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Das SPD-Damenduell ist entschieden
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Doris Schröder-Köpf gewinnt Das SPD-Damenduell ist entschieden

Überraschend hoher Sieg für die Gattin des Altkanzlers: Doris Schröder-Köpf hat sich im SPD-Auswahlverfahren einen aussichtsreichen Platz für die Landtagswahl 2013 gesichert. Sie setzte sich gegen Platzhirschin Sigrid Leuschner durch – in einem Verfahren, das in den nächsten Tagen für Zündstoff in der Partei führen dürfte.

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Strahlende Siegerin (li.): Doris Schröder-Köpf nach der Wahl mit Spitzenkandidat Stephan Weil, der selbst sogar 100 Prozent der Stimmen erhielt. Sigrid Leuschner unterdessen verlässt früh die Versammlung.

Quelle: Christian Burkert

Hannover. Ein mittelalterliches Trinklied singt die A-Capella-Gruppe Schnoy. Weil doch der Gerhard Schröder so gern ein Glas Rotwein trinke, sagen die schön swingenden jungen Männer im SPD-Vorprogramm. Gerhard Schröder ist an diesem Mittwochabend, an dem die hannoversche SPD seine Frau Doris zur Kandidatin für die Landtagswahl 2013 kürt, nicht dabei. Er hat es sich gut überlegt und den Besuch des Udo-Lindenberg-Konzertes vorgezogen. Man kann ja nie wissen, wie der Auftritt eines leibhaftigen Altkanzlers auf die sensible SPD-Delegiertenseele wirkt. Doris Schröder-Köpf muss es heute ganz allein schaffen.

Der hohe Stimmenanteil, den die wohl prominenteste SPD-Kandidatin an diesem Abend in der IGS Mühlenberg einfährt, ist dann doch überraschend: 64,1 Prozent. 25 von 39 Delegierten entscheiden sich für die Quereinsteigerin, die, wenn auch nur mit dem Status einer Beobachterin, schon auf ganz anderen politischen Bühnen gestanden hat. Und die altgediente SPD-Landtagsabgeordnete Sigrid Leuschner zieht mit 14 Stimmen den Kürzeren. Sie schaut betroffen aus. "Ja, schon etwas gereizt" sei die Stimmung unter den Delegierten gewesen, berichtet später der frühere hannoversche Ratsherr Ludwig Meyer. Weil sich vorher bei den Wahlen in den Ortsvereinen, wenn auch ganz knapp, eine Mehrheit für Leuschner herausgeschält hatte. "Aber Delegiertenprinzip heißt eben noch nicht imperatives Mandat", sagt Meyer. Deshalb wurde strikt auf die Formalien geachtet, schriftliche Abstimmung, und geheim, geheim. Damit hinterher keiner meckert.

Und da kommt sie, erwartet von Kamera-und Reporterteams, schon durch den abgeschirmten, langen Flur in der Gesamtschule Mühlenberg - die Überraschungskandidatin. Mit Stephan Weil, dem SPD-Spitzenkandidaten, dessen 100-Prozent-Ergebnis keine Überraschung ist. Und mit der Ärztin Thela Wernstedt, Tochter des früheren Landtagspräsidenten, die sich nach drei Patts in drei Wahlgängen erst durch das Losverfahren gegen Christine Kastning, die Fraktionsvorsitzende im hannoverschen Rat, durchsetzte. Stefan Politze, der bereits Landtagsabgeordneter ist, und Michael Höntsch komplettieren das Quintett, das jetzt für die hannoversche APD antritt. "Ich habe nicht damit gerechnet", sagt eine strahlende Schröder-Köpf, als sich Reporter auf sie stürzen und erste Statements abfangen. Sie habe eine Menge Erfahrungen gesammelt, ihre eigene Argumentation schärfen können.

"Wir müssen das erst einmal sacken lassen", sagt Döhrens SPD-Ortsvereinsvorsitzender Angelo Alter, der auch eine enttäuschte Sigrid Leuschner vor Augen hat. Er glaube nicht, dass bei der Wahl Schröder-Köpfs "der Promi-Faktor" gezogen habe. Da dächten ältere Delegierte doch anders. "Bei denen gibt es eher Vorbehalte gegen eine eingeflogene Gattin des Altkanzlers", sagt Ludwig Meyer.

Dass es Schröder-Köpf dennoch geschafft hat, ist die eigentliche Überraschung des Abends. "So ein Gerangel um Landtagskandidaturen hatten wir selten", sagt Stephan Weil, der dies auch als ein gutes Omen auf einen SPD-Sieg im Januar 2013 betrachtet. Und zu Schröder-Köpf meint er: "Das ist schon eine Frau, die Power mitbringt". Auch er wird sie, vermutlich, zu spüren bekommen.

NACHGEFRAGT BEI DORIS SCHRÖDER-KÖPF

Frau Schröder-Köpf, wie zufrieden sind Sie mit diesem Ergebnis?

Vorher habe ich mich ein bisschen gefühlt wie auf der Nordsee - bei hohem Wellengang. Jetzt bin ich sehr glücklich, auch über das sehr deutliche Ergebnis. Meinen Mann habe ich erst nicht erreicht, weil er auf dem Konzert von Udo Lindenberg ist. Aber jetzt weiß er es, und er hat sich sehr gefreut.

Wie kommt es aber, dass sie gerade sehr still wirken?

Bei jedem Menschen drückt sich die Freude anders aus. Und ich bin glücklich und gleichzeitig zurückhaltend.

Fanden sie das Wahlverfahren fair?

Darüber werden wir nach der Landtagswahl diskutieren. Wie geht es jetzt für Sie persönlich weiter? Ich werde jetzt mit den Vorsitzenden der SPD-Ortsvereine des Wahlkreises über den Wahlkampf sprechen. Dann werde ich ein Bürgerbüro anmieten und danach einen VW-Bus bekleben, und dann geht der Wahlkampf los.

NACHGEFRAGT BEI SIGRID LEUSCHNER

Frau Leuschner, wie enttäuscht sind Sie nach diesem Ergebnis?

Ich bin natürlich sehr enttäuscht. Eigentlich hätte ich 21 Stimmen erhalten müssen, so hatten sich die Ortsvereine festgelegt. Es war vereinbart, dass sich Delegierte an die Voten der Ortsvereine gehalten haben. Was jetzt passiert ist, empfinde ich als charakterlos.

Fanden Sie das Verfahren fair?

Natürlich ist das Verfahren fair. Nicht fair ist, dass sich Delegierte nicht an das Votum der Ortsvereine gehalten haben. Ich mache meinen Stammortsverein Döhren-Wülfel dafür verantwortlich. Es wird sicherlich eine Diskussion darüber geben. Man kann sich nicht erst auf ein bestimmtes Verfahren einigen, und wenn dann die Wahl stattfindet, von diesem Wahlverfahren einfach abweichen.

Wie geht es für Sie persönlich jetzt weiter, Frau Leuschner?

Ich sitze jetzt noch im Landtag, und Anfang kommenden Jahres endet dann die Wahlperiode.

Die Fragen stellte Mathias Klein

KOMMENTAR VON MICHAEL B. BERGER: DIE KÜR

Die SPD-Delegierten hatten die Wahl zwischen Pflicht und Kür. Mit Doris Schröder-Köpf haben sie sich für die Kür entschieden. Darüber, dass Sigrid Leuschner nach fast 20 (!) Jahren aus dem Landtag ausscheidet, sollten sich deren Anhänger nicht lange grämen. Sie hat ihre Pflicht getan. Schröder-Köpf kann, sofern sie im eigenen Wahlkreis und in ihrer Partei überzeugt, Frische in den Landtag bringen. Sie hat das Herz auf dem berühmten rechten Fleck. Dass sie die Frau von Gerhard Schröder ist, hat ihr zwar überregionales Interesse beschert, aber innerhalb der eigenen Partei auch Ablehnung. Umso bemerkenswerter, dass sie sich bei der Delegiertenversammlung durchsetzte. Der Wahlkampf gegen den direkten Gegner im Wahlkreis, CDU-Vorsitzenden Dirk Töpfer, verspricht, spannend zu werden.

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