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Contitech leitet Lösungsmittel ins Kanalnetz

Giftige Chemikalie Contitech leitet Lösungsmittel ins Kanalnetz

Über mehrere Wochen hat die Contitech vom Betriebsgelände in Vahrenwald eine giftige Chemikalie in das hannoversche Abwassersystem eingeleitet. Bei der Chemikalie handelt es sich um das Lösungsmittel Toluol – es kann Nerven-, Nieren- und möglicherweise auch Leberschäden verursachen.

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Zweimal kurz vor der Funktionsunfähigkeit: Die giftige Chemikalie machte auch den Mitarbeitern der Kläranlage zu schaffen.

Quelle: Katrin Kutter

Hannover. Das Continental-Tochterunternehmen Contitech hat wochenlang eine gefährliche Chemikalie in das hannoversche Kanalnetz eingeleitet. Sowohl das Unternehmen als auch die Stadt beteuern, dass die Chemikalie nicht vorsätzlich, sondern durch einen technischen Defekt in die Kanalisation gelangt ist. Bei der Chemikalie handelt sich um Toluol, ein Lösungsmittel ähnlich wie Benzol.  Toluol ist leicht entzündlich. Es kann Nerven-, Nieren- und möglicherweise auch Leberschäden verursachen. Das Toluol gelangte vom Betriebsgelände in Vahrenwald ins Abwassersystem. Die Stadtentwässerung benötigte Wochen, um mit speziellen Messsonden dem Verursacher auf die Spur zu kommen. Dazu, ob durch den Zwischenfall Menschen gefährdet waren, machen die beteiligten Behörden keine Angaben.

Bewohnern der Nordstadt war an einigen Tagen im Dezember der Lösungsmittelgeruch aus dem Kanalnetz aufgefallen. Aber auch in der Kläranlage war das Einleiten bemerkt worden. Zunächst war auch dort Mitarbeitern der Geruch von Lösungsmitteln aufgefallen: Nach Informationen der HAZ stand die Kläranlage wegen der Chemikalie zweimal kurz vor der Funktionsunfähigkeit. „Durch umgehend eingeleitete Gegenmaßnahmen konnte ein Schaden abgewendet werden“, berichtet Stadtsprecher Dennis Dix. Die Mitarbeiter hatten die Belüftung im sogenannten Belebungsbecken verstärkt. Dix betont zugleich, dass die Grenzwerte für die Einleitung des geklärten Wassers aus der Kläranlage in die Leine eingehalten worden seien.

Contitech: Haben Sicherheitsmaßnahmen erhöht

Nach Angaben von Dix wurden zwischen Anfang Dezember und Mitte Januar rund 380 Kubikmeter eines Gemischs aus dem Lösungsmittel und Wasser ins Kanalnetz geleitet. Das entspricht ungefähr dem Volumen eines Einfamilienhauses mit 160 Quadratmetern Wohnfläche. Die Stadtentwässerung plane in der Angelegenheit, nichts gegen die Firma zu unternehmen, denn die Stoffe seien „nicht vorsätzlich eingeleitet worden“. Der Schaden sei inzwischen behoben, erläutert Dix. Die betroffene Anlage sei überprüft worden. Zudem habe Contitech nach Feststellung des Schadens das Abwasser aus dieser Produktionsanlage mithilfe einer Fachfirma entsorgt und die vorhandenen Abwasserbehälter gereinigt. Des Weiteren habe das Unternehmen seine Sicherheitsmaßnahmen erhöht.

Bei Contitech wird Toluol bei der Produktion von Antriebsriemen verwendet. Die fertigen Antriebsriemen werden dann mit Wasser abgespült, berichtet Unternehmenssprecherin Antje Lewe. Das dabei entstehende Gemisch aus dem Wasser und dem Lösungsmittel werde von einer speziellen Anlage gereinigt.

Werte in der Leine leicht erhöht

Ein defektes Messgerät sei die Ursache für die unbeabsichtigte Einleitung der Mischung aus Wasser und Lösungsmittel gewesen. „Wir haben unsere Sicherheitsmaßnahmen erhöht“, erläutert sie. Eine zweite Reinigungsanlage sei installiert, die Anlage komplett überprüft worden. Das Abwasser, das noch Toluol enthält, sei bis zur Entsorgung durch eine Spezialfirma zwischengelagert worden. Bereits seit Längerem habe das Unternehmen eine vorläufige Freigabe der Stadt für die Wiederaufnahme der Produktion bekommen, berichtet Lewe. Die Anlage laufe wieder stabil, die Messwerte seien in Ordnung.

Auch die Untere Wasserbehörde der Region war in den Fall eingeschaltet, berichtet Sprecher Klaus Abelmann. Die Stadtentwässerung hatte der Region gemeldet, dass im Zulaufpumpwerk des Klärwerks Lösemittelgeruch festgestellt wurde. Die Stadt habe auch von den Maßnahmen in der Kläranlage berichtet. Abelmann bestätigt, dass die Werte bei der Einleitung aus dem Klärwerk in die Leine nur leicht erhöht und weit unterhalb der festgesetzten Überwachungswerte geblieben waren.

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