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Café auf Stöckener Friedhof polarisiert

Pietätlos – oder grandiose Idee? Café auf Stöckener Friedhof polarisiert

Auf dem Stöckener Friedhof kann man sich seit Kurzem zu Kaffee und Kuchen treffen. Denn dort hat das neue Café Anna Blume eröffnet. Nicht allen gefällt das, denn der kleine Gastronomiebetrieb polarisiert.

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„Die Zeiten ändern sich“: Ute Wrede vom Anna Blume erhält viel positiven Zuspruch und würde die Öffnungszeiten gerne erweitern.

Quelle: Frank Wilde

Hannover. Stühle und Tische stehen zusammengeklappt auf dem kleinen Rasenstück am Café Anna Blume. Wochentags darf der kleine Gastronomiebetrieb auf dem Stadtfriedhof Stöcken draußen keine Gäste bewirten. Am Mittwoch kam noch hinzu, dass zwei Verstorbene auf dem Friedhof bestattet wurden. Den Trauernden bei einer Beerdigung wollen auch die Café-Betreiber keine womöglich fröhlichen Kaffeetrinker auf der Terrasse zumuten. Dennoch wünscht sich Initiatorin und Betreiberin Ute Wrede eine Ausweitung der Öffnungszeiten im Außenbereich und wird darin von den SPD-Sozialpolitikern im Rat unterstützt. „Es würde uns helfen, wenn wir an Tagen ohne Bestattung oder spätnachmittags mit zeitlichem Abstand zu Beerdigungen Gäste draußen bewirten könnten“, sagt sie.

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Doch neben den Trauernden bei einer Bestattung stören sich auch manche Friedhofsbesucher am noch jungen Cafébetrieb, die Gräber ihrer Angehörigen pflegen. Zwei Frauen mit Gießkanne und Hacke in der Hand halten gar nichts davon, dass auf dem Friedhof überhaupt ein Café eröffnet hat. „Mir geht das gegen den Strich. Es ist pietätlos“, sagt die eine. Die 73-Jährige räumt ein, dass viele Besucher von Gräbern aus dem ganzen Stadtgebiet kommen und eine Einkehrmöglichkeit wohl zu schätzen wissen. „Früher gab es draußen ein Eiscafé. Da bin ich auch gerne hingegangen.“ Eine Mittfünfzigerin auf dem Weg zum Grab eines Angehörigen kann sich mit der Gastronomie ebenfalls nicht anfreunden. „Für mich ist der Friedhof ein Ort der Ruhe, an dem man über alles noch einmal nachdenken kann. Ein Café gehört nicht hierher.“

Mit einem frischen Blumenstrauß steuern Antje und Dirk Junker den Friedhof an. „Ein Café? Das ist eine großartige Idee. Wenn der Schmerz sich gesetzt hat, ist der Gang zum Grab wie ein Besuch. Warum dann nicht noch einen Kaffee trinken?“, urteilt die 38-Jährige. Dirk Junker hält solch einen Ort sogar auf allen Friedhöfen für angebracht. Im Café erkundigt sich derweil eine ältere Frau nach dem Mittagstisch. Mit zwei Freundinnen hat sie sich zum Grabbesuch getroffen und ist jetzt froh, dass die drei einen Platz zum Essen und Reden gefunden haben. Inge Kerekes ist dagegen in dem parkähnlichen Friedhof einfach spazieren gegangen. Einkehren will sie in der ehemaligen Leichenhalle allerdings nicht. „Ich würde keinen Bissen herunterkriegen.“ Dass andere die Gastronomie nutzen, stört sie nicht. „Es ist ein bisschen eigenartig, aber die Zeiten ändern sich.“

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