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Aus der Stadt Chirurgen rekonstruieren Kinderschädel in 3-D
Hannover Aus der Stadt Chirurgen rekonstruieren Kinderschädel in 3-D
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00:17 02.06.2016
Emils Schädel kann dank der neuen Operationsmethode und auflösbarem 3-D-Implantat wieder ungehindert wachsen. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa
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Hannover

Der kleine Emil litt unter einer seltenen Krankheit: Die sogenannte Kraniosynostose tritt rein statistisch bei nur einem von 2000 Kindern auf. Dabei handelt es sich um den vorzeitigen Verschluss einer oder mehrerer Schädelnähte. Normalerweise bleiben diese in den ersten Lebensjahren flexibel, damit der Kopf und das Gehirn wachsen und sich entwickeln können. Das bei Emil implantierte Netz wurde von seinem Körper resorbiert und durch körpereigenen Knochen ersetzt. Es war der erste Eingriff nach dieser Methode weltweit. Bei der Operation war Emil fünf Monate alt, inzwischen hat er seinen ersten Geburtstag gefeiert, und es geht ihm gut.

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Nils-Claudius Gellrich (l-r), Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und Leiter des Interdisziplinären Zentrums für Gesichtsfehlbildungen der MHH, der Patient Emil, Majeed Rana, stellvertretender Ärztlicher Direktor für den Bereich der rekonstruktiven Gesichtschirurgie der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der MHH, Elvis Josef Hermann, leitender Oberarzt und Leiter der pädiatrischen Neurochirurgie der Klinik für Neurochirurgie, und Joachim Kurt Krauss, Direktor der Klinik für Neurochirurgie, stellen die 3-D-Rekonstruktion eines Schädels mit einer neuen Methode an der Medizinischen Hochschule Hannover vor. 


„Durch die zu frühe Verknöcherung der Schädelnähte hat das Gehirn nicht genügend Platz zu wachsen“, erklärt Majeed Rana, stellvertretender Ärztlicher Direktor der rekonstruktiven Gesichtschirurgie der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Wird die Erkrankung nicht behandelt, kann es zu asymmetrischen Verformungen des Schädels, Entwicklungsstörungen des Gehirns, neurologischen Ausfällen und Sehstörungen kommen. Es gibt unterschiedliche Varianten der Erkrankung. In den meisten Fällen ist die sogenannte Pfeilnaht über dem Scheitel verschlossen. So war es auch bei Emil. „Dass der Kopf ein klein wenig verformt war, war uns schon kurz nach der Geburt aufgefallen“, sagt Vater Oliver Tornow. „Unsere Hebamme hat uns dann empfohlen, ihn doch mal von einem Spezialisten untersuchen zu lassen“, ergänzt Mutter Katharina Tornow.

Bei dem herkömmlichen Operationsverfahren wird die verschlossene Naht aus dem Schädel herausgesägt, um mehr Flexibilität für den Schädel und mehr Platz für das Gehirn zu schaffen. Die MHH-Chirurgen haben bei Emil eine Methode angewandt, die sie gemeinsam entwickelt hatten. Mit Hilfe aufwändiger 3-D-Berechnungen wurde die optimale Kopfform für Emil ermittelt und auf Grundlage dieser Daten eine Schnittschablone und das genau an den kleinen Patienten angepasste Netzimplantat erstellt. „Das Netz fungiert als Leitstruktur für die nachwachsenden Knochenzellen“, erklärt Operateur Rana. In den ersten acht Wochen nach dem Eingriff gibt das Netz in erster Linie Stabilität, danach wird es flexibler, damit sich das Gehirn entfalten kann. Mittlerweile hat es sich aufgelöst, Emils Kopf wächst symmetrisch und er kann sich ganz auf das konzentrieren, was gerade altersgerecht ist: Das Laufen lernen.  

Von Susanna Bauch  

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