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Drogenvorwürfe und Spendenmissbrauch

DRK wusste schon lange Bescheid


Mitarbeiter des Regionsverbandes Hannover des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) haben die Vorwürfe des Drogenhandels und des Spendenmissbrauchs in der Lindener Essensausgabe offenbar schon seit mehr als einem Jahr gekannt.
Drogenhandel und Spendenmissbrauch: Seit dem 1. August ist die Essensausgabe in der Rampenstraße geschlossen.

Drogenhandel und Spendenmissbrauch: Seit dem 1. August ist die Essensausgabe in der Rampenstraße geschlossen.

© Steiner

Hannover. Unternommen wurde aber monatelang nichts. Nach HAZ-Recherchen hatten sich schon im vergangenen Jahr mehrmals Mitarbeiter der DRK-Suppenküche Rampenstraße (Linden) in der Geschäftsstelle des Verbandes über die haltlosen Zustände beschwert. Erst zum 1. August 2011 aber zog der Regionsverband dann die Konsequenzen und schloss die Essensausgabe.

Auf die Frage nach Gründen für die Schließung hielt sich DRK-Regionsvorstand Thomas Dettmer am Donnerstag zurück. „Wie die Leute dort aufgestellt waren, konnten sie das nicht mehr führen“, sagt er. Immer mehr ehemalige Mitarbeiter haben inzwischen der HAZ bestätigt, dass der frühere zweite Vorsitzende des DRK-Ortsvereinsvorstandes, Bernd K., in der Suppenküche einen schwunghaften Mitglied mit Kokain betrieben haben soll. Die Drogen sollen von einigen Abhängigen auf dem Gelände der Suppenküche auch konsumiert worden sein. Bernd K. wird von früheren Mitarbeitern der Essensausgabe auch vorgeworfen, als Spenden gedachtes Geld in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Nach Angaben eines in der Landeshauptstadt bekannten Mitglieds der Hilfsorganisation soll es sich dabei mindestens um eine fünfstellige Summe handeln. DRK-Regionsvorstand Dettmer sei schon vor einigen Monaten darauf hingewiesen worden. Wie hoch die unterschlagene Summe ist, konnte Dettmer nicht sagen.

Inzwischen hat sich die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, wie Sprecherin Irene Silinger bestätigt. Es werde geprüft, gegen wen ein mögliches Ermittlungsverfahren eingeleitet werden könne. Das DRK selbst wolle die Ermittlungsbehörden selbst nicht einschalten, sagte Dettmer. „Die Erkenntnislage ist zu dünn.“ Der Verband wolle aber die Angelegenheit in Zusammenarbeit mit dem Ortsverein aufklären. Konkrete Angaben konnte er nicht machen.

„Wir wissen schon lange, dass beim DRK vieles im Argen liegt“, sagt ein führendes Mitglied. Zum Beispiel stört die Ehrenamtlichen, dass sie bis heute keine offizielle Information zu den Vorgängen im Ortsverein Hannover-West gehört haben. Immer wieder gäben führende Köpfe ihre Arbeit auf, weil die Zusammenarbeit mit dem Regionsverband schlecht sei – wie vor Kurzem der Vorsitzende des Ortsvereins Hannover-Süd.

Unwidersprochen ist bisher der Vorwurf des vor zwei Monaten gewählten Vorsitzenden des Ortsvereins West, Wilfried Lindwedel, dass seine Wahl nicht mit rechten Dingen abgelaufen sei. Es hätten sich Männer und Frauen beteiligt, die nicht dem DRK oder dem Ortsverein angehörten. Aus dem Regionsverband heißt es, Beteiligte der Wahl seien vor der Versammlung ins DRK ein- und anschließend wieder ausgetreten.

Unregelmäßigkeiten soll es im DRK auch beim Aufstellen der Delegierten für den Seniorenbeirat der Landeshauptstadt gegeben haben. 20 Männer und Frauen hätten wählen dürfen, 22 Stimmzettel waren aber ausgefüllt. Nach Augenzeugenberichten wurde die Wahl jedoch nicht wiederholt, es seien einfach zwei Stimmzettel aus dem Stapel herausgezogen und vernichtet worden.

Unterdessen hat Ortsvereinschef Lindwedel angekündigt, bald in der Rampenstraße wieder Essen für Bedürftige anzubieten. „Es gibt im Stadtteil Menschen, die unsere Hilfe brauchen, wir haben die Möglichkeit, etwas zu machen, und das werden wir auch tun“, sagte er im Anschluss an ein Gespräch mit Regionschef Dettmer. Dieser hat allerdings eine ganz andere Position. Eine Lebensmittelausgabe in der Rampenstraße werde es nicht mehr geben, sagte er der HAZ.

Mathias Klein

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