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Chemiestudenten mutieren zu Drogendealern

Schöffengericht fällt mildes Urteil Chemiestudenten mutieren zu Drogendealern

Zwei Chemiestudenten im sechsten Semester, beide kurz vor der Bachelorprüfung, haben ihre Intelligenz und ihr Fachwissen an falscher Stelle eingesetzt und Verbrechen begangen. Sie legten eine Outdoor-Hanfplantage an und ernteten gut drei Kilo Marihuana.

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Die Studenten sind reumütig, in der Mitte Verteidiger Vyacheslav Varavin.

Quelle: Petrow

Hannover. Einer der beiden war besonders abenteuerlustig und kaufte im „Darknet“ – illegalen Seiten im Internet – Falschgeld: Neun nachgemachte 20-Euro-Scheine zum Preis von 90 Euro. Ein Schöffengericht des hannoverschen Amtsgerichts ließ gestern Milde walten und ersparte den beiden einen mehrjährigen Gefängnisaufenthalt.

Der 24-jährige Dirk L.* wurde wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu einer anderthalbjährigen Bewährungsstrafe verurteilt, sein 25-jähriger Kommilitone Reiner K.* zusätzlich wegen Geldfälschung zu einer Gesamtbewährungsstrafe von einem Jahr und elf Monaten. Oberstaatsanwalt Uwe Görlich sprach in Anlehnung an eine bekannte US-Fernsehserie von „Breaking Bad in Hannover“. Doch im Vergleich zum Chemielehrer Walter White, der in der Serie zum diabolischen Crystal-Meth-Produzenten mutiert, sind die dilettantisch agierenden Hochschüler höchstens Westentaschen-Kriminelle.

Das Bafög war knapp, der Kühlschrank schon vor Monatsende leer, so kamen die Chemiestudenten Anfang 2014 auf die Idee, ihre Einkünfte aufzubessern. In unwegsamem Buschland, in der Nähe von Sarstedt neben der ICE-Trasse, pflanzten sie 27 Hanfsetzlinge ein. Gekeimt hatten diese in ihren Zimmern in zwei Nordstädter Studentenwohnheimen. Per S-Bahn schafften die beiden die Setzlinge nach Sarstedt, am nächsten Tag holten sie per Leihwagen Erde und Dünger. Wasser pumpten sie aus einem Fischteich ab, streuten sogar Schneckenkorn, um falsche Abnehmer fernzuhalten. Im Oktober dann ernteten sie die Früchte ihrer Mühe – alle 27 Pflanzen waren gut gediehen. Hanfblüten und -blätter versteckten sie in Mülltüten in ihren Studentenbuden. Die Drogendealer flogen auf, weil die Polizei schon länger einen sogenannten Grow-Shop in der Südstadt überwachte. Dort wollte Dirk L. eine Erntemaschine ausleihen – doch die Ermittler hörten mit. Im Januar 2015 wurde L. aus einer Vorlesung heraus festgenommen. Der 24-Jährige war schnell geständig, brachte die Beamten auch bald auf die Spur seines Kommilitonen. Die Ermittlungen ergaben, dass die Studenten auf ihrer Plantage 3,1 Kilo Marihuana aus den Blüten der Pflanzen sowie 142 Gramm Haschischöl aus den Blättern gewonnen hatten.

Auf Nachfragen der Vorsitzenden Richterin Gesine Irskens kam heraus, dass die beiden wie Amateure agiert hatten. In ihrer Telefonkommunikation sprachen sie offen von „einem Kilo Gras“, schalteten ihre Handys an der Plantage nicht aus, benutzten keine Handschuhe und keine Schuhüberzieher. Von ihrer Ernte hatten sie zum Zeitpunkt der Festnahme nur zehn Prozent – mit einem Erlös von 1000 Euro – verkauft, die 180 Euro Falschgeld waren noch nicht in Umlauf gebracht worden.

Den Studenten war offenbar nicht klar, so versicherten die sichtlich geknickten Sünder dem Gericht, welch schwere Straftaten sie begingen. K. gab aber zu, dass ihn „Breaking Bad“ durchaus motiviert habe. Zu den nächsten Klausuren können die beiden nun wieder antreten – doch mit einer Vorstrafe im Gepäck den erträumten Doktortitel zu erlangen, ist wohl illusorisch.

*Namen von der Redaktion geändert

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