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Zeit zum Innehalten

Buß- und Bettag Zeit zum Innehalten

Am Mittwoch wird wieder der Buß- und Bettag begangen. Früher war er ein Feiertag, vielleicht wird er das demnächst wieder. Vor allem aber ist er ein Tag zum Innehalten.

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Alle evangelischen hannoverschen Kirchengemeinden bieten Gottesdienste zum Buß- und Bettag an.

Quelle: dpa

Hannover. Ungefähr 200 Jugendliche aus der Ricarda-Huch-Schule und der IGS List, so schätzt Diakonin Anette Merz, werden es wohl sein, die heute um 10.30 Uhr den Gottesdienst zum Buß- und Bettag in der Lister Markuskirche besuchen. Die endgültige Teilnehmerzahl kann als Gradmesser dafür dienen, wie sehr dieser spezielle Tag im Kirchenjahr noch im Bewusstsein der Jüngeren verankert ist. „Der Besuch ist natürlich freiwillig. Wer nicht kommt, hat Schulschluss und darf nach Hause gehen“, sagt Merz.

In früheren Zeiten wurden Buß- und Bettage bei den Protestanten nicht an einem festen Tag, sondern aus aktuellem Anlass angesetzt. Erst seit Ende des 19. Jahrhunderts hat er seinen festen Termin am Mittwoch vor dem Ewigkeitssonntag, also dem letzten Sonntag des evangelischen Kirchenjahres. Das Wort Buße steht dabei nicht für Strafe, sondern für Reue. „Evangelische Christen widmen den Tag der Umkehr, der Besinnung zu Gott und der Nachdenklichkeit“, sagt Hannovers Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann.

Ein Extra auf der Feiertagsfreien Strecke

Ob das den Schäflein zu Zeiten bewusst war, als der Buß- und Bettag noch im Kalender der gesetzlichen Feiertage stand, muss dahingestellt bleiben. Viele sahen ihn wohl eher als willkommenenes Extra auf der weitgehend feiertagsfreien Strecke zwischen Pfingsten und Weihnachten, und die regionale Gastronomie schätzte ihn wegen eines besonderen Effektes: Der Tag für Reue und Besinnung war allzu oft sehr irdischen Genüssen gewidmet – so mancher nutzte ihn als Auftakt der Grünkohl- und Schlachteplattenzeit.

Auf Drängen der Wirtschaft, die einen zusätzlichen Produktionstag als Kompensation für die neu eingeführten Beiträge zur Pflegeversicherung wollte, wurde er schließlich 1995 als freier Tag abgeschafft. Jetzt hat Landtagspräsident Bernd Busemann angeregt, den Buß- und Bettag wieder zum arbeitsfreien Tag zu machen.

Heinemann meint, dass der stille Feiertag durch die Debatten vor 20 Jahren sogar eine Aufwertung erfahren hat. „Ihm wurde dadurch eine eigene Aufmerksamkeit zuteil, die er vorher nicht hatte“, sagt der Stadtsuperintendent – gesteht aber freimütig ein, dass die meisten Gottesdienste am Buß- und Bettag dadurch heute auch nicht voller sind als früher. Wenn er wieder Feiertag würde, wäre das zu begrüßen: „Es tut den Menschen gut, wenn sie Tage zum Innehalten haben.“

Jugendchor und Bigband in der Markuskirche

In der Markusgemeinde haben Jugendliche den Gottesdienst selbst vorbereitet. Zu besinnlich und getragen wird es nicht werden, dafür garantieren schon Jugendchor und Bigband. „Als zentrales Thema haben sich die Schüler den Begriff Freiheit gewünscht“, sagt Diakonin Merz. Sie gehen der Frage nach, wie weit jemand, der seine Freiheit auslebt, diejenige von anderen einschränkt. Sie wollen dabei das biblische Gleichnis vom verlorenen Sohn zum Mittelpunkt der Predigt machen, aber auch aktuelle Schlagzeilen aus der Politik bearbeiten.

Alle evangelischen hannoverschen Kirchengemeinden bieten Gottesdienste zum Buß- und Bettag an; einige tun es der Markusgemeinde gleich und wenden sich speziell an Jugendliche. Andere öffnen die Kirchentüren erst am Abend, um den Werktätigen die Gelegenheit zum spirituellen Innehalten zu geben.

Landesbischof Ralf Meister wird um 18 Uhr in der Marktkirche predigen. Wer früher aufstehen will, kann um 9 Uhr in die Neustädter Hof- und Stadtkirche in der Calenberger Neustadt gehen. Dort hält Landessuperintendentin Ingrid Spieckermann einen Dialoggottesdienst zum Buß- und Bettag. Ihr Gesprächspartner hat gerade etwas zu dem Thema gesagt – es ist Landtagspräsident Bernd Busemann.

Von Bernd Haase

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