ihre Soldaten unter anderem in Mali und im Kosovo eingesetzt, 2011 wurde General Markus Kneip bei einem Anschlag in Afghanistan verletzt. Hannover blieb dabei stets das Zentrum des Großverbandes: „Zwischen Stadt und Panzerdivision gab es immer ein sehr enges Verhältnis“, sagt Jacobson: „Ich hoffe, dass dies in Oldenburg ebenso sein wird.“

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