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„Das Krankenhaus wird zum Gesundheitsrisiko“

Verdi über Hannovers Kliniken „Das Krankenhaus wird zum Gesundheitsrisiko“

Die Gewerkschaft Verdi beklagt dramatische Zustände in Hannovers Kliniken. Gemeinsam haben die Betriebsräte der hannoverschen Kliniken eine Petition an den Bund aufgesetzt und Mindeststandards bei der Zahl des Personals gefordert. Der Personalmangel in der Pflege führe zu einem „Dauernotstand“, heißt es.

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„Viele Dienstpläne können nur noch mit Leiharbeit aufrechterhalten werden“: Die Arbeitsbedingungen auf vielen hannoverschen Stationen sind laut Verdi schlecht.

Quelle: Hauke-Christian Dittrich

Hannover. Der Personalmangel im Pflegebereich führt laut Gewerkschaft Verdi in hannoverschen Krankenhäusern zu dramatischen Zuständen. „In den Krankenhäusern herrscht Dauernotstand“, sagt der zuständige Verdi-Sekretär Thilo Jahn. Die Pflegekräfte seien völlig überlastet, oft arbeite nur noch eine Notbesetzung.Das habe erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Patienten, berichten Personalrats- und Betriebsratsmitglieder hannoverscher Krankenhäuser. Gemeinsam fordern sie in einer Petition an den Bund dazu auf, eine Mindestanzahl beim Pflegepersonal in den Krankenhäusern gesetzlich festzusetzen.

Beispielsweise sind in der Medizinischen Hochschule (MHH) die Belastungen in der Pflege so groß, dass nur noch die „fitten und voll flexiblen Mitarbeiter dort eingesetzt werden“, sagt Personalratschef Simon Brandmaier. Beschäftigte mit familiären Pflichten oder gesundheitlichen Einschränkungen zählten häufig nicht mehr dazu. Viele Krankenschwestern und -pfleger hielten den Druck nicht aus und suchten sich andere Stellen. Besonders dramatisch ist die Situation im Intensivbereich und in der Kinderklinik. „Hier können viele Dienstpläne nur noch mit teurer Leiharbeit aufrechterhalten werden“, sagt Brandmaier. Zudem sei eine gute Ausbildung in der MHH gar nicht mehr möglich, berichtet die Vorsitzende der MHH-Ausbildungsvertretungen, Aileen Beyersdorf. Das liege daran, dass auf den Stationen nur noch in Notbesetzungen gearbeitet werde. Umfassende Pflege sei nicht mehr möglich. Nach der Ausbildung gingen viele Kollegen zu Leiharbeitsfirmen. Diese werben mit übertariflicher Bezahlung und Dienstplänen nach Wunsch.

So sieht es in den Kliniken aus

Medizinische Hochschule
Großer Druck: In der Medizinischen Hochschule (MHH) sind die Belastungen auf der Intensivstation besonders hoch. Deshalb muss dort immer mehr Personal von Leiharbeitsfirmen eingesetzt werden. Die Mitarbeiter dieser Unternehmen kommen ursprünglich oft von der MHH. Die Leiharbeitsfirmen bieten ihnen mehr Geld und Dienstpläne nach Wunsch.

Klinikum Region Hannover
Langes Warten im Siloah: Auch die Mitarbeiter des Regionsklinikums klagen über Überlastung. Die trifft auch die Patienten. Vor wenigen Tagen kommt der Rentner Rudolf B. um 17 Uhr in die Notaufnahme des Klinikums Siloah, mit Verdacht auf Lungenentzündung. Erst sieben Stunden später wird er geröntgt. Als der Patient zwischendrin fragt, wie und wann es weitergeht, bekommt er keine Auskunft.

Notaufnahme Friederikenstift
Immer weniger Personal: Als Schwester Gaby als Krankenschwester Ende der Achtzigerjahre im Friederikenstift mit ihrer Ausbildung anfing, galt es als Skandal, wenn am Wochenende auf der größten Pflegestation weniger als zehn Schwestern waren – so erzählte sie es jüngst der HAZ. Heute freut man sich dort, wenn sie vormittags zu viert und nachmittags zu zweit sind.

In den drei Krankenhäusern der Diakonischen Dienste Hannover (DDH) sind in diesem Jahr bereits mehr als 400 Überlastungsanzeigen geschrieben worden, so viele wie im ganzen vergangenen Jahr. „Die Kollegen knüppeln Überstunden, verzichten auf freie Tage und Pausen“, sagt der stellvertretende Vorsitzende der Mitarbeitervertretung, Uwe Demitz. Es gebe kein funktionierendes Ausfallmanagement, stattdessen setze die Geschäftsführung darauf, dass sich die Kollegen gegenseitig unter Druck setzten und füreinander einsprängen. „Normalbetrieb gibt es bei uns kaum noch“, sagt er.

Die Betriebsratsvorsitzende des Regionsklinikums, Dunja Borges, berichtet von einer konkreten Situation: „Stellen Sie sich vor: Nachtdienst, zwei Pflegekräfte auf der Station, davon nur eine examiniert, und 34 Patienten. Davon sind sieben desorientiert, zwei am Bett fixiert, wovon einer dennoch entweichen kann, vier Neuzugänge sind aggressiv, sieben müssen häufig umgelagert werden, elf sind inkontinent, drei sind Isolationspatienten, zwei sind extrem verwirrt und schreien im Vierbettzimmer, einer ist Schmerzpatient, einer muss ständig überwacht werden, einer hat Krämpfe und klagt vor Schmerzen.“ Das sei kein Einzelfall. Das Krankenhaus werde selbst zu einem Gesundheitsrisiko. Deshalb müsse dringend etwas geschehen.

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