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Dachdecker baut VW-Bulli zu Elektroauto um

Aus Überzeugung Dachdecker baut VW-Bulli zu Elektroauto um

Dachdecker Jörg Ewald aus Ricklingen hat einen alten VW-T4 zum Elektrotransporter umrüsten lassen – aus Überzeugung. Wenn die Industrie beim Entwickeln umweltschonender Angebote zu träge sei, müsse der Kunde selbst handeln, sagt er.

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Geschafft: Dachdeckermeister Jörg Ewald (re.) und Andreas Schädler von E-Cap am umgerüsteten VW-Pritschenwagen.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Nur das leise Sirren der Reifen auf dem Pflaster ist zu hören. Der grüne VW-Bulli von Jörg Ewald, der ab Werk einen Dieselmotor hatte, bleibt stumm. Und dennoch fährt der Transporter. Ziemlich rasant sogar. Dank Elektroantrieb.

Während VW noch an der Serienreife von elektrifizierten Handwerkerautos arbeitet, hat der hannoversche Dachdecker Ewald auf umweltfreundlichen E-Antrieb umgerüstet. Sein sechs Transporter großer Fuhrpark umfasst nun einen ganz besonderen T4-Pritschenwagen: Wo bislang die Rückbank war, ist jetzt ein Batteriekoloss installiert. Der Auspuff ist abmontiert. Die rote Umweltplakette, die dem Wagen bisher die Einfahrt in die Umweltzone verbietet, kann er in Kürze abkratzen: Sein Bulli, Baujahr 2002, bekommt ein E-Kennzeichen.

Dachdecker Jörg Ewald aus Ricklingen hat einen alten VW-T4 zum Elektrotransporter umrüsten lassen.

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Ewald musste den Wagen aber nicht wegen der Umweltzone umrüsten lassen: Handwerker können sich Sondergenehmigungen ausstellen lassen, um mit alten Dieselwagen in die Stadt fahren zu dürfen. Er ist, wie eigentlich alle Elektro-Enthusiasten, ein Überzeugungstäter. „Ich will mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, dass es funktioniert“, sagt der 54-Jährige. „Der VW-Transporter ist das beste Handwerkerfahrzeug auf dem Markt. Aber wenn die Industrie zu träge ist, um uns passende Angebote zu machen, dann müssen wir Kunden eben selbst Lösungen suchen.“

Gefunden hat er die Lösung bei E-Cap, einem zwei Jahre alten Firmenverbund, dessen norddeutscher Sitz in Winsen bei Hambur g ist. Das Unternehmen rüstet vor allem Classic-Cars um, aber zunehmend auch Gebrauchsfahrzeuge. Ein VW-Crafter war schon dabei, zehn VW-Käfer verschiedener Baujahre, aber zum Beispiel auch ein Delorean, bekannt aus dem Film „Zurück in die Zukunft“ - ein Umbau mit Symbolcharakter.

Das Prinzip klingt ganz einfach. „Wir haben den 50-kW-Dieselmotor ausgebaut und mit einer extra angefertigten Flansch einen handelsüblichen 70-kW-Elektromotor an das Getriebe montiert“, sagt E-Cap-Mitarbeiter Andreas Schädler. Im Motorraum ist plötzlich richtig viel Platz frei. Der wird allerdings auch benötigt, für das große Steuerelement zum Beispiel und für Elektropumpen, die nötige Zusatzaggregate wie den Bremskraftverstärker ersetzen, deren Hydraulik sonst vom Verbrennungsmotor getrieben wird.

Aber macht es wirklich Sinn, einem 15 Jahre alten T4 einen innovativen Antrieb einzubauen? 32 000 Euro hat die Umrüstung gekostet. Der Fahrzeugkarosse sieht man ihr Alter an, die Baustelleneinsätze haben Spuren hinterlassen, überall sind Rost und Beulen. Dachdecker Ewald rechnet vor: „Der Wagen fährt im Jahr nur 8000 Kilometer, zehn Jahre hält er noch gut durch.“ Im Übrigen spare er zehn Jahre lang Kfz-Steuer und die ständigen Wege der Mitarbeiter zur Tankstelle, zudem Wartungs- und Verschleißkosten etwa für Ölwechsel. „Und wir haben ein echtes Upcycling-Projekt geschaffen“, sagt Ewald. Das Wedemärker Unternehmen Beneke verpasst dem Fahrzeug derzeit mit Werbefolien eine neue Optik, in Kürze soll der Wagen startklar sein.

Jörg Ewald, der den Dachdeckerbetrieb Heinz Ewald in dritter Generation führt, hat das 20 Mitarbeiter starke Unternehmen ohnehin neu ausgerichtet. Er hat sich auf Gründächer spezialisiert und montiert Solaranlagen, der E-Bulli wird mit einer eigenen Photovoltaik­anlage vom Firmendach geladen. Das klappt auch schon mit zwei Eco-Carriern der Wunstorfer Firma Eco-Craft, die eine Zeit lang sehr schlichte Transportfahrzeuge gebaut hat, aber vom Markt verschwunden ist. „Der E-Caddy ist für viele Handwerker zu klein, und die wenigen Angebote anderer Hersteller sind unrentabel oder in der Probephase“, sagt Ewald. Er freut sich auf den Praxistest mit dem T4. Die ersten Probefahrten hat er gut überstanden.

Nicht ohne TÜV-Abnahme

Die Umrüstung eines Fahrzeugs auf Elektroantrieb erfordert eine Umschreibung der Papiere, die vom TÜV genehmigt werden muss. „Das ist aber fast Routine“, sagt Andreas Schädler von E-Cap aus Winsen. „Wir haben ja bereits Erfahrung und wissen, wie es geht.“ 60 Fahrzeuge hat der Firmenverbund, der auch Standorte bei Stuttgart und in Bayern hat, umgerüstet. Vom Porsche bis zum historischen Kadett, vom Großraumtransporter bis zum Käfer ist fast alles dabei.

Beim T4 von Dachdecker Ewald wird das Getriebe weitergenutzt, das ist aber technisch eigentlich nicht nötig, E-Motoren lassen sich getriebefrei fahren. Im Grundsatz gilt: Je unkomplizierter die Fahrzeugtechnik, desto einfacher der Umbau. Bei VW-Fahrzeugen mit modernem DSG-Getriebe etwa lasse sich der Verbrennungsmotor nur schwer ersetzen, sagt Schädler: „Das Getriebe fragt in einer Millisekunde bis zu 80 Parameter des Motors ab, man müsste viel Programmieraufwand betreiben, um so ein System umzurüsten.“
Wer kein eigenes Solardach hat, findet in Hannover trotzdem viele Ladestellen. 41 Standorte mit 162 Anschlussmöglichkeiten gebe es derzeit, sagt Raimund Nowak von der Metropolregion. Alle sind betrieben mit Ökostrom, 56 bieten Schnelllademöglichkeit. Das Netz sei überdurchschnittlich gut ausgebaut.     

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