Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Bunte Träume im Roderbruch
Hannover Aus der Stadt Bunte Träume im Roderbruch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:48 13.08.2009
Auch die Internationale Kinderstadt ist ein Projekt des Vereins "Stadtteilgespräch Roderbruch" Quelle: Michael Thomas

Plastiktüten hängen in den Zweigen, im Sandkasten liegen Kippen, zerknüllte Zigarettenpackungen und zerrissene Illustrierte, gegenüber stapelt sich Sperrmüll, die Briefkästen sind verbogen, zum Teil ausgebrannt. Vor ihnen sitzt ein Mann, in der einen Hand ein Handy, in der anderen eine Zigarette. Missmutig folgen seine Augen einer alten Frau, die mit schweren Einkäufen beladen auf einem Rad vorbeifährt.

Die Probleme im Roderbruch, von seinen Bewohnern selbstironisch und ein wenig trotzig Roderbronx genannt, sind nicht neu. Vor allem in den bis zu 19 Stockwerke zählenden Hochhäusern, die in den siebziger Jahren rund um die Straßen Osterfelddamm und Nobelring gebaut wurden, gehören Arbeits- und Perspektivlosigkeit, Zerstörungswut und Pöbeleien zum Alltag. Viele der Familien sind kinderreich und leben mit wenig Geld auf engem Raum zusammen. Ein Großteil der hier wohnenden Migranten sind irakische Kurden.

Doch nicht nur der soziale Zündstoff prägt das Viertel: Es haben sich Initiativen gebildet, die sich erfolgreich für ein friedliches Miteinander, für einen gleichberechtigten Austausch der Kulturen und für die Bildung der dort lebenden Menschen, vor allem der Kinder, einsetzen.

Im Osterfelddamm 49 unterhält die Nachbarschaftsinitiative „Hallo Nachbar“ eine Wohnung, in der sich die Anwohner treffen können. Nasrin Ahmed bereitet dort jeden Freitag das Frühstück. „Ich finde es vor allem für die Kinder wichtig, dass sie eine Anlaufstelle haben und nicht draußen rumlungern“, sagt die 34-jährige Irakerin - und ergänzt mit Blick auf ihren Sohn Ramyar: „Ich sage ihm oft, dass es hier bestimmte Ecken und Leute gibt, von denen er sich fernhalten soll.“

Ebenfalls in der Hausnummer 49 im dritten Stock hat der Clown Fidolo seit 2004 seine Wohnung. Kinder im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren können den Clown, gespielt von dem Schauspieler und Erzieher Horst Schneider, in der kalten Jahreszeit besuchen, mit ihm singen, malen, basteln, backen oder Theater spielen.

Für einen weiteren Farbtupfer am Osterfelddamm haben im vergangenen Jahr Prusha, Roshna, Pirsche, Fro, Lea und viele andere Mädchen im Teenageralter gesorgt. Sie haben das düstere und übel riechende Treppenhaus des Nachbarhochhauses, Hausnummer 47, bunt bemalt. Und der Kontrast zwischen Wunsch und Lebenswirklichkeit könnte größer kaum sein: Auf zehn jeweils zwei Quadratmeter großen Leinwänden haben die Mädchen ihre Visionen von einem schönen Wohnumfeld verewigt: Blauer Himmel, Karussells, bunte Holzhäuschen, Bäume, auf denen Bonbons wachsen, Schatztruhen, Sonne, Sand und tiefblaue Ozeane hellen nun die trostlosen Treppenaufgänge am Osterfelddamm auf.

Initiiert hat das Projekt der Verein „Stadtteilgespräch Roderbruch“, der sich bereits seit Ende der siebziger Jahre für Nachbarschaftskontakte und Völkerverständigung einsetzt und sich heute mit dem Projekt „Hallo Einstein“ um die Bildung der Kinder kümmert, die zwischen Osterfelddamm und Karl-Wiechert-Allee groß werden. Dazu zählt unter anderem die Unterstützung bei den Hausaufgaben, und für nächstes Jahr ist ein Sprachferiencamp geplant. „Lehrer beklagen, dass ihre ausländischen Schüler die deutsche Sprache in den großen Ferien regelrecht wieder verlernen“, begründet Erika Bartels vom Verein Stadtteilgespräch die Idee für das Camp.

Finanziell unterstützt werden die sozialen Initiativen im Roderbruch von vielen Seiten. Unter anderem engagieren sich die Bürgerstiftung, das Diakonische Werk und die Stadt Hannover. Vieles aber ist im Stadtteil auch dem Engagement einzelner Bewohner zu verdanken. So ist der Osterfelddamm nicht ohne Irmgard Geiseler vorstellbar. Die 70-Jährige lebt seit 37 Jahren in der Straße. Hier hat sie ihre beiden Kinder großgezogen, hier fühlt sie sich zu Hause. Natürlich ärgern Müll, Zerstörungswut und Gleichgültigkeit auch sie. Vor allem aber sieht Geiseler die Menschen. Für Prusha, Roshna und die anderen Mädchen ist Geiseler wie eine Oma. „Die Mädchen können jederzeit zu mir kommen“, sagt die Rentnerin. „Hauptsache sie sitzen nicht auf der Straße rum.“

von Julia Pennigsdorf

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Aus der Stadt Caritas-Programm „Balu und Du“ - Eine ungewöhnliche Freundschaft

Lydia Brand und Yang Yang Lian mögen sich. Daran gibt es keine Zweifel. Dicht aneinander geschmiegt sitzen die groß gewachsene blonde Studentin und das kleine chinesische Mädchen auf der kleinen Mauer am Nordufer des Maschsees. Sie blinzeln in die Sonne, lassen die Beine über dem Wasser baumeln und überlegen gut gelaunt, was sie mit diesem wunderschönen Sommertag anfangen wollen.

12.08.2009
Aus der Stadt Initiative „Hilfe für hungernde Kinder“ - Rezepte, die auch fürs Leben helfen

Kornelia Rust-Bulmahn war eine der Ersten in Hannover, die von der Not hungernder Kinder gehört hatte. Von Lehrern aus dem Freundeskreis erfuhr sie, dass die Zahl der Kinder stetig anstieg, die morgens hungrig zur Schule kamen, sich im Unterricht nur schlecht konzentrieren konnten, in den Schulstunden störten und sich aggressiv gegenüber ihren Mitschülern verhielten.

Veronika Thomas 12.08.2009

Singende Kinder, tanzende Kinder, geschminkte, verkleidete, trommelnde und fröhliche Kinder: Seit acht Jahren schon zieht jeweils am Freitag vor Beginn der Sommerferien die Kinderkarawane durch Hannovers Innenstadt.

12.08.2009