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Aus der Stadt "Ich wollte Musik machen"
Hannover Aus der Stadt "Ich wollte Musik machen"
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00:18 07.07.2015
Lässt sich gerne von neuen Ideen inspirieren: Sänger Clueso.  Quelle: Michael Wallmüller
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Auf der IdeenExpo geht es ja um Naturwissenschaft und Technik: Wie viel Techniker muss man denn sein, wenn man Musiker ist?

Das kommt immer drauf an – ob man Dinge erklären will, ob man auf andere warten möchte und darauf welche Philosophie man hat, wie man Musik macht. Ich bin jemand, der mag es den ersten Moment festzuhalten und dann kommt man nicht drumrum, dass du ein paar Mikrofone aufstellen kannst. Ich selbst bin nicht der Techniktyp – weil ich einfach zu ungeduldig bin.

Das heißt, du hast zwei linke Hände?

Nein, überhaupt nicht. Ich hab eher einen provisorischen Style – wie mein Opa, der seine Kellertür aufklappt und dafür einen Nagel in der Wand hat, den er dann herum schiebt. Das hält dann einfach trotzdem 60 Jahre. Also so provisorisch-technisch begabt, aber die Geduld habe ich nicht. Jemand der sich mit Technik auskennt, muss einfach Geduld haben. Wege zurückverfolgen, Fehlerquellen aufdecken – das ist nicht so meins.

Auf der IdeenExpo geht es vor allem ums Ausprobieren – du singst in deinem Song „Barfuss“ auch darüber, wie es ist, etwas Neues zu versuchen. Warum ist es wichtig, etwas auszuprobieren?

Mir persönlich geht es um eine gewisse Neugier. Ich mag es, wenn man sich nicht allzu sehr zitiert, sondern immer versucht Neuland zu entdecken. Ich hab ja die letzte Platte selber produziert, da musste ich dann übrigens viel über Technik lernen, auch wenn es eher Plugins waren oder wie man Sachen schaltet. Da war alles komplett neu.

Das Problem an neuen Sachen ist, dass viel über Selektion läuft. Funktioniert, funktioniert nicht – und du hast nicht die Erfahrungswerte, wo du sagst: Das brauch ich jetzt, das wende ich an. Aber diese Goldgräberstimmung und dieses Anfängerglück kann man damit auch konservieren.

Das kann aber auch ganz schön in die Hose gehen, wenn man nur als Goldgräber unterwegs ist...

Es gibt ja im Grunde auch feste Sachen. Wo ich über die Jahre merke: Eine gute Setlist zu haben, die über die Tour gleich bleibt, hilft den Team sich irgendwann fallen zu lassen und einfach befreiter Musik zu machen, als wenn sich alle fragen: Was passiert als nächstes? Also da ist die Spontanität, das ständig Neue nicht gefragt. Auf der anderen Seite: Ich kann's nicht leiden, wenn Leute ein Leben immer wieder auf alte Erfolgsrezepte zurückgreifen.

Wann ist denn dann der beste Zeitpunkt, um etwas Neues zu wagen?

Das ist individuell abhängig. Manche Leute lieben es, wenn alles gleich ist und sie sich zuhause und sicher fühlen. Manchmal merkst du aber, dass ein gewisser Antrieb oder Impulse fehlen. Dann muss man gucken, dass man etwas Neues ausprobiert – vielleicht jemanden ins Team holt, von dem nicht alle begeistert sind. Die Situation einfach ein bisschen aufmischen. Das ist der eigentliche Ursprung.

Du hast deine Friseurlehre abgebrochen. Das war ein Moment, in dem du selbst ein Risiko eingegangen bist. Hattest du Sorge, etwas Festes aus der Hand zu geben?

Nein, überhaupt nicht – weil ich überhaupt keinen Bock hatte. Bei mir läuft viel über die Lust. Entweder die Lust auf Sachen – oder die Unlust, dass man etwas einfach nicht mehr machen kann, weil man denkt, es gehört da nicht hin. Ich wäre verreckt, wenn ich weiter im Friseurladen gearbeitet hätte. Ich wollte Musik machen. Ich hab mich jedes Mal komisch gefühlt in diesem Laden, und ein bisschen Platzangst bekommen.

Ich musste raus, wollte die Welt sehen und Sachen entdecken. Natürlich gab es Gefahren, aber die habe ich nicht gesehen. Und genau das ist es, was ich Leuten empfehlen kann, die kotzen und meckern. Wo ich sage: Hey, probiers doch aus. Rechne mal kurz hoch, wie hart du fällst. Ich glaube in dem Alter, wo man die Lehre macht, hat man immer noch ein bisschen die Eltern im Background, die das nicht cool finden und einen dafür vielleicht nicht supporten, aber man fällt eben nicht so hart. Deswegen war das eine ganz klare Entscheidung: Ich will Musik machen, ich will nie wieder jemandem die Haare schneiden.

Hattest du jemanden, wo du gedacht hast: Der stärkt mir den Rücken, wenn es nicht klappt?

Nein, das hatte ich nicht. Aber ich hatte jemanden, der mir gut zugeredet hat und gesagt hat: Du verlierst einfach nur Zeit. Du brauchst nicht die Referenz als Friseur, du brauchst einfach Momente und Referenzen aus dem Leben. Um Musiker zu werden, muss man nicht in die Musikschule gehen. Man kann und es hilft auch. Aber ich finde angerissene Biografien sehr förderlich.

Die Ideen-Expo ist eine Messe für junge Leute. Wenn jemand sagt: "Ich bin vielleicht nicht im Physikleistungskurs, aber das interessiert mich" - würdest du dann sagen: "Mach das"?

Das ist ja der eigentliche Sinn vom Studieren. Wenn man sich für irgendwas interessiert, dann sollte man das studieren und nicht, weil man nicht weiß, was man machen soll.

Aber es gibt auch viele Leute, die machen das, weil sie dann Sicherheit haben.

Das darfs halt nicht sein. Dann stellt sich die Frage, ob man den jungen Leuten lieber die Sicherheit gibt und sie von da aus agieren lässt. Auf der anderen Seite muss man Sachen auch knallhart sagen. Es gab einen Musiklehrer, der mal zu einem Schüler gesagt hat: "Weißt du, Jazz ist wie ein Virus, aber du bist nicht infiziert." Das ist ein megaharter Satz, aber ich finde, es hilft dir im Leben, wenn du dich abkrampfst und denkst, du machst das und dann jemand auch mal sagt: Bemüh dich nicht, das ist nicht dein Ding. Aber ich kann sagen: Wenn du irgendwas findest, wo du zehn Stunden lang hängen bleibst und vergisst zu essen oder irgendjemanden anzurufen, dann bist du auf dem richtigen Weg.

Hier geht es ja auch um Ideen. Wo findest du denn neue Ideen?

Das läuft manchmal über Menschen, dass man Impulse bekommt oder auch Kunst, dass man Sachen hört und denkt: So möchte ich das auch mal machen oder ausprobieren. Das ist genau das, was ich meinte. Das ist dieses leichte Barometer, wo man versucht, alles, was schon gewesen ist zu erweitern oder zu verbessern oder das Gegenteil davon zu provozieren. Und dann kommen eben neue Ideen. Ich lasse mich gerne inspirieren von Dingen, wo ich mich momentan zuhause fühle und ein bisschen in die Zukunft gucken kann.

Ich mache jetzt ein Reisealbum. Das wird ein Gitarrenalbum. Und logischerweise interessieren mich jetzt alle akustischen Sachen, die Leute gemacht haben und fummel da auch noch ein bisschen weiter und überlege, ob ich mich auf dem Weg dem Konzept Akustik unterwerfe oder ob ich das noch ausbauen kann. Aber die Grundidee ist da und dann kommen die anderen Ideen rein.

Was war die beste Idee, die du hattest?

Die beste Idee war, nicht das zu machen, was alle von mir erwartet haben.

Interview: Sabine Gurol

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