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Aus der Stadt Wie ein erfolgreicher Banker zum Aussteiger wurde
Hannover Aus der Stadt Wie ein erfolgreicher Banker zum Aussteiger wurde
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00:15 19.10.2016
Vom Aufsteiger zum Aussteiger: Christopher Batke. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Das Wort Überflieger hört Christopher Batke nicht gerne. Aber es kommt einem eben in den Sinn, wenn einer direkt aus der Uni von einer Bank eingestellt wird und mit Mitte 20 schon in der Personalabteilung zuständig für Rekrutierung und Entwicklung aller Nachwuchskräfte des Unternehmens war. Batke winkt ab: Die Anzüge, das edle Arbeitsumfeld, die Ratings und Meetings - das alles liegt jetzt hinter ihm. Mit nicht einmal 30 Jahren hat Batke seine vielversprechende Banker-Karriere abgebrochen, der Aufsteiger wurde zum Aussteiger - und er will jetzt anderen Menschen helfen, aus Fehlern klug zu werden.

Im Grunde hätten die Kernwörter seines Lebenswegs bereits in seiner Abitur-Zeitung gestanden, in denen alle Schüler mit ein paar Worten charakterisiert wurden, sagt Batke: „Zwei Begriffe standen da bei mir: Turbo-Kapitalist und hoffnungsloser Idealist.“ Das Geschäftstüchtige ist schon da bei dem Arbeitersohn, aber auch das Engagierte. Eigentlich will er kurz vor dem Abitur noch eine Auszeit nehmen und irgendwo auf der Welt in einem SOS-Kinderdorf helfen. Doch darauf verzichtet er dann und wird stattdessen gewissermaßen nur „Turbo-Kapitalist“. Er fängt ein Studium der Betriebswirtschaftslehre an, parallel macht er eine Ausbildung in einer Bank - und fällt dort schnell positiv auf.

„Ich bin gescheitert“

Eine Zeit, über die Batke auch heute nicht schlecht redet, schon gar nicht über die Kollegen von damals. Er genießt die Anerkennung, die Verantwortung, und er wächst dadurch. Als Batke bei der Bank in Hannover, deren Namen er nicht nennt, anfängt, hat sie 180 Mitarbeiter. Innerhalb kurzer Zeit wächst sie auf 400 Leute an. Jemand muss die Neuen einschätzen, Teams zusammenstellen und für die Ausbildung sorgen. Batke bekommt diese Aufgabe, eine erste große Verantwortung mit 24. Um den Job besser machen zu können, beginnt er ein Masterstudium. Alles nebenbei, um noch schneller noch höher und noch weiter zu kommen.

Doch ihm fehlt etwas. „Immer ging es um Prozesse, Stellen, um Kontrollen von Kontrollen“, sagt Batke. Die Arbeit wird mehr und mehr, aber Sinn und Inhalt rücken stets weiter in den Hintergrund. Im Jahr 2009, mitten in der weltweiten Finanzkrise, zweifelt Batke an den Mechanismen und Grundlagen der Branche. „Kann ich das alles noch mit meinen Werten vereinbaren?“, fragt er. Der Überflieger vermisste die Bodenhaftung.

Erst Teilzeit, dann Ausstieg

Am Ende geht es nicht mehr. „Ich habe versucht, meine Arbeitswelt zu optimieren. Und ich bin gescheitert“, sagt Batke. 2013 beschließt er den Ausstieg, allerdings in Raten: Zunächst geht er für zwei Jahre in Teilzeit, 2015 verlässt er die Bank vollständig. Seine Kollegen in der Bank belächeln ihn, die Teilzeit tragen sie aber mit. „In meinem Team habe ich Unterstützung bekommen“, sagt Batke.

Mittlerweile ist die Bank vollständig Vergangenheit, Batke hat im Juli seinen 30. Geburtstag gefeiert und wagt jetzt den Neustart. „Für mich beginnt ein neuer Lebensabschnitt“, sagt er. Er bezeichnet sich als „Realizer Coach“, um anderen zu helfen, herauszufinden, wie sie ihren „Turbo-Kapitalismus“ und Idealismus in die Balance bringen können. „80 Prozent der Deutschen sind in ihrem Job unzufrieden - das ist meine Zielgruppe“, sagt er. Im Netz ist er hier zu finden.

Für den früheren Angestellten ist die Existenz als Freiberufler noch ungewohnt und auch mit Unsicherheit verbunden. Batke ist überzeugt, dass seine Dienstleistung gebraucht wird, doch ob auch das damit verbundene Geschäftsmodell funktioniert, muss sich erst noch zeigen. „Es ist eine schwierige Zeit“, sagt Batke offen. „Aber ich würde es wieder machen.“

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