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Chef von „Bürgerwehr“ muss sechs Monate in Haft

Prozess wegen Urkundenfälschung Chef von „Bürgerwehr“ muss sechs Monate in Haft

Er fälschte TÜV-Plaketten und klebte Computer-Ausdrucke auf Nummernschilder seiner Schrottwagen: Der Chef der Bürgerwehr „Wir schützen und helfen Hannover“, Tobias H., ist wegen Urkundenfälschung zu einer Haftstrafe von drei Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. Die „Bürgerwehr“ ist also das nächste halbe Jahr führerlos.

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Tobias H., Gründer der "Bürgerwehr", steht der Gruppe derzeit nicht zur Verfügung: Er sitzt im Gefängnis.

Quelle: Montage

Hannover. Für Recht und Ordnung auf den Straßen der Stadt wollten sie sorgen, weil die Polizei das aus ihrer Sicht nicht so recht hinbekommt. Doch die „Bürgerwehr“ mit dem Namen „Wir schützen und helfen Hannover“ hat ihren markigen Worten im Internet bislang keine Taten folgen lassen. Das mag möglicherweise auch dem Umstand geschuldet sein, dass der Gründer des Zusammenschlusses mit aktuell 553 Online-Fans seit geraumer Zeit Ärger mit der Justiz hat.

Das Amtsgericht verurteilte Tobias H. jetzt wegen Urkundenfälschung zu drei Monaten Haft ohne Bewährung. Dazu kommen noch 90 Tage Ersatzfreiheitsstrafe, weil H. in einem anderen Verfahren ebenfalls wegen Urkundenfälschung zur Zahlung von 90 Tagessätzen von je 30 Euro verurteilt worden war, das Geld aber nicht aufbringen konnte. Die „Bürgerwehr“ ist also das nächste halbe Jahr führerlos.

Tobias H. war angeklagt worden, weil er in zwei Fällen den Zulassungs- und TÜV-Stempel für Autos die eigentlich nicht mehr fahrtüchtig waren, per Computer gefälscht, auf Papier ausgedruckt und die nachgemachte Plakette auf ein Nummernschild geklebt hatte. Sehr geschickt stellte er sich beim ersten Mal offenbar nicht an. Die Polizei kam ihm deshalb schnell auf die Schliche, weil das Nummerschild, das er manipuliert hatte, zu einem VW gehörte, der „Bürgerwehr“-Chef es aber an einem Ford Mondeo befestigt hatte. Obwohl er aufgeflogen war, machte H. anschließend einfach weiter und fälschte eine weitere TÜV-Plakette. Er wollte sich mit einem Winterdienst selbstständig machen, hatte er vor Gericht erklärt, dazu habe er die Fahrzeuge gebraucht.

Die Strafe für seine Vergehen fiel deshalb so saftig aus, weil Tobias H. bei Gericht kein Unbekannter ist. 20 Vorstrafen listet sein Registerauszug auf, darunter wegen Körperverletzungen und des Verstoßes gegen das Waffengesetz. Wegen der langen Liste von Vorstrafen war Tobias H., der sich auf seiner Facebook-Seite gern als Anhänger des Rockerclubs Hells Angels geriert, im Vorfeld der Gründung der „Bürgerwehr“ die Ausstellung des sogenannten kleinen Waffenscheins verwehrt worden. Die Region lehnte das Ansinnen mit dem Hinweis ab, das Tragen einer Waffe erfordere Zuverlässigkeit. Bürger, die wegen vorsätzlicher Straftaten zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr verurteilt worden seien, besäßen diese Zuverlässigkeit jedoch nicht. „Dieser Tatbestand trifft auf Sie zu“, schrieb die Behörde dem Antragsteller, der das Schreiben umgehend auf seiner Internetseite veröffentlichte. „Diese ,Bürgerwehr‘ bleibt am Leben. Wir werden etwas tun, und wir werden den richtigen Weg einschlagen“, hatte H. in einem Video, das wenige Tage vor seiner Verurteilung ins Netz gestellt wurde, gesagt.

Das nächste Projekt steht nach dem Urteilsspruch bereits fest: sechs Monate Zwangspause.

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