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Kinder-Uni

Daddeln für die Wissenschaft

Von Juliane Kaune

Computerspielen macht fast jedem Kind und Jugendlichen Spaß. Aber warum? Die „Kinder-Uni“ gab spannende Antworten.
„Ich fühle mich sehr gut“: Der zwölfjährige Aman mit Prof. Christoph Klimmt.

„Ich fühle mich sehr gut“: Der zwölfjährige Aman mit Prof. Christoph Klimmt.

© Poblete

Hannover. Ziemlich langweilig stellt Aman es sich vor, ein Wissenschaftler zu sein. Den ganzen Tag im Labor stehen und darauf warten, dass irgend etwas passiert – das wäre kein Job für den Zwölfjährigen. Seit Dienstag hat er seine Meinung geändert. Aman ist überzeugt, dass Wissenschaft richtig Spaß machen kann. Diesen Geisteswandel verdankt er Christoph Klimmt. Denn der Professor der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH) hat das getan, was Amans Eltern nie einfallen würde: Er hat ihn gebeten, ein Computerspiel zu spielen.

Aman und rund 250 andere Jungen und Mädchen sind in den Konzertsaal der Musikhochschule gekommen, um Klimmts Vorlesung der „Kinder-Uni“ zu lauschen. Der Kommunikationswissenschaftler hat ein Thema ausgewählt, für das seine jungen Zuhörer längst Experten sind und, quasi im Selbstversuch, nahezu täglich empirische Erfahrungen sammeln. Dass Computerspiele Spaß machen, ist die wenig überraschende Ausgangsthese. Aber auch warum das so ist, kann der Professor erklären.

Bevor er das Geheimnis lüftet, bittet er seine kleinen Assistentinnen und Assistenten um Mithilfe. „Wissenschaft“, sagt Klimmt, „beginnt mit Nachdenken.“ Und nachdenken können schließlich alle. Den Hilfswissenschaftlern fällt denn auch eine ganze Menge dazu ein, warum es so nett ist, am Computer zu sitzen und zu daddeln. „Weil es spannend ist“, ruft ein Junge in den Saal. „Weil man sich selber Ziele setzen kann“, kommt es aus einer anderen Ecke. „Weil man dabei belohnt wird.“ Die Juniorstudenten schnattern munter durcheinander. Ein Mädchen schließlich erklärt fast etwas zu ernsthaft: „Man kann sich in eine Phantasiewelt begeben.“

Klimmt ist beeindruckt. „Das ist schon ein Großteil dessen, was wir in unseren dicken Büchern aufschreiben“, sagt er. Nur die Theorie reicht aber nicht. Ein echter Wissenschaftler macht immer auch den Praxistext. Die Versuchsanordnung in der Musikhochschule besteht aus einem Laptop, einem Plastiklenkrad und einer Videowand. Dann schlägt Amans große Stunde: Er darf ans Steuer des virtuellen Wagens, der durch die Monitorlandschaft des Computerspiels „Super Mario Kart“ düst. Nach der aufregenden Hindernisfahrt, während der das Auditorium auf der Großbildwand Amans Minenspiel beobachten kann, belegt er den zweiten von sechs möglichen Plätzen. Er strahlt über das ganze Gesicht. „Ich fühle mich sehr gut“, antwortet er auf die Frage des Professors. „Das hat ganz viel Spaß gemacht.“

Aus Sicht von Klimmt hat der zwölfjährige Proband genau das bewiesen, was zu beweisen war: Er hat die spielerische Herausforderung des Computers angenommen, und weil es für ihn dabei so gut gelaufen ist, hat er sich bestens amüsiert. Klingt logisch, klingt einfach. Doch ganz so simpel ist die Forschung natürlich nicht. „In unseren Studien befragen und beobachten wir viele verschiedene Leute – und längst nicht immer stimmen unsere Annahmen mit ihren Reaktionen überein“, gibt der Professor zu.

Aman will den Versuch im Kinderzimmer fortsetzen. Er spielt am Computer zu Hause am liebsten die Spiele aus der FIFA-Fußballserie. Da kann er als „Trainer“ die virtuellen Profis von Hannover 96 über den Platz laufen lassen. Und nun kann er seinen Eltern erklären, dass er damit auch ein kleines bisschen dem Fortschritt der Wissenschaft dient.

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