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Stadt blockiert Trampolinhalle seit einem Jahr

Superfly in Vahrenwald Stadt blockiert Trampolinhalle seit einem Jahr

Eigentlich ist das Unternehmen Superfly startklar für den Ausbau einer Trampolinhalle an der Vahrenwalder Straße. Was fehlt, die die Baugenehmigung der Stadt. Seit einem Jahr warten die Betreiber vergeblich darauf. Nun ist der zuständige Sachbearbeiter vier Wochen im Urlaub.

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Nichts ist mit „Ready for take off“: Die Betreiber der Halle warten seit exakt einem Jahr auf Genehmigungen.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Unternehmer Ulrich Korittki ist erstaunlich gefasst. „Ich verstehe ja, dass es in der Bauverwaltung Personalmangel gibt und dass der Flüchtlingsheimbau viele Kapazitäten gebunden hat“, sagt er. Aber die Sache mit der Trampolinhalle weite sich doch allmählich zum Ärgernis aus. Seit einem Jahr steht der Betreiber Superfly bereit, will eine große Halle von Korittki an der Vahrenwalder Straße nutzen - aber es fehlt die Genehmigung der Stadt. Eine derart lange Wartezeit ist rechtlich nur über Winkelzüge möglich, aber die Stadt hat es geschafft. Kurios: In Dortmund ist vergangene Woche vom gleichen Anbieter eine der größten Trampolinhallen Europas eröffnet worden, die bei der dortigen Kommune erst Monate später beantragt worden war.

Bei Eventhallen schaut die Stadt sehr genau hin

Seit dem tödlichen Unfall in der Campo-Arena, bei dem 2007 ein Elfjähriger im Hochseilgarten der inzwischen geschlossenen Einrichtung starb, legt Hannover besonders hohe Maßstäbe an, was Betriebs- und Sicherheitskonzepte in Eventhallen betrifft. Zu spüren bekam das nicht nur der Deutsche Alpenverein, der in Döhren derzeit die erste rein kommerzielle Kletterhalle der Stadt errichtet und dafür lange Prüfzeiten in Kauf nehmen musste. Dort ist jetzt immerhin das Richtfest gefeiert worden. Juristische Schritte gegen die Stadt erwägen hingegen jetzt die Betreiber der „Kletterbar“. Sie haben im Mai 2015 eine Kletterhalle in Offenbach eröffnet und wollen dies auch im hannoverschen Stadtteil Brink-Hafen tun. „Vor anderthalb Jahren haben wir einen Bauantrag gestellt und noch immer keine Genehmigung“, sagt Unternehmer Christoph Staehle. „Wir legen extrem viel Wert auf die Sicherheit derer, die bei uns klettern wollen, aber Hannover verlangt Sicherheitskonzepte, die in keiner anderen Stadt in Deutschland üblich sind.“ Sein Mitgeschäftsführer Lutz Karpowitz war am Mittwoch zum Gespräch bei Oberbürgermeister Stefan Schostok – über ein Ergebnis ist noch nichts bekannt. Auch die Trampolinhalle von Superfly ist keine reine Sporthalle. Es handele sich um eine Art Indoor-Freizeitpark, aber mit dem Schwerpunkt Trampolin, sagt die hannoversche Betriebsleiterin Johanna König, die zuvor bei Aspria am Maschsee gearbeitet hat. Ein Kletter-Boulder-Parcours, Springgruben und Slacklines gehören zum Angebot, dazu Café und Versammlungsräume. Derartige Parks werden für Kindergeburtstage und Betriebsfeiern genutzt, in diesem Fall lässt sich dank langer Trampolinstrecken dort auch Leistungssport absolvieren. Wenn die Halle denn eröffnen darf.

Am 26. Oktober 2015 hatte Korittki den Bauantrag geschrieben, seine leere Halle an der Vahrenwalder Straße für den Anbieter Superfly zur Trampolin-Eventhalle umnutzen zu dürfen. Behörden haben gesetzlich drei Monate Zeit, auf solche Anträge zu reagieren. „Aber immer kommt wenige Tage vor Ablauf dieser Frist ein Schreiben mit der Anforderung für neue Dokumente, von denen vorher keine Rede war - weitere statische Berechnungen, neue Brandschutzgutachten, jetzt sogar ein Verkehrsgutachten für die Vahrenwalder Straße.“ In dieser Woche reichte es ihm: Als er das Verkehrsgutachten in die Bauverwaltung schickte, kam eine automatische Antwort: Der Mitarbeiter ist jetzt erst mal für vier Wochen im Urlaub.

Ungewöhnlich harte Sicherheitsauflagen in Hannover

Stadtsprecher Alexis Demos will „aus datenschutzrechtlichen Gründen“ keine Stellungnahme zu der langen Wartezeit abgeben: Nur Superfly könne etwas über das Verfahren sagen. Dort hatte man auf Anfrage der HAZ schon im Mai über „ungewöhnlich harte Sicherheitsauflagen in Hannover“ gestaunt. Bundesweit seien „Wartezeiten von mehr als einem halben Jahr mittlerweile die Regel“, hatte Deutschland-Geschäftsführer Christian Tropp damals geklagt. „Im europäischen Vergleich wird es Investoren am Standort Deutschland derzeit nicht leicht gemacht, Arbeitsplätze zu schaffen und Steuereinnahmen zu generieren.“ Das gilt allerdings nicht überall: Ausgerechnet in Duisburg, wo seit der Loveparade-Katastrophe von 2010 besonders viel Wert auf Sicherheit bei Freizeitprojekten gelegt wird, hatte die Genehmigung nur drei Monate gedauert. Inzwischen haben Trampolinhallen verschiedener Anbieter in eigentlich allen deutschen Großstädten eröffnet - nur in Hannover dauert es derart lange.

Facebook-Fans verärgert

Mehr als 33 000 Interessierte zählt die Facebook-Seite von Superfly Hannover. Auch dort ärgern sich viele Kommentatoren darüber, dass die vor Monaten angekündigte Trampolinhalle noch immer nicht eröffnet ist. „Viele warten auf eine positive Nachricht zur Eröffnung“, schrieb etwa HAZ-Leserin Patricia Wetzel Mitte Oktober an die Redaktion. Doch es passiert: nichts.

Sachbearbeiter stellt Forderungen

Dabei wäre die Genehmigung aus Sicht von Bauherr Ulrich Korittki, der das Grundstück zusammen mit seinem Sohn Lars neu nutzen will, rechtlich eigentlich kein Problem. In der zwölf Meter hohen Halle waren früher Rinderviertel gelagert worden. „Statisch gibt es keine Probleme, dort Trampoline aufzustellen“, sagt er. Dass ein Brandschutzgutachten eingefordert wurde, finde er selbstverständlich. Was ihn hingegen erstaune: Zwar würden alle Anforderungen der Gutachterin umgesetzt, jetzt aber fordere die Stadt zusätzlich den Einbau von Brandmeldeanlagen unter den Trampolinen. Korittki wundert sich: „Davon ist im erstellten Brandschutzgutachten keine Rede, nach unserer Kenntnis fordert das auch die Feuerwehr nicht, an anderen Superfly-Standorten gibt es sowas ebenfalls nicht - aber darauf angesprochen sagt der Sachbearbeiter lapidar, er halte das eben für nötig.“ Ähnlich verhalte es sich mit den Trampolinen selbst. Alle Geräte hätten Sachverständigen-Zertifikate, die die Stabilität und Sicherheit bescheinigen - aber der städtische Sachbearbeiter habe gefordert, dass der TüV die Geräte zusätzlich begutachte. „Jedes Mal kostet es extra Zeit - und wir warten auf die Genehmigung“, sagt Korittki.

"Das ist wirklich nicht nachvollziehbar"

Die Stadt hat die Bearbeitung verkompliziert, indem sie den Bauantrag für die Trampolinhalle zusammengefasst hat mit Baugenehmigungen für zwei Nachbargrundstücke. Auf einem war früher das Renault-Haus untergebracht, dort will ein Fahrzeugaufbereiter einziehen. Und auf der Freifläche nördlich davon will Korittki ein kleines Fachmarktzentrum mit Drogerie, Tierfuttermarkt und ähnlichen Angeboten errichten. Weil daneben derzeit ein Küchenstudio gebaut wird, fand die Stadt das Verkehrsgutachten nötig. „Wir haben volles Verständnis, dass die Stadt Baugenehmigungen korrekt bearbeitet“, sagt Korittki, „aber ein Jahr Wartezeit für die Umnutzung einer Halle mit ständigen Nachforderungen - das ist wirklich nicht nachvollziehbar.“

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