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Aus der Stadt Wer ist der Terrorverdächtige Abbas A.?
Hannover Aus der Stadt Wer ist der Terrorverdächtige Abbas A.?
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00:16 07.02.2016
Durchsuchung in Vahrenwald: An der Voltastraße kontrollierte die Polizei die Wohnung eines Bekannten von Abbas A., in der sich der Verdächtige (rechts) häufig aufhielt. Quelle: Dillenberg/Facebook (Montage)
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Hannover

Es war eine konzertierte Aktion am Donnerstagmorgen: Auf der Suche nach einem gefährlichen Terrorverdächtigen rammten schwer bewaffnete und vermummte Ermittler zweier Spezialeinheiten gegen 6 Uhr die Türen zweier Wohnungen ein – zeitgleich. Die eine in einem Mehrfamilienhaus in Vahrenwald, die andere in einer Flüchtlingsunterkunft in Isernhagen H.B. Dort rissen die Polizisten den mutmaßlichen Terroristen Abbas A. aus dem Schlaf. Er lag in seinem Bett in dem als Asylbewerberheim genutzten ehemaligen Gasthaus an der Burgwedeler Straße.

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Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Polizei haben unter anderem eine Wohnung in Vahrenwald durchsucht.

Der 25-jährige Algerier ließ sich widerstandslos abführen und zur Befragung auf die Wache bringen, durfte allerdings später am Tag wieder gehen. Nach Erkenntnissen der Behörden soll er gemeinsam mit drei Landsleuten einen Anschlag in Berlin geplant haben. Informationen der Nachrichtenagentur dpa zufolge soll er in der jüngsten Vergangenheit mindestens einmal in die Brüsseler Islamistenhochburg Molenbeek gereist sein.

Facebook-Seite zeigt Auffälligkeiten

Abbas A. hält sich seit 2014 in der Region Hannover auf. Nach Angaben einer ehrenamtlichen Betreuerin der Flüchtlingsunterkunft hat er sich stets unauffällig verhalten. Er habe an einem Deutschkurs teilgenommen und sich im Oktober als Helfer bei einem Nachbarschaftsfest für Flüchtlinge engagiert. Doch auf seiner Facebook-Seite zeigt er sein anderes Gesicht. Die Polizei zählt ihn zur islamistischen Szene in Niedersachsen. Er soll bereits seit geraumer Zeit unter Beobachtung der Behörden stehen.

Obwohl Abbas A. im vergangenen Jahr offenbar nur selten auf Facebook aktiv war, finden sich in seinem Profil in dem sozialen Netzwerk einige Hinweise auf seine radikale Gesinnung. Unter anderem markiert der 25-Jährige dort die Seite von Ahmed Deedat, einem islamischen Missionar und Mitgründer des „Islamic Propagation Centre International“. Zentrales Thema der Predigten von Deedat, der 2005 starb, waren die Vorzüge des Islam gegenüber dem Christentum. Unter anderem hielt er eine Rede, in der er erklärte, der Islam werde alle anderen Religionen und Lebensweisen besiegen.

Laptops und Handys sichergestellt

Auch eine andere Facebook-Seite, die A. mit „gefällt mir“ markiert hat, wirkt befremdlich. „The Age of Waking up“ leitet den Besucher auf ein Profil auf der Video-Plattform Youtube weiter, wo unzählige Videos veröffentlicht wurden, die den Islam behandeln. In mehreren wird Deutsch gesprochen. Sie wurden größtenteils in der Berliner Al-Nur-Moschee aufgenommen, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Zuletzt machte sie immer wieder Negativschlagzeilen, weil dort Hassprediger sprachen. Zudem sollen Salafisten die Moschee nutzen, um Konvertiten anzuwerben. Im Januar 2015 erklärte ein Imam in dem islamischen Gotteshaus, Ehefrauen dürften ihrem Mann niemals den Sex verweigern. Ein halbes Jahr zuvor rief ein anderer Gast-Imam zum Töten von Juden auf.

Aber auch die Freunde, mit denen er über die Internetplattform verbunden ist, werfen ein eindeutiges Licht auf A. Einer von ihnen hat etwa statt eines Profilbildes in holprigem Französisch den Schriftzug „Je suis pas Charlie, je suis Mohamed“ auf seine Facebook-Seite gestellt.

Abbas A. hielt sich nach den Erkenntnissen der Ermittler regelmäßig auch in Hannover auf. Dann soll er die Mietwohnung seines Landsmanns Farouk L. in einem Mehrfamilienhaus an der Voltastraße genutzt haben. Deshalb durchsuchten Polizisten auch diese Bleibe am Donnerstag. Drei Laptops und mehrere Handys stellten sie sicher. Doch den Mieter der Zwei-Zimmer-Dachgeschoss-Wohnung trafen sie nicht an. „Er ist vor etwa vier Wochen untergetaucht, hat die Wohnung leer geräumt und ist gegangen, ohne Bescheid zu geben“, sagt der Vermieter, dem der Untergetauchte noch Nebenkosten in Höhe von rund 500 Euro schuldet. Wohin sich Farouk L. abgesetzt hat, ist derzeit noch unklar. Bisherigen Erkenntnissen der Behörden zufolge hat er allerdings nichts mit dem geplanten Anschlag in Berlin zu tun.

SEK stürmt falsche Wohnung

Bei der Razzia in Vahrenwald war der Spezialeinheit am Donnerstagmorgen eine Panne unterlaufen. Sie rammten nicht nur die Tür der Wohnung des Algeriers ein, sondern auch die eines türkischen Familienvaters, der mit seiner Frau und der zehn Jahre alten Tochter einen Stock unter Farouk L. lebt. „Sie haben mich auf den Boden geworfen, gefesselt und anschließend alles durchwühlt“, sagt der Betroffene. Er habe lange Zeit überhaupt nicht gewusst, was die Beamten von ihm wollten. Erst als die Terrorfahnder einen Dolmetscher hinzuzogen, konnte er sie von seiner Unschuld überzeugen. Das SEK war deshalb auf die Wohnung des Familienvaters gekommen, weil dessen Wohnung und die des Algeriers einen Stock darüber kurioserweise die gleiche Klingel haben. Jetzt muss das Land Niedersachsen dem Hauseigentümer nicht nur eine, sondern gleich zwei Wohnungstüren samt Schlössern ersetzen.

Länderspielabsage und Durchsuchung

17. November 2015: Wenige Stunden vor Anpfiff des Fußball-Freundschaftsspiels zwischen Deutschland und den Niederlanden in Hannover wird das Länderspiel abgesagt. Ein ausländischer Geheimdienst hatte konkrete Hinweise auf einen Anschlag, die er an die hannoverschen Behörden weitergab. Demnach hatte eine Gruppe aus vier Männern und einer Frau geplant, Sprengsätze im Stadion und in der Stadt zur Explosion zu bringen. Das Attentat sollte gefilmt werden.
10. Dezember 2015: Beamte des Bundeskriminalamts durchsuchen eine Wohnung in Misburg-Nord. Dort wohnt ein 19 Jahre alter Schüler, der von der Bundesanwaltschaft verdächtigt wird, den Anschlag auf das Länderspiel mit geplant zu haben.

 Von Tobias Morchner, Frank Walter und Jörn Kießler

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