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Aus der Stadt Ein Projekt gegen die "persönliche Selbstentwertung"
Hannover Aus der Stadt Ein Projekt gegen die "persönliche Selbstentwertung"
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00:15 03.09.2017
Mit neuer Frisur und Make-up bereit fürs Bewerbungsgespräch: Farbberaterin Gisela Steinhauer trägt Lippenstift bei Manuela Widmann auf. Quelle: Tomma Petersen
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Hannover

Aufgeregt sitzen 15 Frauen im Friseursalon La Coup und warten darauf, dass sie an die Reihe kommen. Sie nehmen an einem Coachingprojekt des Jobcenters teil, und für sie beginnen gerade ganz besondere Stunden. Alle Frauen sind langzeitarbeitslos und haben aus verschiedenen Gründen Probleme, auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. „Das Coachingprojekt ist einmalig und hat in Hannover so noch nicht stattgefunden“, erzählt Ute Petelkau vom Jobcenter Region Hannover. Zusätzlich zum Training gibt es nämlich noch eine Farb- und Typberatung für die Gruppe. Auch ein Bewerbungsoutfit wird erarbeitet und eingekauft.

Coaching verschafft Zuversicht

„Ich habe erst den Haken an dem Projekt gesucht“, sagt Manuela Widmann. Die gelernte Hotelfachfrau hat gerade dunkelrote Farbe im Haar und blickt in den Spiegel vor sich. „Zweieinhalb Jahre habe ich mich nur in meiner Wohnung versteckt, wollte nicht gesehen werden und hatte kein Selbstwertgefühl mehr“, erzählt die 54-Jährige. Durch das Coaching, das seit Mitte April läuft, hat sie wieder Zuversicht gewonnen. „Man ist ja nicht freiwillig arbeitslos und hat Angst. Aber das Coaching hat mich unwahrscheinlich motiviert, morgen habe ich mein erstes Bewerbungsgespräch“, sagt Widmann und strahlt. Sie traue sich wieder, auf andere Menschen zuzugehen. „Man ist wieder jemand – die neue Frisur und die Typberatung geben mir sicher noch mehr Selbstbewusstsein“, sagt sie. Der Gang zum Friseur sei für die meisten Langzeitarbeitslosen purer Luxus – das Geld fehlt einfach.

„Wir haben im Rahmen der Maßnahmen und Projekte Möglichkeiten für die Finanzierung“, erzählt Petelkau. Wenn das Jobcenter die Notwendigkeit sehe, könne man eben für ein Bewerbungsgespräch Kleidung oder eine kosmetische Beratung bekommen. „Dabei ist eines aber ganz wichtig: Die Frauen sollen sich nicht verbiegen“, sagt Visagistin und Farbberaterin Gisela Steinhauer. Sie hat mit den 15 Frauen Outfits und Make-up gefunden. „Man kennt das doch selbst: Wenn man sich schick und gepflegt fühlt, strahlt man viel mehr Selbstbewusstsein aus“, sagt Friseurin Kristina Bock, die gerade ein paar Farbbeispiele mit Projektteilnehmerin Bärbel Klatt diskutiert. „Ich habe so viele nette Frauen in dem Projekt kennengelernt, das hat sehr gutgetan“, sagt Klatt. Dass Menschen nett mit ihr umgehen würden, habe sie lange nicht mehr erlebt.

70 Prozent schaffen es zurück auf den Arbeitsmarkt

„Es ist traurig mitanzusehen, dass bei vielen Langzeitarbeitslosen ein Wandel stattfindet. Sie fühlen sich schlecht, haben immer weniger soziale Kontakte und verkümmern teilweise seelisch“, sagt Jochen Pappelt vom Jobcenter. Die ganzheitliche Coachingbetreuung helfe den Menschen dann wieder auf die Beine.

Laut Coach Frank Aszhorn ist eine Begleiterscheinung von Arbeitslosigkeit die „persönliche Selbstentwertung“. „Menschen denken dann, dass sie nichts können und es auch nicht verdienen, eine Arbeit zu bekommen. Dieses Gefühl ändern wir.“ Seelisch aufgefangen werden die Frauen von den Coaches noch bis September. Etwa 70 Prozent der Teilnehmerinnen schaffen es im Schnitt so zurück auf den Arbeitsmarkt. Die Entwicklungen, die die Frauen seit April gemacht haben, sind deutlich zu ­sehen. „Am Anfang waren wir ein Haufen Trauerklöße, jetzt blühen wir richtig auf“, erzählt die gelernte Tourismuskauffrau Lena Schulze.

Von Tomma Petersen

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