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Aus der Stadt Daniel Gardemin will die Grünen führen
Hannover Aus der Stadt Daniel Gardemin will die Grünen führen
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00:17 18.04.2016
Von Gunnar Menkens
Der Lindener Daniel Gardemin. Quelle: Schaarschmidt
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Hannover

Einen besseren Satz kann kaum finden, wer in Hannover Vorsitzender einer Partei werden möchte. „Ich bin nie aus dieser Stadt herausgekommen“, erzählt Daniel Gardemin, „und das sage ich mit einem gewissen Stolz.“ Seinen geografischen Beharrungswillen unterlegt Gardemin noch mit ironischem Unterton, der Nachsatz macht daraus ein Bekenntnis zum Lokalpatriotismus. Hannover, das ist für den Lindener auch „eine unentdeckte Perle“. Am Dienstag stellt er sich der Mitgliederversammlung der hannoverschen Grünen, die traditionell von einer Doppelspitze geführt werden. Gisela Witte, ein Teil der Doppelspitze, will weitermachen, Tobias Leverenz, der andere, hatte sich nicht erneut zur Wahl gestellt, andere Kandidaten sind nicht bekannt, es sieht gut aus für Gardemin.

Der politische Lebenslauf, der Daniel Gardemin, 48, dorthin führte, ähnelt vielen Menschen seiner Generation. Aufgewachsen in einer Familie mit starken Neigungen zur SPD, interessierte er sich früh für Politik. Gardemin ging auf Demonstrationen gegen Atomkraftwerke und Aufrüstung, promovierte später im Fach Politikwissenschaft. Seine Sympathie galt früh den Grünen, weil er bei Sozialdemokraten das Soziale vermisste. Doch erst vor sechs Jahren füllte Gardemin einen Mitgliedsantrag bei der Partei aus, die er jetzt in den Wahlkampf führen möchte. Eine anspruchsvolle Aufgabe: Vor fünf Jahren wählte jeder Fünfte in Hannover grün, so viele wie nie. Die Zeit dafür muss er abknappsen bei Lebensgefährtin, drei Kindern und der Patenschaft für einen Flüchtling. Den Beruf gibt es ja auch noch. Gardemin ist Lehrbeauftragter an der Leibniz-Universität, und er erstellt Forschungsarbeiten, aktuell für das Bundesbauministerium; es sucht nach Erkenntnissen über soziale Vielfalt in Städten.

Da verbinden sich private und berufliche Neigungen. Als Wissenschaftler interessieren Gardemin große Zusammenhänge, als Einwohner Lindens begeistert er sich zunehmend für Politik auf Bordsteinhöhe. Ihm ist wichtig, dass Leute vor Ort nicht von Entscheidungen eines Apparates überfahren werden. „Wie kann man durch Verständigung Menschen zusammenbringen, das ist der solidarische Ansatz in der Politik.“

Er sagt das nicht so dahin, weil Grüne ohne Lob der Bürgerbeteiligung praktisch nicht denkbar sind. Der Kandidat scheut das Kleinteilige auch in der Praxis nicht. Gardemin hat einmal eine Anhörung in Linden-Nord organisiert, als die Verwaltung eine Straße aufpflastern wollte. Ohne Anwohner zu informieren, wie Bürokraten es manchmal tun. 70 Leute erschienen, man sammelte Ideen, und tatsächlich kam aus dem Rathaus ein neuer Vorschlag. Seine Kinder schickte er mit einer Umfrage auf die Straße. Die Fragestellung: Sind die Leute für oder gegen mehr Beleuchtung auf dem kleinen Park am Faustgelände? „Da hatte ich in einer Stunde 50 Meinungen“, was auch den Sozialwissenschaftler in ihm freute.

"Die soziale Vielfalt muss erhalten bleiben"

Vorher reden, Fehler rechtzeitig vermeiden, Bürger mitnehmen, das ist Daniel Gardemins Idee von Stadtpolitik. Er würde Runde Tische und ähnliche Formen auch bei bedeutsamen Projekten der Stadtentwicklung einsetzen oder Vorhaben, die eine gewisse finanzielle Größe überschreiten. Genug zu tun gibt es, Gardemin sieht Hannover im Umbruch zu einer wachsenden Stadt. Der Politikwissenschaftler glaubt, dass das noch nicht alle verstanden haben im Rathaus. Es gehe deshalb darum, deutlich mehr Belegrechtswohnungen zu schaffen. „Sonst werden diejenigen, die sich Mieten nicht mehr leisten können, aus der Stadt vertrieben. Die soziale Vielfalt muss aber erhalten bleiben, sonst spaltet sich die Gesellschaft.“

Ein grüner Stadtchef muss auch grüne Pläne haben. Gardemin, selbst Car-Sharer und Radfahrer, wünscht sich einen öffentlichen Nahverkehr, der Randbereiche der Stadt besser anbindet. Autofahrer sollen sich Straßen teilen, mit schnellen Elektrobikes etwa. Gardemin hat sich eingearbeitet ins Thema, die Radwegebenutzungspflicht, „ein schlimmes Wort“, er würde sie abschaffen.

Wenn die Mitglieder Gardemin wählen sollten, dann bekommen sie einen Vorsitzenden, der auf Ausgleich bedacht ist statt auf Konfrontation. Scharfe Worte sind nicht sein Tonfall. Spricht er von seinen Plänen, tut er das ruhig und mit sparsamer Gestik. Was er sagt, ist oft mit Zahlen belegt und einer profunden Kenntnis der Stadt und ihrer Geschichte. Die Grünen hätten zudem einen Mann, der Wahlanalysen aus erster Hand liefern kann. Lange tat er dies im Auftrag der Stadt. Doch kühle Analysen und ein Herz für die Grünen passen nicht zusammen. „Das habe ich dann irgendwann gemerkt.“

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