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„Ein neues Tor zur Stadt“

Continental am Pferdeturm „Ein neues Tor zur Stadt“

Hannover kann sich über den Zuschlag für den Neubau der Conti-Zentrale freuen. Im Rennen mit der Stadt Garbsen hatte die Landeshauptstadt nicht nur infrastrukturell die Nase vorn. Viele Ratspolitiker zeigten sich über die Entscheidung des Dax-Konzerns mehr als positiv.

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Positive Reaktionen auf die Standortentscheidung von Continental – und im Rathaus ist man erleichtert.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover . Die Nachricht von der geplanten Conti-Zentrale am Pferdeturm verbreitete sich am Dienstag schnell: „Super Neuigkeiten. Da könnte ein richtig tolles Tor zur Stadt entstehen“, hieß es etwa in den sozialen Netzwerken im Internet. Das Unternehmen hatte am Mittag bekannt gegeben, dass aktuell nur noch mit Hannover über die Ansiedlung der Zentrale für etwa 1250 Mitarbeiter verhandelt wird. Am Pferdeturm sollen beide Grundstücke nördlich und südlich der Hans-Böckler-Allee genutzt werden, sie sollen mit einer „markanten Überbauung der Straße miteinander verbunden werden“, wie es heißt.

Continental gehört zu Hannovers ältesten Unternehmen. Fotos aus der langen Geschichte des Reifenbauers.

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In der Ratspolitik überwog am Dienstag bei Vertretern aller Fraktionen die Freude darüber, dass der einzige Dax-Konzern Hannovers die Stadt nicht verlässt. „Absolut positiv“ sehe sie die Entscheidung, betonte SPD-Wirtschaftspolitikerin Anne Gahbler. „Qualität setzt sich durch. Und Hannover hat ganz offenkundig Qualität geboten“, sagte Grünen-Baupolitiker Michael Dette. „Conti gehört zu Hannover, die Entscheidung ist einfach toll“, jubelte FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke. „Conti ist eines der wichtigsten Traditionsunternehmen und als einer der größten Gewerbesteuerzahler wichtig für den Haushalt“, sagte Linken-Fraktionschef Oliver Förste. Auch CDU-Wirtschaftspolitiker Jens-Michael Emmelmann freute sich, sagte aber auch: „Es ist das erwartete und verlangte Ergebnis. Oberbürgermeister Stefan Schostok hatte das Thema zur Chefsache erklärt – wenn er diese Konkurrenz verloren hätte, dann hätte er schweren Imageschaden genommen.“

Hannover hatte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der kleineren Nachbarstadt Garbsen um die prestigeträchtige Ansiedlung geliefert. Continental-Vorstandschef Elmar Degenhart ließ am Dienstag mitteilen, dass „nach Abwägung aller Vor- und Nachteile entlang wichtiger Kriterien wie Kosten, Verkehrsanbindung und Verwaltungsunterstützung“ die „Grundstücke in beiden Städten nahezu gleichauf“ gelegen hätten. Für CDU-Ratsherr Emmelmann ein Alarmsignal: „Wenn eine kleine Nachbarstadt uns ernsthaft Probleme bei Standortentscheidungen macht, dann hat Hannover keinen großen Bonus mehr bei Unternehmensansiedlungen. Und Stadtgrenzen sind den Firmen inzwischen weitgehend egal.“ Wichtig sei daher, „viel sensibler mit Unternehmen umzugehen“.

Grünen-Politiker Dette will das so nicht gelten lassen: „Natürlich sind wir bei Grundstückspreisen im Nachteil, aber wir müssen marktgerechte Preise nehmen.“ Bei den Kosten könnten kleinere Städte Hannover übertrumpfen, „aber bei der Qualität das Standorts ganz offenkundig nicht“.

In einem Brief an Garbsens Bürgermeister Christian Grahl (CDU) hat Conti-Chef Degenhart begründet, dass vor allem die gute Verkehrsanbindung am Pferdeturm für Hannover gesprochen habe. In Garbsen endet die Stadtbahn einen Kilometer vor dem für Conti vorgesehenen Grundstück. Die Stadt hatte Shuttlebusse bis zur möglichen Stadtbahn-Verlängerung einsetzen wollen, doch das reichte dem Unternehmen nicht – zumal „die Mehrheit der Conti-Mitarbeiter aufgrund ihrer heutigen Wohnsituation die Nähe zur jetzt ausgewählten Lage begrüßen werde“, wie Degenhart in seinem Brief an Garbsens Bürgermeister Grahl schreibt.

Skeptisch soll das Unternehmen lange Zeit wegen der Verkehrsanbindung gewesen sein. Hätte man sich nur auf dem südlichen Pferdeturm-Grundstück niedergelassen, wie ursprünglich erwogen, dann hätten Autofahrer vom Messeschnellweg einen deutlichen Umweg fahren müssen. Mit der jetzigen Lösung, beide Grundstücke mit insgesamt 37 600 Quadratmetern Fläche zu kaufen und mit einer Brücke zu verbinden, seien die Verkehrssorgen „hoffentlich weitgehend gelöst“, sagt SPD-Ratsfrau Gahbler.

Hannover muss Kompromisse machen

Irgendwie hat man es sich nie richtig vorstellen können: Hannovers größter und traditionsreichster Konzern feiert sein 150-jähriges Jubiläum in der neuen Zentrale in – Garbsen. Schon deshalb ist es für die Stadt vor den Toren Hannovers mehr als ein Achtungserfolg, den haushohen Favoriten mächtig ins Schwitzen gebracht zu haben. Im Continental-Konzern ist wenig Platz für Sentimentalitäten, es zählen gute Ideen und Kostenorientierung. Bei beidem hat Garbsen mithalten können. Gegen die Stadt sprach am Ende vor allem, dass sie die rechtzeitige Fertigstellung einer Stadtbahn-Anbindung nicht garantieren konnte. Das wiederum hat sie selbst gar nicht in der Hand. 

So bleibt die schlichte Erkenntnis, dass Wettbewerb das Geschäft belebt – auch, oder vielleicht gerade im öffentlichen Sektor. Der Conti-Spitze kam der Konkurrent vor den Toren der Stadt sicherlich nicht ungelegen. Denn sie braucht einen flexiblen Partner an ihrer Seite. 

Die Vorstellungen des High-Tech-Konzerns, der an autonomem Fahren und Elektromobilität forscht, orientieren sich bei der neuen Zentrale eher an Apple und Google als an den Bankentürmen in Frankfurt. Da wird Hannover noch zu so manchem Kompromiss bereit sein müsse

Kommentar von Lars Ruzic

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