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Das denken HAZ-Leser über das Üstra-Trinkverbot

Leserbriefe und Kommentare Das denken HAZ-Leser über das Üstra-Trinkverbot

Zug um Zug zu Strafen oder freie Fahrt für's Feierabendbier? Das denken die HAZ-Leser über das geplante Alkoholverbot der Üstra, das ab dem 1. Januar 2017 in allen Bussen und Straßenbahnen gelten soll.

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Ab dem 1. Januar 2017: Bier trinken in der Üstra-Straßenbahn ist.

Quelle: Eberstein

Der trinkende Fahrgast ist nicht das Problem

Ich bin kein Befürworter dieses Alkoholverbotes, denn das Kernproblem ist aus meiner Sicht woanders zu suchen. Nehmen wir mal an, ein Fahrgast steigt in Laatzen nüchtern in die Linie 1, weil er zum Kröpcke möchte. Wie viel müsste der wohl während der Fahrt trinken, um auf randalierungsfähige 1,5 Promille und mehr zu kommen? Vor allem in welcher Geschwindigkeit? Völlig unmöglich! Er trinkt lediglich ein bis zwei Bier und verhält sich völlig ruhig!
Der nächste Fahrgast hat zu Hause bereits eine Flasche Wodka ausgesoffen und ist lattenstramm. Er hat kein Bier oder Ähnliches bei sich, fängt aber dank seines vernebelten Sinneszustandes an zu pöbeln ... Was mag wohl an dieser Stelle das Alkoholverbot bringen? Muss man hier nicht betrunkenen Fahrgästen das Mitfahren untersagen? Wer will das denn kontrollieren?

Das Verschütten alkoholischer Getränke mag vielleicht ein Argument sein, aber haben Sie schon mal Milch oder Cola im Auto verkippt? Das ist widerlich! Wenn es also danach geht, sollte der Konsum sämtlicher Getränke unterbunden werden (Ausnahme für Babys und Kleinkinder). Auch das Schokoeis auf dem weißen Rock der Sitznachbarin sorgt unter Umständen für falsche Interpretationen, und auch die Döner-Tasche des Sitznachbarn schmeckt vielleicht vorzüglich, ist aber in einem übervollen Bus zur Feierabendzeit nicht wirklich witzig.

Insoweit können Aussagen, ob jemand randaliert oder pöbelt, doch nicht daran festgemacht werden, ob ein Mensch eine Bierflasche in der Hand hält. Findige Jugendliche werden ohnehin ihre Mixgetränke in neutrale Flaschen umfüllen. ­Insoweit wird es eine Menge Umgehungen geben, und der Protec wünsche ich viel Spaß beim Blindfischen.

 Tobias Brinkmann

(via Facebook)

Es darf weiter mit Kaffee gekleckert werden 

In den Bussen und Straßenbahnen darf künftig kein Alkohol mehr getrunken werden; die Politik folgt dem Ergebnis einer Meinungsumfrage unter den Nutzern des öffentlichen Nahverkehrs. Wurden diese Nutzer eigentlich auch danach gefragt, ob die Bahnen auch weiterhin mit Milchkaffee, Döner-Cacik und Hamburger-Ketchup bekleckert werden dürfen? Der Handwerker mit seinem Feierabendbier ist mir allemal lieber als der Sitznachbar, der morgens im Halbschlaf seinen Latte Macchiato to go über meinem Knie balanciert. Übrigens wird, trotz Rauch- und Alkoholverbots, in den U-Bahn-Stationen fleißig für den Kauf von Zigaretten, Wein und Bier geworben.

Raimund Poppinga

Verbot ohne Konsequenzen bringt nichts

Wir leben bekanntlich in einem Land, das sich hinsichtlich von Verboten zurückhält. Dies ist auch gut so. Wenn allerdings eine überwältigende Mehrheit von Bürgern für ein Alkoholverbot in Bussen und Bahnen ist, muss man dies ernst nehmen und Konsequenzen ergreifen. Wenn allerdings ein Verbot ohne Folgen für Verstöße ausgesprochen wird, ist das ungefähr so, als wenn man verbotenerweise über eine rote Ampel fährt und keine Strafe fürchten muss. Also kein Problem, Ampeln könnten abgeschafft werden. Wollen wir das? Die „soziale Kontrolle“ ist theoretisch, und ich würde dies gerne näher erläutert haben. Da ist doch wohl keine Selbstjustiz mit gemeint? Denn auch diese möchten wir in unserem Land bestimmt nicht.

Ulrich Richstein

(via Facebook)

Alkohol in der Öffentlichkeit verbieten

Können wir einmal was richtig machen? In den USA, Australien und wahrscheinlich vielen anderen Ländern ist Alkohol in der Öffentlichkeit verboten – warum nicht hier?

Wilfried Mader

(via Facebook)

Lieber direkt vor Ort mit den Üstra-Nutzern reden – ohne zusätzliche Vorschriften

Ich fahre regelmäßig Bus und Bahn, was für mich, anders als in der Umfrage, eine Nutzung des ÖPNV von deutlich mehr als einmal pro Monat bedeutet, und erlebe es sehr selten, dass jemand dort Alkohol konsumiert und das in der Regel auch nur in Tunnelstationen oder an oberirdischen Haltestellen. Alkoholisierten Menschen begegne ich allerdings regelmäßig seit frühester Kindheit in Bussen und Bahnen. Darunter auch Menschen mit starken Kontrollverlusten. 

Einmal wurde ich als Schülerin an der Station Schlägerstraße von zwei stark alkoholisierten, gleichaltrigen Mädchen geschlagen und mit einem Messer bedroht. Sie hatten sich zuvor auf der gegenüberliegenden Bahnsteigseite befunden gehabt und eine Freundin wegen ihres Übergewichts so beleidigt, dass sie anfing zu weinen, und ich hatte sie verteidigt. Als ich mich nur noch mit einer anderen Mitschülerin alleine auf dem Bahnsteig befand, kamen sie herüber und fingen an, mich zu schlagen. Bahnfahrer fuhren vorbei, Erwachsene ignorierten meine Fluchtversuche und meine Hilferufe, die Mitschülerin sagte, sie hielte sich raus, holte auch keine Hilfe, es half nur, sich verbal und mit den eigenen Händen zu wehren, bis ein kleiner Grundschüler mir zu Hilfe kam. Dieser außergewöhnliche, deutlich jüngere Junge ging ganz ruhig auf uns zu und fragte die beiden, ob ihnen das nicht peinlich sei, was sie da machen würden. Er redete ganz ruhig und sachlich mit ihnen und erreichte, dass der Konflikt beendet wurde. Später fand man eine kurze Notiz in der Zeitung. Und mir wurde erklärt, dass es einen Notrufknopf in jeder Station gebe.

Das, was an dieser Umfrage auf den ersten Blick so repräsentativ ist, ist, dass sie nicht vor Ort unter Üstra-Nutzern stattfand, sondern am Telefon (man verließ sich hierbei auf die Angabe der Angerufenen, dass sie mindestens einmal im Monat Üstra-Nutzer seien). Direkt miteinander zu reden und Dinge vor Ort, ohne zusätzliche Vorschriften, zu regeln, scheint in dieser Gesellschaft vom Normalfall zur Ausnahme zu werden.

Solch ein Verbot wird nichts daran ändern, dass alkoholisierte Menschen, die womöglich suchtkrank sind und unter Kontrollverlusten leiden, Busse und Bahnen benutzen. Auf diese Menschen zuzugehen und ihnen dabei zu helfen, ihre Isolation zu durchbrechen und sich dabei helfen zu lassen, von ihrer Sucht befreit zu werden, wäre vermutlich wesentlich sinnvoller und dringender geboten.

Und wenn man bedenkt, dass selbst in den Gruppendiskussionen im Anschluss an die Telefonbefragung deutlich geworden ist, dass man sich in erster Linie an Gruppen alkoholisierter Menschen, die im Fahrgastraum aus der Rolle fallen, aber nicht an den ein Feierabendbier Trinkenden störe, wäre dann im Grunde ja auch ein Verbot des Genusses alkoholischer Getränke in Bus und Bahn nicht die eigentliche logische politische Forderung nach dieser Umfrage.

Miriam Friedrichs-Seidel

(via Facebook)

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Verstöße sollen straffrei bleiben

"Überflüssig", "fauler Kompromiss", "Alkoholverbot light": Die Ankündigung der Üstra, in Bussen und Bahnen zwar ein Alkoholverbot einzuführen, Verstöße aber bei Kontrollen nicht mit Bußgeldern zu belegen, hat am Dienstag Erstaunen ausgelöst. Dass die von der Üstra erhoffte "soziale Kontrolle" ausreiche, wird von vielen bezweifelt. 

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