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Aus der Stadt Christina Amendt fertigt Rokoko-Roben
Hannover Aus der Stadt Christina Amendt fertigt Rokoko-Roben
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00:16 24.11.2017
Christina Amendt fertigt historische Roben für Museen und Privatkunden. Quelle: Franson
Hannover

Das glänzend-graue Rokoko-Gewand ist liebevoll mit Rosenranken bestickt. An Ausschnitt und Ärmeln lugen gehäkelte Spitzen hervor, das Korsett ist mit zahlreichen Häkchen versehen, die Unterwäsche ist ebenfalls zeitgemäß. Die Mode vergangener Zeiten hat es ihr angetan. Christina Amendt ist auf die Anfertigung historischer Roben spezialisiert. An dem grauen Traumkleid hat sie rund 180 Stunden gearbeitet, wer es sich leiten möchte, muss rund 5000 Euro dafür bezahlen.

Das Nähen autodidaktisch gelernt

Die Dachgeschosswohnung in der Nordstadt ist gleichzeitig Atelier. Erst seit drei Jahren ist die 55-Jährige in Sachen historischer Gewänder selbstständig, eigentlich ist Amendt Bürokauffrau. „Ich habe mich schon immer für Mode und das Nähen begeistert“, erzählt. Die Fertigkeiten und Techniken hat sie sich selber beigebracht, ihr Herz hängt an der Mode von früher. Im Schlossmuseum Herrenhausen hat sie das barocke Gewand von Herzogin Sophie Charlotte auf einem Gemälde abfotografiert und original nachgearbeitet. Amendt verwendet nur hochwertige Materialien wie Seide, Wolle oder Organza. Ihre Kundinnen sind Besucher von Mittelaltermärkten, barocken Veranstaltungen wie in Dresden oder Gotha sowie Frauen auf der Suche nach einem extravaganten Gewand für Silvester- oder Mottoparty. Gerade arbeitet die Autodidaktin an einer schneeweißen Stola aus Pelzimitat – „Motto sind die dreißiger Jahre.“

Christina Amendt fertigt historische Roben für Museen und Privatpersonen. Ihre Arbeit ist ganz schön aufwendig.

Auf den Schneiderpuppen im Atelier hängt eine weinrote Kreation mit Korsett, nachempfunden der modischen Trends des 18. Jahrhunderts. Daneben strahlt ein weißes, Blüten besetztes Kleid im Empirestil. Beide Roben sind private Bestellungen. „Ich fertige auch besondere, individuelle Abendmode und Hochzeitskleider, mein Vintage ist historisch“, betont Amendt. Bei Korsagenkleidern verlegt sie allerdings die Haken und Ösen nach vorne, damit die Trägerin sich ohne Hilfe ankleiden kann. 

 „Es muss nicht immer Prinzessin oder Meerjungfrau sein“

Mode und Kleidung sollten nachhaltig sein“, betont die 55-Jährige. Viele Kleider könne man immer wieder umarbeiten und zu verschiedenen Anlässen tragen – vorausgesetzt, das Material ist hochwertig. Einen Auftrag bearbeitet Amendt derzeit aus der Gothic-Szene: Eine blutrote Samtkorsage. 

Christina Amendt interessiert sich nicht nur für Stoffe, Schnitte und stilechte Details, sie kennt sich auch bestens aus in der Kostümgeschichte. So war die Fertigung der Fischbein-Korsetts einst reine Männersache, „die Knochen waren zwar biegsam, mussten aber zugeschnitten und eingelegt werden – das war körperlich anstrengende Arbeit“, sagt Amendt. Sie erzählt von figurbetonten Schnürungen im 19. Jahrhundert, Hand verzierten Ösen, die das 18. Jahrhundert modisch prägten, weiß aber auch genau, welche Silhouette in den dreißiger oder vierziger Jahren Trend war. „Ich liebe die figurbetonten Kleider der Dreißiger und den minimalistischen Stil der Sechziger“, schwärmt die Schneiderin. Auf der Hochzeitsmesse hat sie ihre historischen Roben für den großen Tag präsentiert – und viel Anklang gefunden. „Ich möchte den jungen Frauen zeigen, dass es nicht immer Prinzessin oder Meerjungfrau sein muss. Etwas im Empirestil oder dem Rokoko eignet sich auch prima zum Jasagen.“

Ihre Kundinnen kommen aus ganz Deutschland, derzeit fertigt sie eine Barockrobe für eine Dame aus Düsseldorf. Die Kunden dürfen aber durchaus ihre eigenen Ideen mitbringen, „die setzen wir dann gemeinsam um“, meint Amendt. Christina Amendt selber ist selten in historischen Gewändern unterwegs. „Ich arbeite für private Kunden, Ausstellungen oder Museen, aber beim Besuch auf einem Mittelaltermarkt kleide ich mich natürlich ganz traditionell.“

Mehr Informationen unter www.historische-roben.de

Von Susanna Bauch

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