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Aus der Stadt Casper feiert mit 5000 Fans in Hannover
Hannover Aus der Stadt Casper feiert mit 5000 Fans in Hannover
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14:28 26.11.2017
Casper beim vorläufigen Tourabschluss in Hannover. Quelle: Dillenberg
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Hannover

 "Abriss, durchdrehen, Hannover!": Eine gute Stunde läuft das Casper-Konzert in der Swiss Life Hall, als der feinsinnige Rapgrenzgänger Klartext redet: "Mittelfinger hoch" fordert der 35-Jährige – und fast alle Zuschauer tun zum gleichnamigen Song wie geheißen: ein Zeichen gegen Neonazis, gegen Sexismus, Rassismus und Intoleranz. Es ist ein alter Text, den Casper da plötzlich auf der kleinen zweiten Bühne am Mischpult mitten im Publikum brüllt, aber er passt in die Zeit. Und er passt zum neuen Casper. Drei Alben lang hat der Rapper mit der Reibeisenstimme und der Hardcore-Band-Sozialisation seinen Coming-of-Age-Soundtrack perfektioniert: Er hat Indiepop-Hymen geschrieben, in denen er von unbeschwerter Jugend singt und von der Ahnung, dass bald schwerere Entscheidungen anstehen, als die, wer als nächstes zur Tanke muss, Getränkenachschub holen. Er hat große Songs übers Wegrennen, Anrennen und Verzweifeln geschrieben. Dass er mit seinen emotionalen Texten einen Nerv trifft, zeigen 5000 Fans, die Zeile für Zeile von "Hinterland" und "Im Ascheregen" mitsingen. Es ist ein Song übers Anderssein, über Brückenabbrechen und Sich-neu-Erfinden: ein Song für alle Außenseiter. "Dies ist kein Abschied, denn ich war nie willkommen", schreit Casper mit dem Fanchor - ohrenbetäubend und zugleich zu Tränen rührend.

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Zum vorläufigen Abschluss seiner „Lang lebe der Tod“-Tour ist Rap-Grenzgänger Casper in der ausverkauften Swiss-Life-Hall vor 5000 Fans aufgetreten.

 

Auf "Lang lebe der Tod", dem aktuellen Album, ist das anders. Es ist konfrontativer, textlich und musikalisch sperriger und mutiger. Es gibt brachiale Industrial-Bässe, Punk-Zitate und Texte aus dem Universum der Facebook-Hetzer, die es sich in ihrer Parallelwelt behaglich eingerichtet haben. Und dafür wird der Rap-Grenzgänger in Hannover gefeiert: Schon beim Opener "Alles ist erleuchtet" sind alle Hände oben. 

Casper, der eigentlich Benjamin Griffey heißt, flitzt auf der großen Bühne hin und her, reckt dir tätowierten Arme in die Höhe und hat sichtlich Spaß. Dafür hat er viel riskiert: Weil ihm die meisten neuen Songs plötzlich nicht mehr gefielen, nahm er sie neu auf - und verschob auch die bereits geplante Tour - am Ende um ganze neun Monate. 

Es hat sich gelohnt: In den USA, dem Heimatland seines Vaters, hat Casper Abstand gewonnen. Er traut sich seine zumeist jungen Fans mit Zitaten von den Punk-Heroen Goldene Zitronen zu konfrontieren - oder eben mit Queen. Als vor dem Auftritt nicht nur "Rock You Like a Hurricane" und "Satellite" von Lena Meyer-Landrut aus den Boxen schallt, sondern auch "Bohemian Rhapsody", versuchen das einige der Schüler im Publikum mithilfe der App Shazam zu identifizieren, während die älteren Semester lauthals mitsingen. 

Die Show ist effektiv, der Sound der Liveband – zwei Gitarren, Bass, Keyboards, Drums - leider etwas breiig. Der Stimmung tut das keinen Abbruch: "Ich will euch springen sehen – alle, bis nach hinten!", ruft Casper und das Publikum macht bereitwillig mit. "Hannover, nach drei Songs ist schon mehr los als in anderen Städte während des ganzen Konzerts", sagt der 35-Jährige anerkennend. "Ich könnte es mir nicht besser vorstellen als mit euch." Zum vorläufigen Tourabschluss, der mit Eindreiviertelstunden sehr kurz ausfällt, ist neben Caspers bestem Kumpel auch die Oberstufen-Französischlehrerin angereist. "Ich war frech, ich war vorlaut, ich hatte keinen Bock", sagt der Rapper entschuldigend – dennoch habe die Lehrerin ihn unterstützt. Deshalb gibt er allen angehenden Pädagogen im Publikum vor dem Hit "Keine Angst" noch einen Tipp mit auf den Weg: "Seid auch nett zu den Arschlöchern, wer weiß was aus denen wird."

Von Karsten Röhrbein

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