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Aus der Stadt Calypso Rose singt im Pavillon
Hannover Aus der Stadt Calypso Rose singt im Pavillon
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06:15 18.07.2012
Große alte Dame der Weltmusik: Die 72-jährige Calypso Rose aus Trinidad. Quelle: Christian Burkert
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Hannover

Da spaziert sie am Bühnenrand hin und her und verteilt Küsschen an die Herren. Keine Handküsschen, richtige Küsschen, für die sie sich hinunterbeugen muss. Mit Calypso Rose haben die Masala-Macher mal wieder eine alte Grand Dame der Weltmusik nach Hannover holen können. Vor Beginn wurde sie noch mit dem Rollstuhl hinter die Bühne geschoben. Doch der Bühnenrand ist wie eine Verjüngungskur für die 72-jährige Calypso-Queen aus dem karibischen Inselstaat Trinidad und Tobago.

Sie hat angeblich 800 Songs geschrieben und mindestens genauso viele Geschichten zu erzählen. So viele, dass es zwischen den fröhlichen Stücken manchmal sogar ein bisschen zu viel des Erzählens ist. Trotzdem gab es eine große Tanzparty zum Ende des 18. Masala-Weltbeat-Festivals, bei dem am Sonntagabend noch der mauretanische Sänger Becaye Aw und seine Mitstreiter auf dem Programm standen, die afrikanische Ideen eher ruhig mit norwegischer Jazzkühle zelebrieren.

Es war das letzte Masala-Festival vor dem Umbau des Raschplatz-Pavillons. Wenn die Organisatoren sich auch freuen, dass sie für das 19. Festival zwei Jahre Vorbereitungszeit haben, so wissen sie schon jetzt: Das Konzept bleibt unverändert. Und der Erfolg gibt ihnen recht. Wieder haben sie fast die Hälfte des Festivaletats von 190.000 Euro durch Eintrittserlöse eingespielt. Rund 5000 zahlende Besucher kamen zu insgesamt 13 Konzertabenden.

Zwar wird das Masala-Stammpublikum mit dem Festival langsam älter. Dennoch haben insbesondere die Partyveranstaltungen nach den Konzerten – aber auch so mancher Liveact – auch jüngere Zuhörer angezogen. Bezahlbare Eintrittspreise machten dies möglich, weil Sponsoren wie die Stiftung Niedersachsen, die Kulturregion Hannover, das Niedersächsische Kulturministerium und die Musikförderung des NDR dem Festival treu geblieben sind.

Eine neue Dimension hat Masala in diesem Jahr durch einen inhaltlichen Themenschwerpunkt bekommen. Das politische Thema Flucht und Migration zog sich wie ein roter Faden durch das Festival und bekam durch den eindrucksvollen Auftritt von Emel Mathlouthi, der Stimme der tunesischen Revolution, aber auch durch den Abend mit äthiopischer Modenschau und der Band Krar Collective konkrete Inhalte. Zu diesem nicht eben leicht verdaulichen Schwerpunkt zählte auch der Film über die Entstehung der Sierra Leone’s Refugee All Stars. Der anschließende Auftritt der in Flüchtlingslagern entstandenen Band fiel dann allerdings eher beliebig aus.

Besonders gut gelungen ist in ihrem dritten Jahr die begrifflich etwas spröde geratene Begegnung „Niedersachsen im Dialog“. Die hiesige Band Pinkspots traf auf die argentinischen Rosario Smowing. Dieses Miteinander war vom ersten bis zum letzten Ton eine Erfolgsverbindung, die nach drei Probentagen in ein illustres und virtuoses Swingkonzert mit kleinen Showeinlagen mündete. So ähnlich und doch wieder ganz anders wird es 2014 im neuen Pavillon mit modernen akustischen, räumlichen und klimatischen Verhältnissen weitergehen. „Es gibt so unglaublich viel tolle Musik in der Welt“, schwärmt Festivalmacher Gerd Kespohl. „Wir werden Masala immer wieder neu erfinden.“

Karin Vera Schmidt

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