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Aus der Stadt Das Pianomädchen
Hannover Aus der Stadt Das Pianomädchen
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13:58 11.08.2009
Elisabeth Brauß ist Jungstudentin an der Hochschule für Musik und Theater und war bereits zweimal die Erste im Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“. Quelle: Rainer Surrey

Einen eigenen Terminkalender hat die 14-jährige Elisabeth Brauß jetzt schon. Während andere Mädchen in ihrem Alter dort höchstens den Reitunterricht oder das Treffen mit der besten Freundin vermerkt haben, koordiniert die Jungpianistin so wichtige Termine: Auftritte, den Klavierunterricht, eine Konzertreise in Taiwan - aber auch die nächste Mathearbeit. „Ich muss mir meine Zeit gut einteilen“, sagt die blonde Schülerin, und als sie lacht, blitzt ihre Zahnspange ein wenig hervor.

Seit zehn Jahren spielt die Tochter des Musikhochschulprofessors Martin Brauß Klavier, seit 2007 ist sie Jungstudentin am Institut zur Frühförderung musikalisch Hochbegabter (IFF) an der Hochschule für Musik und Theater Hannover. Zuvor besuchte sie dort bereits die Vorschule für besonders junge Musiktalente. Jeden Freitag, wenn die normale Schulwoche fast vorbei ist, geht die Neuntklässlerin vom Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium im Zooviertel den kurzen Weg hinüber zur Musikhochschule am Emmichplatz, wo sie mit anderen musikalischen Ausnahmetalenten Musiktheorie, rhythmische Erziehung und Dirigierlehre paukt. Aus vielen Teilen Deutschlands, aus Stuttgart und Hamburg etwa, kommen junge Musiker nach Hannover für das Frühstudium an die Hochschule. Ihr Fleiß und ihr Talent haben der Gymnasiastin aus Bothfeld schon viele Preise eingebracht: Zweimal war Elisabeth Brauß die Erste im Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“, gewann mehrmals den „Internationalen Grotrian Steinweg Wettbewerb“ in Braunschweig, hat vor dem Bundespräsidenten gespielt und reiste für Konzerte schon in die USA, die Ukraine und nach China. „In China musste ich sogar Autogramme geben“, sagt sie stolz, aber auch ein wenig verwundert darüber, dass man ihr dort nach dem Auftritt mit Sprechchören applaudiert hat.

Wie der weltweit gefeierte Pianist Lang Lang habe sie sich da gefühlt, erzählt sie. Im Herbst fliegt Elisabeth nach Taiwan und spielt dort erstmals alleine ein abendfüllendes Programm von anderthalb Stunden mit Werken von Beethoven, Chopin und Schumann. Doch bis dahin muss die junge Klavierspielerin noch ein wenig mehr üben als sonst in der ohnehin schon stressigen Alltagswoche: Nach der Schule sitzt sie täglich drei Stunden in der Hochschule am Klavier, bis zu viermal pro Woche kommt Unterricht bei der Klavierlehrerin hinzu, dazu Auftritte an Wochenenden, Konzertreisen - und Hausaufgaben. „Das ist schon anstrengend, besonders die Schule leidet manchmal darunter“, gibt die 14-Jährige zu, doch für ihr Ziel, einmal Berufspianistin zu werden, nimmt sie den Alltagsstress gerne in Kauf. Die Schule gibt der Gymnasiastin für ihre Auftritte oft frei, doch den Stoff muss sie nacharbeiten.

Wenn die Finger des jungen Mädchens über die Tasten gleiten, sie in absoluter Konzentration auf den Takt und das Gefühl der Musik von Beethoven oder Chopin ihren Kopf bewegt, dann scheint alles Kindliche weit weg. Dann sagt sie Sätze wie: „Ich mag an Chopin seine Brillanz und Leichtigkeit, die Kraft und Gerichtetheit, die hinter den wunderschönen Melodien steckt“ - und ihre Augen funkeln beim Reden über ihren Lieblingskomponisten, so wie bei manchen Mädchen ihres Alters, wenn sie über Bill von Tokio Hotel reden. Doch dann werden ihre Wangen rot, sie wippt etwas mit der Röhrenjeans und den weißblauen Ballerinas auf dem Stuhl herum und sagt, dass sie zu ihren Schulhausaufgaben ganz gern Britney Spears hört. An ihrer Zimmertür hängen keine Noten, kein Bild ihres Lieblingskomponisten, sondern Fußballbilder von Hannover 96. „Ich geh gerne ins Stadion“, sagt sie und lächelt wieder wie 14-Jährige eben lächeln, wenn sie sich für etwas begeistern. Doch ihr eigener Ehrgeiz und die Strenge mit sich selbst verbieten ihr diese Freizeitaktivität manchmal, sowie einfach auch mal Heidi Klums Top-Model-Sendung zu schauen. „Wenn ich Fernsehen gucke, habe ich ein schlechtes Gewissen, das ist ja irgendwie verlorene Zeit.“ Auch Aktivitäten mit Freunden leiden unter dem Klavierspiel, nicht nur, weil ohnehin zwischen Schule, Studium und Auftritten wenig Zeit bleibt, sondern auch, weil vieles für die zarten Pianistenhände zu gefährlich ist. „Ich kann zum Beispiel nicht Schlittschuhlaufen oder Badminton spielen gehen, weil ich da meine Hände verletzen könnte“, sagt Elisabeth und verflucht dann doch die Last des Talents. Für ihre Freunde nimmt sie sich aber Zeit, sooft es geht. Auch das vermerkt Elisabeth dann in ihrem Terminkalender.

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