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Chor Shabbaton gedenkt dem Holocaust

Konzert beim NDR Chor Shabbaton gedenkt dem Holocaust

Rund 1200 Besucher sind zur Gedenkveranstaltung anlässlich des Holocaust-Gedenktags ins Funkhaus gekommen - und viele wischen sich Tränen aus den Augenwinkeln, als die Präsidentin der Memorial Foundation for Jewish Culture von ihrer Familie erzählt.

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Lebendig: Der Londoner Chor Shabbaton mit Rabbi Lionel Rosenfeld (rechts). 

Quelle: Nancy Heusel

Hannover. Natürlich, es geht um Schuld, um Verantwortung, um politische Wachsamkeit. Um die ganz großen Dinge. Aber für Marlene Bethlehem geht es auch um ihren Cousin Josse.Ihre Stimme stockt immer wieder, als sie im Großen Sendesaal des NDR erzählt, wie Josses Mutter den siebenjährigen Jungen 1942 aus einem Deportationszug schmuggelte. Wie Josse, der seine Mutter nie wiedersehen sollte, bei einer einfachen französischen Bauernfamilie aufwuchs, die ihn versteckte. Das ganze Dorf habe gewusst, dass der Junge Jude sei, sagt sie. „Aber niemand verriet etwas.“

Um die Opfer der NS-Verbrechen zu gedenken, ist der Shabbaton Chor im Großen Sendesaal des NDR aufgetreten.

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Rund 1200 Besucher sind zur Gedenkveranstaltung anlässlich des Holocaust-Gedenktags ins Funkhaus gekommen - und viele wischen sich Tränen aus den Augenwinkeln, als die Präsidentin der Memorial Foundation for Jewish Culture von ihrer Familie erzählt.

Sie selbst wurde 1940 als Kind deutscher Exilanten in Südafrika geboren. „Mein Vater hörte in gewisser Weise nie auf, sich als Flüchtling zu fühlen“, sagt sie - und schlägt einen Bogen in die Gegenwart: Sie sei auch hierher gekommen, um Deutschland zu ehren - all die Menschen, die in den vergangenen Monaten Flüchtlinge aufgenommen und ihren Teil der globalen Verantwortung geschultert hätten. „Ich bin eine Deutsche!“, ruft sie frei nach Kennedy - und erntet anhaltenden Applaus.

"Schande verjährt nicht!"

Eigentlich steht im NDR ein Konzert des Londoner Chors Shabbaton im Mittelpunkt, doch aus gegebenem Anlass geht es bei der Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Auschwitz-Befreiung erst einmal sehr politisch zu: „Ich habe immer häufiger den Eindruck, dass viele nur wenig aus der Geschichte gelernt haben“, sagt Organisator Michael Fürst, Vorsitzender des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden. Auch Landtagspräsident Bernd Busemann spielt auf die jüngste Rede des AfD-Politikers Björn Höcke an, der das Berliner Holocaust-Mahnmal ein „Denkmal der Schande“ genannt hatte. Es sei wichtig, dass es dieses Mahnmal gebe, sagt Busemann zornig. „Schande verjährt nicht!“

Kultusministerin Frauke Heiligenstadt warnt eindringlich vor rechtspopulistischen Parteien. Und der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle fordert, die Vielfalt der offenen Gesellschaft zu verteidigen und würdigt Juden als „ältere Geschwister“ der Christen.

Wie stark diese älteren Geschwister Europas Kultur bereichern, führt schließlich der Chor Shabbaton vor. Die Sänger loten aus, wie viele klangliche Schattierungen Trauer haben kann; dass diese melancholisch, trotzig oder hoffnungsvoll ausfallen kann. Mit viel Sinn für Dramatik intonieren sie die schwermütigen Harmonien des Gebets El male rachamim.

Eher chansonhaft kommt die Komposition „Bilvavi“ des Chorleiters Stephen Levey daher. Und beim Dankgebet Tsur Mishelo swingt der Tenor, Rabbi Lionel Rosenfeld, wie ein Entertainer. Ein quicklebendiges Stück Judentum - unterhaltsam, unbeschwert. Gerade an diesem Tag entfacht der Rabbi damit im Publikum Beifallsstürme. Applaus, der eines denkwürdigen Gedenkens würdig ist.

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Auch in der Marktkirche wurde an die Holocaust-Opfer gedacht. Den Text lesen Sie hier. 

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