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Aus der Stadt Kostenloser Nahverkehr? Darum wäre das in Hannover schwierig
Hannover Aus der Stadt Kostenloser Nahverkehr? Darum wäre das in Hannover schwierig
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13:04 19.02.2018
Eine drastische Steigerung des Nahverkehrs wäre in Hannover nicht möglich Quelle: Archiv
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Hannover

Keine Tickets kaufen und keine Kontrollen mehr: Kostenloser öffentlicher Nahverkehr, vom Bund bezahlt, wie ihn Bundesumweltministerin Barbara Hendriks für mehrere kleinere Städte vorgeschlagen hat, wäre in Hannover nicht so einfach zu verwirklichen, schon gar nicht ohne längere Vorlaufzeit. Denn die Kapazität der Stadtbahnen ist vor allem im Winterhalbjahr zu den Spitzenzeiten nahezu erschöpft, sagt der oberste Verkehrsplaner der Region Hannover, Verkehrsdezernent Ulf-Birger Franz. 

CDU ist skeptisch

Die Idee der Bundesregierung, öffentlichen Nahverkehr kostenlos anzubieten, trifft in der hannoverschen Kommunalpolitik auf ein geteiltes Echo. Während SPD und Grüne dem Vorschlag einiges abgewinnen können, bleibt die CDU skeptisch. "Das ist eine substanzlose Beruhigungspille für die EU-Kommission, um Klagen zu verhindern", sagt CDU-Verkehrsexperte Felix Blaschzyk. Es sei unklar, wie ein Umsonst-Ticket finanziert werden soll.

Auch die SPD wünscht sich, dass es nicht bei einer wolkigen Ankündigung bleibt. "Der Bund muss Perspektiven aufzeigen", fordert SPD-Verkehrspolitiker Lars Kelich. Dabei gehe es nicht nur um Fragen der Kostendeckung, sondern auch darum, wie der zu erwartende Zuwachs im Nahverkehr bewältigt werden könne. "Brauchen wir mehr Züge, eine höhere Taktung und mehr Linien? Solche Fragen müssen beantwortet werden", sagt Kelich. Grundsätzlich dürfe man sich der Idee eines Gratis-Tickets nicht verschließen. "Die Debatte muss geführt werden", sagt Kelich.

Die Grünen begrüßen den Vorstoß aus dem Bundesumweltministerium und erinnern daran, dass sie zusammen mit SPD und FDP bereits ein 365-Euro-Jahresticket für Hannover gefordert haben. "Wenn der Bund die 365 Euro pro Ticket übernimmt, wäre das eine gute Sache", findet Grünen-Umweltexperte Patrick Drenske. Ein erster Schritt sei, dass das Tarifsystem für Hannovers Busse und Stadtbahnen vereinfacht wird. "Der Kunde muss wieder König sein und nicht erst ein Studium in Ticketkunde absolvieren, bevor er in die Bahn steigt", sagt Drenske. Dem schließt sich auch die CDU an. "Das Preissystem muss dringend vereinfacht werden", sagt Blaschzyk.

Das derzeitige jährliche Fahrgastwachstum beim öffentlichen Nahverkehr in Hannover von zwei bis vier Prozent lasse sich jedoch gut bewerkstelligen, meint Franz. Und ein moderater Anstieg der Fahrgäste könne auch noch viele Jahre bewältigt werden. Zwar sei in einigen U-Bahn-Tunneln die Taktfolge der Bahnen schon jetzt so dicht, dass kaum noch zusätzliche Bahnen fahren könnten. „Aber die Technik geht weiter“, sagt Franz. Und er rechnet damit, dass in den kommenden Jahren die Taktzeiten in den Tunneln weiter verkürzt und dadurch dann wieder mehr Bahnen unterwegs sein können. 

Hendriks hatte in einem Brief die Idee eines kostenloses Nahverkehrs ins Spiel gebracht, um den Schadstoffausstoß aus Autos und Lastwagen zu senken. Erst vor wenigen Wochen war in Hannover über ein 350-Euro-Jahresticket für den Nahverkehr diskutiert worden, was den Transport mit Bussen und Bahnen erheblich attraktiver machen sollte. 

Allerdings gibt es auch Grenzen, die ausgereizt sind, erläutert Franz. Zum Beispiel bei der Zuglänge: „Oberirdisch sind keine längeren Stadtbahnen als mit drei Wagen erlaubt.“ Und die setzte die Üstra inzwischen auf fast allen Strecken ein. Zudem sind die Hochbahnsteige nur für die 75-Meter langen Drei-Wagen-Züge ausgelegt. Selbst wenn längere Bahnen gesetzlich möglich wären, sie passen gar nicht an die Bahnsteige. Und auch bei den S-Bahnen gibt es keine Luft nach oben: Die Bahnsteige im Hauptbahnhof sind schon jetzt ausgelastet. 

Hannover sei beim Nahverkehr schon jetzt eine sehr erfolgreiche Stadt, betont Franz. Pro Jahr gibt es allein bei der Üstra 176 Millionen Fahrgäste, das sind durchschnittlich pro Tag eine knappe halbe Million. 

Wenn es eine deutliche Steigerung der Fahrgastzahlen gebe, dann müssten in Hannover zusätzliche Angebote gemacht werden. Franz nennt zum einen neue Buslinien aber auch den Bau neuer Stadtbahnstrecken. Wobei neue Strecken eine lange Vorlaufzeit benötigen. „Da muss man mit 15 Jahren Planungs- und Bauzeit rechnen“, sagt der Verkehrsdezernent. 

Zudem setzt der Verkehrsdezernent auf eine Steigerung des Radverkehrs. Es sei erstaunlich, wie viele Menschen inzwischen selbst an kalten Wintertagen auf dem Fahrrad in der Landeshauptstadt unterwegs seien, meint er. Vor Jahren habe man bei solch einem Wetter keinen einzigen Radfahrer gesehen. Und er rechnet auch damit, dass die Autos künftig immer weniger Schadstoffe ausstoßen. 

Von Mathias Klein

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