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Aus der Stadt So feierte Hannover den Vatertag
Hannover Aus der Stadt So feierte Hannover den Vatertag
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22:14 25.05.2017
Von Simon Benne
Gut gelaunt unterwegs: Vatertagsausflügler in Herrenhausen. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Es klang fast verwundert: „Wo bleiben die denn alle?“, fragte sich ein Polizist an der Einlasskontrolle zum Isernhagener Hufeisensee am frühen Nachmittag. Die Vatertagsausflügler sollten noch kommen – wenn auch etwas später als erwartet: Als sich gestern die Sonne zeigte, wuchs die Schlange an der Kontrolle, wo etwa 30 Polizisten und Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes Ausflügler nach Alkohol durchsuchten.

Erstmals hatten die Kommunen Isernhagen und Langenhagen eine sogenannte Allgemeinverfügung erlassen. Die sollte Alkohol und laute Musik von beliebten Vatertagstreffpunkten verbannen. Am Hufeisensee sorgte das für Unmut: Am Einlass wurden Polizisten beleidigt, es gab ein Handgemenge zwischen einem angetrunkenen Ausflügler und Beamten. Im Vergleich zu den Vorjahren war laut Polizei allerdings nur ein Bruchteil der Ausflügler am Hufeisensee unterwegs – so gesehen zeigte das Alkoholverbot Wirkung.

Bilder vom Vatertag am Hufeisensee.

Am Maschsee hingegen gab es kein Verbot – und folglich floss hier Alkohol in Strömen. Einige Bollerwagen glichen hochgerüsteten Trinkmobilen; teils inszenierten die Ausflügler ihre Touren als eine Mischung aus Junggesellenabschied und römischer Orgie. An keinem Tag hat das Trinken so Tradition wie am Vatertag. An keinem Tag muss man sich für öffentlichen Rausch so wenig schämen wie an diesem.

„Einige übertreiben’s heute“

Mit „Team Vatertag“-T-Shirts sind rund zwei Dutzend Männer unterwegs. Ihr Wagen hat eine eigene Zapfanlage – wer verzichtet unterwegs schon gerne auf sein Bier vom Fass? Ein 20-Jähriger hat einen Bollerwagen (Aufschrift: „Starlight Exzess“) zum zweistöckigen Vehikel aufgerüstet. „In der unteren Etage ist Bier“, sagt er langsam. Er macht eine bedeutungsvolle Pause: „Und in der oberen Etage ist auch Bier“, sagt er dann ernst. Darauf einen Osborne! Auch Stephanie Muhl zieht am Maschseeufer mit einem Bollerwagen entlang, doch in diesem sitzt ihr einjähriger Sohn Thees. „Einige übertreiben’s heute“, sagt sie, „wenn mir der Lärmpegel zu hoch wird, halte ich lieber Abstand.“

An diesem Tag prallen Welten aufeinander. Im allgemeinen Ausflugsgetümmel vermischen sich Milieus, die sonst lieber unter sich bleiben. Paare mit Kindern sind zum gepflegten Familienausflug ausgerückt, zugleich ist die Bollerwagen-Fraktion unterwegs, deren erklärtes Tagesziel das Erreichen möglichst hoher Promillewerte ist. Nicht immer ist es leicht, die einen auf den ersten Blick von den anderen zu unterscheiden. Nicht immer ist es leicht zu sagen, wo Ausgelassenheit in Aggressivität umschlägt und Lautstärke in Lärmbelästigung. Ist das Zerdeppern einer Bierflasche Randale? Manch einer hält es für einen Jux aus Übermut.

Mit Gummibaerchensaft, Jim Beam oder waschechter Zapfanlage: So feierte Hannover den Vatertag

Als sich am Maschsee die Sonne zeigt, springt der erste junge Mann halbnackt ins Wasser – nach zehn Bier, wie er selbst sagt. Ein paar Meter weiter pinkeln ein paar Jugendliche in den See. Auf dem Weg am Westufer kippt ein Einkaufswagen samt seinem Einkaufswagenschieber um, Dutzende von Bierflaschen rollen über den Weg. Schnell bildet sich ein Sprechchor von Betrunkenen: „Ihr seid Pisser, ihr seid Pisser!“, grölen sie. Eine alte Dame mit Gehhilfe schaut irritiert: „Das ist nicht meine Welt“, sagt sie.

Die Polizei zeigt Präsenz

Am Rudolf-von-Bennigsen-Ufer haben es sich ein paar junge Frauen mit Decke und Käsespießchen auf einer Wiese bequem gemacht. Sie treffen sich seit Jahren regelmäßig am Himmelfahrtstag – ein Ausflug, um Ausflügler anzusehen.„Wenn alle irgendwann anfangen, in die Büsche pinkeln, wird’s unangenehm“, sagt eine 23-Jährige: „Dann hauen wir lieber ab.“

Bis dahin sind die lauten Wilden für bürgerliche Beobachter auch eine Art Attraktion. „Das ist hier ein bisschen, als würde man sich exotische Tiere im Zoo angucken“, sagt ein 47-Jähriger, der mit seiner Tochter auf Inlinern um den Maschsee kurvt. Die Lautstarken sorgen für Partystimmung und gute Laune, für eben jene Entgrenzung, die ein Fest für manchen erst so richtig vom Alltag unterscheidet. Für andere kann die Grenzüberschreitung rasch zur Bedrohung werden.

Die Polizei zeigt Präsenz. Immer wieder rollen Polizeiwagen im Schritttempo am Maschsee entlang. „Es ist schon beruhigend, dass sie hier Flagge zeigen“, sagt der 72-jährige Dietmar Weinberg. Bis zum Abend blieb es in Hannover ruhig; dann bekamen die Polizisten mehr zu tun: Es gab mehrere Fälle leichter Körperverletzung, Streitereien unter Betrunkenen und etliche Schnapsleichen. Einige Bollerwagen-Besitzer sehen Polizeipräsenz und Kontrollen aber skeptisch. „Trinken wir lieber noch einen, solange es in Deutschland noch Plätze gibt, an denen man das darf“, sagt einer. Was er vom Alkoholverbot einiger Umlandkommunen hält, ist unschwer zu erraten.

Von Simon Benne und Martin Lauber

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