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Cruses Buchhandlung feiert 200. Geburtstag

Jubiläum in der Südstadt Cruses Buchhandlung feiert 200. Geburtstag

Cruses Buchhandlung 
in der Südstadt hat allen Grund zu feiern: Seit 200 Jahren gibt es das Geschäft nun. 
 Aber wie 
geht es dem Jubilar? 
Und wie der Branche? 
Trotz Internet: 
Gar nicht mal schlecht, sagt Chef Peer-Philipp Krall.

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Inhaber Peer-Philipp Krall feiert den 200. Geburtstag seiner Buchhandlung.

Quelle: Kutter

Hannover. Wo sonst sollte Peer-Philipp Krall heute stehen als als Chef in Cruses Buchhandlung? Wie sein Vater. Und sein Großvater. Wie sie damals liebt Krall die private, sinnliche Atmosphäre eines kleinen Buchladens. „Der Geruch in einem Buchkaufhaus ist ein ganz anderer, der spricht mich nicht an“, sagt der gelernte Kaufmann.

Aber war es nicht so, dass bald kein Platz mehr sein sollte für Geschäfte wie Cruses Buchhandlung? Wegen des Internets und dieser großen Filialen, mit Cappuccinotresen Loungeecke?

Bescheidene Gründung 

Als Friedrich Cruse im Jahr 1815 sein Geschäft aufschloss, war Hannover Hauptstadt eines erst im Jahr zuvor entstandenen Königreichs und zählte kaum mehr als 15 000 Einwohner. Mittlerweile leben rund 530 000 Menschen in Hannover, etliche Buchhandlungen sind gekommen und wieder gegangen. Cruses Buchhandlung ist noch da, an der Hildesheimer Straße in der Südstadt. Und viele andere haben ebenfalls durchgehalten. Wenn es so kommt, wie Peer-Philipp Krall und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels das vorhersehen, werden sie auch noch eine Weile da sein. „Dank der Buchpreisbindung kostet jeder Band überall das Gleiche – das ist Gold wert für den Mittelstand“, sagt Krall. Denn persönliche Beratung und ein familiäres Umfeld seien wichtig für die meisten Kunden. Der „stationäre Buchhandel“ habe in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen, sagt Carola Markwa, Geschäftsführerin des Börsenvereins Norddeutschland (siehe Interview rechts).

Cruses Buchhandlung in der Südstadt feiert ihren 200. Geburtstag. 

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Buchhandlungen im Zeitalter des Internets

Überhaupt, das Internet: Buchhändler Krall sieht darin keine großen Probleme für sich und sein Geschäft. „Man kann sich dort sehr gut informieren, aber auch die jungen Leute kaufen wieder deutlich öfter im Buchhandel ein.“ Der Umsatz jedenfalls steige leicht an. Das Internet kann den persönlichen Kontakt zum Buch nicht ersetzen. Rund 1,2 Millionen lieferbare Titel in deutscher Sprache gibt es derzeit, jedes Jahr kommen 100 000 neue dazu. Da muss man sich auskennen, Algorithmus hin oder her. „Ich lese, was kommt, da muss ich auch fleißig sein und im Bilde, so gut es geht“, betont Krall. Persönlich mag er Biografien, „bei denen das Leben am Rande erzählt wird“. Einen Bogen macht der Buchhändler um Gruselkrimis, in denen nicht an brutalen Details gespart wird. „Aber wir sind ja hier mit acht Mitarbeitern ein tolles Team, da hat jeder sein Steckenpferd.“

200 Jahre Cruses Buchhandlung also. Dabei wollte Friedrich Cruse ursprünglich gar keine Bücher in einem eigenen Laden verkaufen. Als Buchauktionator verdiente er sein Geld, beschaffte die Literatur, mit der betuchte Kunden ihre Regale bestücken wollten. „Dabei blieben aber auch immer so viele Bücher zurück, dass Cruse beschloss, damit ein eigenes Geschäft zu eröffnen“, erzählt Krall. Seitdem hat die Buchhandlung zahlreiche Besitzer und Standorte gesehen.

Stete Vergrößerung des Geschäfts

Friedrich Cruse vergrößerte sein Geschäft im Jahr 1825 und erstand seine erste Immobilie an der ehemaligen Köbelingerstraße 540. 22 Jahre später kauft er das Haus Große Aegidienstraße 4 – und das Geschäft zieht dort ein, wo auch Goethes Werther-Muse Charlotte Kestner gelebt hatte. „Ein gutes Omen für die Liebe zur Literatur“, sagt Peer-Philipp Krall. Im Besitz der Familie Krall ist das Geschäft seit 1939. Den Krieg überstand die Buchhandlung zunächst unbeschadet, die Bombennacht 1943 in Hannover vernichtete allerdings auch die Unterlagen, Urkunden und Bücher aus Cruses Bestand.

Opa Walter Krall bezog eine Einzimmer-Wohnung in der List, von der aus er den Buchhandel wieder belebte. „Es war der einzige Abstecher in einen anderen Stadtteil, Cruses Buchhandlung lag immer rund um den Aegi“, betont Krall junior.

Neben der Buchhandlung Cruse, die seit 200 Jahren besteht, gibt es in Hannover eine Reihe weiterer Buchgeschäfte, die inhabergeführt sind. 

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Auszeichnungen für Oma Lieselotte

Walter Krall starb früh im Jahr 1959, seine Frau Lieselotte übernahm bis zum Jahr 2004 das Geschäft, das mittlerweile an die Hildesheimer Straße 73 und 75 gezogen war. „Meine Großmutter hatte keine Ausbildung, aber Charme und Selbstbewusstsein“, sagt der Enkel. Die Handelskammer habe sie mehrfach ausgezeichnet und sogar ausbilden lassen. „Eine tolle Leistung in dieser Zeit, in der Buchhandel und Verlagswesen reine Männerdomänen waren“, betont der 37-Jährige.

Sein Vater Michael übernahm das Geschäft nach dem Tod der Oma, gleichzeitig wechselte Peer-Philipp vom Maklerbüro in den Familienbetrieb, den er seit drei Jahren nun in dritter Generation führt. Seine Frau Michaela, eine Grundschullehrerin, ist zuständig für den jugendlichen Ableger von Cruses Buchhandlung auf der anderen Straßenseite, den es seit 1973 gibt.
Eine Generation vier gibt es auch bereits – allerdings noch ohne Berufswunsch.

Cruses Buchhandlung feiert am Donnerstag in der Zeit von 10 bis 18 Uhr das Jubiläum mit Leserabe, Grüffelo, Tombola, Märchenerzähler und vielen Überraschungen.     

„Der Buchhandel
vor Ort ist ein
kreativer Motor“

Nachgefragt bei Carola Markwa, Geschäftsführerin des Börsenvereins Norddeutschland.

Frau Markwa, sind inhabergeführte Buchhandlungen vom Aussterben bedroht?
Dazu ein klares und deutliches Nein. Der stationäre Buchhandel hat in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen und wird an vielen Standorten als kreativer Motor für den Einzelhandel und von den Kunden als kultureller Leuchtturm wahrgenommen.

Was muss ein Buchhändler heute leisten, um im Markt zu bestehen?
Erfolgreiche Buchhändler sind aktiv, kreativ und bieten den Kunden ein großes Leistungsspektrum an – von der Sortimentsauswahl angepasst auf die örtliche Zielgruppe über Aktionen und Veranstaltungen bis zur Erreichbarkeit über die eigene Homepage, häufig hinterlegt mit einem umfangreichen Buchkatalog. Außerdem engagieren sie sich in der Leseförderung, bieten Services für Schulen, Bibliotheken und institutionelle Kunden. Es wird einfach ein sehr großes Leistungsangebot zur Verfügung gestellt.

Wie sehen die Chancen zukünftig aus? Was kann ein Händler, was Amazon nicht kann?
Auch in Zukunft kann der Buchhändler vor Ort direkt auf die Kundenwünsche und Bedürfnisse eingehen. Seine Beratungsleistung, die persönlich auf die Kunden zugeschnitten ist, lässt sich nicht mit Algorithmen eines EDV-Systems vergleichen. Außerdem bieten die örtlichen Händler zum Beispiel Praktikumsplätze, stellen Ausbildungsplätze zur Verfügung und zahlen vor Ort Steuern. Auch das sollte nicht vergessen werden!

Lehmanns in der Innenstadt musste dennoch aufgeben ...
Die Buchhandlung Lehmanns hatte eine mit über 3500 Quadratmetern überdimensionierte Verkaufsfläche, die sich auf Dauer leider trotz aller Anstrengungen und eines sehr kompetenten Teams nicht wirtschaftlich betreiben ließ.

Unabhängige Buchhändler haben sich 2012 unter dem Motto „Buy local“ zusammengetan, um „regionales Einkaufen“ zu stärken. Hat das etwas gebracht?
Ja , die Initiative „Buy local“ gewinnt immer mehr an Bedeutung. Der Einkauf vor Ort, eine funktionierende Innenstadt, die ein attraktives Angebot für die Kunden anbietet – dieses Bewusstsein hat sich verändert und der Gedanke von „Buy local“ setzt sich immer stärker durch.

Interview: Martina Sulner     

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