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Das halten Hannoveraner vom Hamsterkauf-Konzept

Zivilkonzept der Bundesregierung Das halten Hannoveraner vom Hamsterkauf-Konzept

Doris Günther kann sich noch daran erinnern, wie ihre Mutter früher Lebensmittel einlagerte. „Vor allem Muckefuck und Dosenmilch, weil meine Eltern viel davon getrunken haben“, erzählt die 75-Jährige, die gerade auf dem Weg zum Supermarkt in der Lister Meile ist.

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„Ich hab noch nie etwas gebunkert und fange damit jetzt auch nicht an“: Von Hamsterkäufen – wie hier auf unserem Symbolbild – sehen die Hannoveraner ab.

Quelle: Tobias Kleinschmidt

Hannover. Den Ratschlägen der Bundesregierung im neuen Zivilkonzept, für den Katastrophenfall einen Vorrat an Lebensmitteln für zehn Tage und einen Wasservorrat für fünf Tage anzulegen, folgt sie allerdings nicht. „Ich hab noch nie etwas gebunkert und fange damit jetzt auch nicht an“, sagt sie. „Ich kaufe lieber frisch ein, an Konserven habe ich nur das Übliche wie Dosensuppen und Bockwürste, ansonsten noch Mehl, Zucker und Nudeln, wie meine Mutter früher auch schon“.

Die Regale in den Supermärkten sind an diesem Montagnachmittag gut gefüllt, die Stände des Bauernmarktes am Kröpcke müssen sich nicht für einen unerwarteten Ansturm wappnen - es geht gemächlich zu, das Obst wird mit Bedacht ausgewählt, die Hamstereinkäufe aus Sorge vor einer etwaigen Katastrophe bleiben aus.

Im Notfall soll sich die Bevölkerung selbst versorgen. So sieht es das Zivilschutzkonzept der Bundesregierung vor. Tipps für den Ernstfall sind aber nicht neu. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gibt schon lange Empfehlungen für das Überleben im Katastrophenfall. Wir zeigen eine Auswahl.

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Zehn Wasserflaschen, fünf Kilogramm an Brot, Kartoffeln und Reis, fast vier Liter Milch - das und noch mehr würden laut Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) benötigt. Auf seiner Website hat das BBK bereits seit Längerem eine Checkliste, die Mengenangaben für Lebensmittel und Getränke empfiehlt. Pressesprecher Wahid Samimy meint, es sei „nur ein Vorschlag“, gerade bei den Lebensmitteln komme es auf die individuellen Bedürfnisse an: „Wenn jemand beispielsweise weniger oder gar kein Fleisch isst, muss er von anderen Lebensmitteln mehr einlagern“, erklärt Samimy.

 „Wir machten das, als wir Angst vor den Russen hatten“

Vor allem lang haltbare Lebensmittel seien für einen solchen Vorrat geeignet, wie Dosenmilch, getrocknetes Obst, Mehl und Konserven. „Ich selbst habe auch so einen Vorrat“, sagt der 41-Jährige. Er stocke ihn regelmäßig wieder auf, weil Produkte wie Milch oder Fleisch im Alltag aufgebraucht werden. Mehl, Nudeln, Öl - alles, was haltbar ist, soll man einlagern. „Wir machten das, als wir Angst vor den Russen hatten“, sagt eine 89-jährige Hannoveranerin. Jetzt käme sie nicht mehr auf die Idee: „Gerade mache ich mir keine Sorgen, dass etwas passieren könnte.“

Die Checkliste im Katastrophenfall

Im Fall einer Katastrophe hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) schon lange eine Liste erstellt: Sie empfiehlt einen 14-tägigen Vorrat. Dazu zählen pro Person 28 Liter Trinkwasser, 4,9 Kilogramm Getreideprodukte wie Brot, Kartoffeln, Nudeln und Reis, ferner 5,6 Kilogramm Gemüse und 3,6 Kilogramm Obst und Nüsse. Fast vier Liter Milch, zwei Kilogramm Fleisch und ein halber Liter Öl sollten im Vorratsschrank außerdem nicht fehlen. Aber auch Ratschläge in Sachen Hygieneartikel (Zahnbürste, Desinfektionsmittel, Toilettenpapier), Hausapotheke (Verbandszeug, Schmerzmittel, Pinzette, Medikamente gegen Durchfall, Erkältung und Insekten), Notgepäck (Schlafsack, Thermoskanne, Taschenlampe), Energieausfall (Batterien, Kerzen) und Dokumentensicherung spricht das BBK dort aus. Die vollständige Checkliste ist unter www.bbk.bund.de einsehbar.

Mechthild Wessels will ihre Einkäufe auch nicht nach etwaigen Katastrophen ausrichten. „Das ist doch Schwarzmalerei“, sagt die 57-Jährige Lehrerin. „Meinen Schülern werde ich nichts von Vorratseinkäufen erzählen, das verunsichert doch nur.“ Sie selbst hat zwar Nudeln und einige Konserven wie Erbsen, Pilze und Dosensuppe auf Vorrat. „Aber das habe ich nur, um mal bei Krankheit nicht raus zu müssen“, erklärt sie. Maximal fünf Tage würde sie so ohne einen Einkauf auskommen.

„Ein 5-Kilogramm-Paket Nudeln ist ja viel günstiger als die kleinen Packungen“

Anders sieht es allerdings Gregor, der gerade aus dem Supermarkt in der Sedanstraße herauskommt. Der 39-Jährige hat seit Jahren einen Vorrat angelegt, der ihn nach seiner Schätzung für zwei bis drei Wochen versorgen könnte. „Ich kaufe immer in großen Mengen bei der Metro ein“, sagt er. „Ein 5-Kilogramm-Paket Nudeln ist ja viel günstiger als die kleinen Packungen.“ Er mache das aus Kostengründen, nicht aus einer akuten Katastrophenangst heraus. „Bei Wasser hätte ich allerdings ein Problem“, meint er. Doch auch da hat er zwei Kisten stehen, das versorgt einen Einzelnen laut BBK immerhin 12 Tage.

„Ich halte das für Panikmache“

Rolf Zimmer hat eine andere Sicht: Der 79-Jährige, der einst in Hannover studiert hat, wohnt in Bozen und ist hier für einige Monate zu Besuch. „In Bozen leben wir in einem Stadtteil, der 1000 Höhenmeter über dem Rest der Stadt liegt - wir müssen uns selbst versorgen.“ Milch, Eier, Fleisch, Marmelade - die Höfe dort oben hätten alles parat, eine Filteranlage für den Bergbach versorge die rund 70 Menschen. „Wir müssen das aber machen, falls die Seilbahn kaputt ist“. Vorräte lagert er keine ein. „Ich halte das für Panikmache“, meint er. „Dann müsste man so vieles mehr tun, zum Beispiel einen Bunker bauen."

Von Katharina Derlin

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