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Das ist Hannovers neue Biermarke

Brauer aus Rethmar Das ist Hannovers neue Biermarke

Vor 200 Jahren verschwand die hannoversche Biermarke Broyhan vom Markt - lange Zeit blieb nur der Name. In ihrer Craft-Brauerei wollen Christoph und Stefan Digwa aus Rethmar das Getränk wieder herstellen. Dabei war der Weg zum Bier lang: Anderthalb Jahre haben die beiden am historischen Rezept experimentiert.

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Brauer Johan Jarvens  und die Brüder Christoph und Stefan Digwa haben anderthalb Jahre am „Freien Broyhan-Bier“ getüftelt.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Rethmar. Das Broyhan ist die bekannteste historische Biermarke Hannovers, aber es lebt allein der Name. Vor knapp 200 Jahren ist das Getränk vom Markt verschwunden. Die Brüder Christoph und Stefan Digwa, die die handwerkliche (Craft-)Brauerei Das Freie auf dem Gutshof in Sehnde-Rethmar betreiben, wollen das ändern. „Im Frühsommer wird es das Freie Broyhan-Bier geben“, kündigen sie an.

Mit Broyhan kommt im Frühjahr Hannovers älteste Biermarke zurück - nach über 200 Jahren.

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Cord Broyhan hatte 1526 ein hellbraunes, obergäriges Bier kreiert, das haltbar war und sich deshalb in den gesamten norddeutschen Raum exportieren ließ. Mit seiner Erfindung hatte der Braumeister in Hannover ein mittelalterliches Wirtschaftswunder geschafft. „Durch das Aufkommen industrieller Produktionsweisen in den Brauereien im 19. Jahrhundert verschwand Broyhan-Bier“, sagt Christoph Digwa. Die Gilde-Brauerei als eines der ältesten Unternehmen der Stadt hat ihre Wurzeln in Broyhans Brautätigkeit; der Broyhan-Taler mit dem Hahn als Symbol ist noch heute ihr Firmenlogo.

Broyhan-Bier gehört wie zum Beispiel auch das Gose aus Goslar zu etwa einem Dutzend historischen Bierstilen in Deutschland. „Bei einem Seminar haben wir erfahren, das inzwischen alle wieder von Craft-Brauereien nachgebraut worden sind - bis auf das Bier aus Hannover“, sagt Christoph Digwa. Das hat ihn, seinen Bruder und den Brauer Johan Jarvens angefixt.

Das Problem dabei: Cord Broyhan hat nie - ähnlich etwa der berühmten Coca-Cola-Formel - ein Rezept aufgeschrieben und es dann an gesichertem Ort verwahrt. „Er hatte eine Grundrezeptur, musste aber experimentieren und war außerdem darauf angewiesen, welche Rohstoffe gerade verfügbar waren“, schildert Jarvens. Also musste das Trio aus Rethmar historische Quellen auswerten, darunter neben Rezepturen vor allem auch Geschmacksbeschreibungen.

Anderthalb Jahre und viele Anläufe nach der Versuch-und-Irrtum-Methode hat es gedauert, bis das erste „Das Freie Broyhan-Bier“ fertig war, gereift nach alter niedersächsischer Väter Sitte im Eichenholzfass. An Ingredrienzien enthält es außer Malzen, Nelken, Zimt und Koriander eine Spur Hopfen sowie Veilchenwurzeln. „Es ist ein Sauerbier“, sagt Christoph Digwa, was sich beim ersten Schlückchen aus dem Testglas sofort erschließt. Der Craft-Brauer, der auch ausgebildeter Biersommelier ist, beschreibt den Geschmack als erfrischend süß-sauer mit ländlicher Note.

„Sauerbiere werden dieses Jahr allgemein der Sommertrend“, prophezeien die Rethmarer. Für ihr eigenes müssen sie noch Gebinde und Logo entwerfen. Es wird natürlich auf dem Gutshof ausgeschenkt, aber auch Einzelhändler und hannoversche Gastronomen haben Interesse angemeldet. 2000 Liter stehen zunächst zur Verfügung - bei Erfolg gerne mehr.

Der Trend beim Bier geht zu regionalen Marken

Geht es nach Björn Christoph Klotzbücher, technischer Leiter der Herrenhäuser Brauerei, könnten die Hannoveraner beim Biertrinken mehr Lokalpatriotismus entwickeln. „Verglichen mit dem Süden Deutschlands sind hier die Fernsehbiere, also die Produkte der Großbrauereien, viel stärker vertreten“, sagt er. Lars Jüttner, Braumeister im Brauhaus Ernst August, pflichtet ihm bei: „Wenn die Hannoveraner nicht das heimische Bier trinken – wer denn dann?“

Klotzbücher und Jüttner saßen in einer Diskussionsrunde bei einer Veranstaltung des Historischen Museums, bei der im Brauhaus über die Bierkultur in Hannover diskutiert wurde – auch unter Berücksichtigung der handwerklich erzeugten Craft-Biere, die gerade modern sind. „Sie haben erreicht, dass über Bier geredet wird“, befindet Jüttner. Die Prognose der Runde: Der Trend werde weiter zu regionalen Marken gehen – „die Leute wollen einen Inhaber sehen“, sagt Klotzbühler. Das wäre schlecht für die Großen und gut für die Kleinen.

  

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