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Darf Toby im Haus bleiben?

Skurriler Mietstreit in Hannover Darf Toby im Haus bleiben?

Pfotenspuren auf der Treppe eines Mehrfamilienhauses beschäftigen momentan das Amtsgericht Hannover. Ein Richter begutachtete am Mittwoch die Spuren vor Ort. Hund Toby, der sie verursacht haben soll, war bei dem Termin auch dabei.

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Hat Hund Toby die Kratzspuren im Treppenhaus verursacht? Dieser Frage sollte am Mittwoch bei einem Ortstermin des Amtsgerichts Hannover nachgegangen werden.

Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Hannover. Eigentlich war Hund Toby zum Ortstermin des Amtsgerichts Hannover gar nicht geladen. Doch dann erscheint der schwarz-braune Mischling plötzlich mit seiner Besitzerin und deren Lebensgefährten vor dem gepflegten Altbau im Stadtteil List. Journalisten und Kamerateams drängen sich auf dem Bürgersteig um Richter Marcus Hettig, der schon seit rund einem Jahr mit dem Rechtsstreit um den zotteligen Rüden befasst ist und zu diesem Ortstermin geladen hat.

Mit Pfotenspuren auf der Treppe eines Mehrfamilienhauses beschäftigt sich das Amtsgericht Hannover. Es geht um die Frage, ob ein Mieter einen Hund halten darf oder nicht. Beim Ortstermin im Wohnhaus war auch Hund Toby dabei.

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Es geht um die Frage, ob Toby im Haus bleiben darf oder nicht. Seine Besitzerin hatte ihn im Herbst 2014 angeschafft, ohne vorher die Erlaubnis des Vermieters einzuholen. Sie klagt auf Zulassung des Hundes in ihrer Mietwohnung im zweiten Stock und bringt vor, dass sich seit dem Zusammenleben mit dem Hund ihre gesundheitlichen Probleme gebessert hätten. Dagegen argumentiert die beklagte Eigentümergemeinschaft, dass sich die Bewohner durch den Hund gestört fühlten. Toby belle und werde unangeleint im Treppenhaus geführt. Er verschmutze den Hausflur und zerkratze die Treppenstufen.

Mieter haben keine Probleme mit Toby

Vor den Journalisten wollen beide Parteien nichts sagen. Richter Hettig eröffnet die Verhandlung zwischen akkurat geschnittenen Büschen im Vorgarten des Mehrfamilienhauses. Im Beet soll Toby auch schon Spuren hinterlassen haben, nachdem gerade geharkt worden war. Darüber hatte sich der Hausverwalter als Zeuge an einem früheren Verhandlungstag beschwert. Drei andere Mieter bezeugten damals dagegen, dass der Hund nur selten belle und sie nicht störe. Beim Ortstermin präsentiert sich Toby von seiner besten Seite: Er bellt nicht und lässt sich sogar streicheln.

Mit ins Treppenhaus dürfen die Medien nicht: Das Hausrecht steht über dem Recht der öffentlichen Verhandlung. Richter Hettig zeigt aber Fotos von Kratzspuren im Linoleumboden, bevor er sich persönlich von ihnen ein Bild macht. Nach der etwa 15-minütigen Besichtigung des Treppenhauses berichtigt er von "mehreren kleinen, dünnen Kratzern" und "größeren, schwarzen Kratzern mit Einkerbungen". Je weiter man nach oben gehe, desto weniger Kratzer gebe es, erläutert der Richter. Dennoch habe er auch oberhalb von Tobys Wohnung schwarze Kratzer entdeckt. Könnten die Kratzer also auch von Schuhen mit schwarzen Sohlen oder hohen Absätzen stammen? Ist vielleicht Toby gar nicht an allem schuld? 

Amtsrichter muss Einzelfall bewerten

"Insgesamt hat das Treppenhaus einen sehr gepflegten Eindruck gemacht", ergänzt der Sprecher des Amtsgerichts, Jens Buck. Es sieht ganz gut aus für Toby, meinen Prozessbeobachter. Richter Hettig will nun überlegen, ob er noch einen Sachverständigen hinzuzieht. Der zum Ortstermin geladene Gutachter hatte kurzfristig absagen müssen. "Ich werde jetzt eine Interessenabwägung vornehmen", kündigt Hettig an.

Ein Urteil des Bundesgerichtshofes hatte 2013 die Rechte von Tierbesitzern gestärkt. Demnach darf die Haltung von Hunden, Katzen und Co. nicht mehr generell vom Vermieter verboten werden, sondern es muss der Einzelfall geprüft werden. 

Seit dem Sommer 2015 wird vor dem Amtsgericht in dem  Rechtsstreit zwischen den zwei Mietern und ihrem Vermieter verhandelt. Insgesamt sollen sieben Zeugen aussagen. Für den 28. April ist die Urteilsverkündung geplant.

dpa

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