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„Ich glaube, dass ich das schaffen kann“

Im Gespräch mit Jesse Jeng „Ich glaube, dass ich das schaffen kann“

Stadtspaziergang durch Hannover mit Jungpolitiker Jesse Jeng plaudert über Einwanderung, Diskriminierung und seine eigenen Wurzeln. Jesse Jeng möchte jeden Stadtteil seines Wahlkreises Hannover-Ricklingen vor der Landtagswahl in Hannover genau kennenlernen. 

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 Stadtspaziergang mit CDU-Nachwuchspolitiker Jesse Jeng 

Quelle: Jan Philipp Eberstein

Hannover. Das hier ist sein Revier. Wenn Jesse Jeng über den Markt am Stephansplatz schlendert, könnte er die Grüßhand eigentlich permanent oben lassen. „Moin!“, ruft er der Spargelfrau zu, Passanten klopfen ihm auf die Schulter. Für einen Moment lässt sich der 28-Jährige von der eigenen Begeisterung mitreißen: „Dieser Markt ist total geil“, sagt Jeng - und schwärmt davon, dass hier tausendfach Menschen miteinander ins Gespräch kommen, die eigentlich von Grund auf verschieden sind. Der Stephansplatz ist seine Metapher für die offene Gesellschaft.

Stadtspaziergang durch Hannover: Jungpolitiker Jesse Jeng plaudert über Einwanderung, Diskriminierung und seine eigenen Wurzeln 

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„Zuwanderer brauchen Chance“

Jesse Jeng lebt seit sechs Jahren in der Südstadt, seit dem vergangenen September sitzt er im Bezirksrat für die CDU. Erst vor drei Jahren trat er in die Partei ein. Weil die CDU so breit aufgestellt sei, wie er sagt. Bei der Kür der Landtagskandidaten im Januar war er der Star der Nominierungsversammlung. Als er gegen Denkverbote in der Einwanderungspolitik wetterte, bekam er heftigen Applaus. „Nicht jeder, der Einwanderung kritisch sieht, ist gleich fremdenfeindlich“, sagte der dunkelhäutige Politiker.

Auf dem Stephansplatz differenziert er da stärker als vor den Parteifreunden. „In der Integrationspolitik bin ich eher konservativ“, sagt er zwar. „Ich bin schon für Sanktionen gegen Einwanderer, die sich nicht integrieren wollen.“ Aber er sei ebenso für ein Einwanderungsgesetz. Dafür, dass Zuwanderer eine echte Chance bekommen. Und für die völlige Gleichstellung Homosexueller sei er auch.

Jeng will nicht der Schwarze sein, der aufgrund seiner Hautfarbe ungeniert die Law-and-Order-Karte spielen darf. Aber er weiß natürlich, dass er sich den Vorwurf des Rassismus nicht so schnell einhandeln wird wie andere Politiker. „Früher wurde ich in jede zweite Disco nicht reingelassen“, sagt er. Er bleibt kurz stehen. „Eigentlich grotesk“, sagt er dann. Schließlich attestierten ihm Freunde, dass man kaum „deutscher“ sein könne als er.

Vorm Restaurant Högers hält er erneut an. Als er kürzlich mit Leuten aus dem Ortsverband im Viertel sauber machte, habe es dort spontan einen Kaffee aufs Haus gegeben. „Tolle Atmosphäre“, sagt er. „Familiär, bodenständig und trotzdem elegant.“ Es klingt wie die Beschreibung eines Wertekanons.

Kindheit bei Pflegeeltern

Wenn Jeng ins Erzählen kommt, springt er oft vom ganz Großen zum ganz Kleinen. Von gesellschaftspolitischer Theorie zum drohenden Parkplatzmangel an der neuen Wohnanlage am Südbahnhof. Dort drüben, die Sitzbank ist für ihn gewissermaßen der Ort einer politischen Niederlage. Weil dort gelegentlich eine kleine Gruppe pöbelnder Trinker sitzt, schlug er im Bezirksrat vor, die Bank doch einfach abzubauen - was ihm viel Spott eintrug.

„Politiker sind Instrumente der Integration“, sagt der Politiker, wenn er über Politisches redet. Er redet dann viel und schnell und druckreif. Die Floskeln der Etablierten hat er bereits drauf: „Im Übrigen denke ich ...“, „Menschen ernst nehmen“, „konstruktive Vorschläge“. In der „Talentschmiede“, einem Programm für aufstrebende CDU-Jungpolitiker, war Ursula von der Leyen persönlich seine Mentorin.

Weniger glatt klingt es, wenn er von sich selbst erzählt. Der Weg führt jetzt zum Maschsee, wo er ab und zu joggen geht. Das Wasser glitzert in der Sonne. „Ich habe nie verstanden, wie man sich ausschließlich über seine Herkunft definieren kann“, sagt Jeng.

Sein leiblicher Vater kam aus Gambia. Doch zu ihm und der deutschen Mutter hat er keinen Kontakt. Als er zwei Jahre alt war, holten Pflegeeltern ihn aus einem hannoverschen Kinderheim nach Wathlingen bei Celle, wo er aufwuchs. Mit 18 kehrte er zurück. Abi am Gymnasium Isernhagen, Bundeswehr. Seit acht Jahren arbeitet der Diplom-Bankbetriebswirt bei der Nord/LB. Sein Elternhaus sei eher unpolitisch gewesen: „Ich bin in die Politik gegangen, weil ich etwas bewegen möchte.“

Vor der Wahl putzt er Klinken

Derzeit ist er im Klinkenputzmodus. Gerade war er in Mühlenberg; Besuch in einer Kita mit hohem Migrantenanteil. Bis zur Landtagswahl im Januar will er jeden Stadtteil seines Wahlkreises Hannover-Ricklingen genau kennenlernen. Bei der letzten Wahl lag sein SPD-Konkurrent Stefan Politze mit fast 45 Prozent klar vor der CDU-Kandidatin Mady Beißner (32,6 Prozent). Er kämpft auf einem fast verlorenen Posten. „Ich glaube dennoch, dass ich es schaffen kann“, sagt Jeng gelassen. Er klingt dabei ziemlich selbstbewusst.

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