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Das ist das neue Bildungskonzept des Zoos

Umweltbildung und Artenschutz Das ist das neue Bildungskonzept des Zoos

Der Zoo in Hannover ändert sein Konzept. Statt großer Showeinlagen will der Tierpark in Zukunft auf mehr Umweltbildung setzen. Schülerinnen und Schüler sollen ein Gespür für die Tiere und die Wichtigkeit des Artenschutzes bekommen.

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Lerneffekt: Lister Grundschüler sehen sich einen Löwenschädel an.

Quelle: Franson

Hannover. Eigentlich will Zoo-Scout Cora Schmidt der Klasse 3b aus der Bonifatius-Schule in der List die Feinheiten eines Löwengebisses erklären und hat dazu einen Raubtierschädel aus einer Vitrine im Dschungelpalast geholt. Das Vorhaben muss sie nun verschieben, weil die Klasse 3b gerade anderweitig beschäftigt ist. Einer der jungen Elefanten hat im Freigehege einen knapp einen Meter hohen Steinpfeiler erklettert. Nach einem geschickten Balanceakt hat er dann den Rüssel voll davon und will wieder herunter. „Das ist nicht einfach ,denn Elefanten können nicht springen“, erklärt Cora Schmidt. Deshalb muss der junge Naseweis allerlei Verrenkungen machen. Als er das erste Bein an die Erde gebracht hat, quittiert die Klasse 3b das mit kollektivem Beifall. Wenig später steht auch der Rest vom Elefanten wieder auf sicherem Boden. Die Klasse 3b jubelt ihm zu.

Die Schüler der Bonifaziusschule wurden im Zoo Hannover über die vielen verschiedenen Tierarten informiert.

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Es gab Zeiten, da waren derartige Balanceakte Teil des Programms. Tierschauen etwa bei den Dickhäutern oder bei den Robben erinnerten stark an Zirkusnummern, was einigen Besuchern zu weit ging und für Diskussionen sorgte. Jetzt gibt es zwar immer noch Vorführungen, aber sie haben eher den Charakter kommentierter Fütterungen. Zoo-Geschäftsführer Andreas Casdorff will verstärkt das Thema Umweltbildung nach vorne bringen und das Publikum für den Artenschutz sensibilisieren sowie für die Rolle, die Zoos dabei spielen. Seit gut einem Jahr hat der Tierpark an der Eilenriede in der Diplom-Biologin Kathrin Röper eine Referentin für beide Fachgebiete.

Die Bonifatius-Schüler aus der List sind mit Klassenlehrerin Christine Wildmann schon am dritten Vormittag auf dem Gelände; sie haben ein Angebot der Zooschule gebucht. „Wir schreiben ein Referat“, berichtet Laura. Heute steht das Thema „Was fressen Tiere?“ auf dem Programm. Beim Besuch in der Futterküche der Menschenaffen erzählt ihnen Cora Schmidt alles über das Sortiment, das man so auch auf einem Wochenmarkt findet. Sie erfahren, warum die Orang-Utans Pflanzenfresser sind und warum der Umstand, dass trotzdem Mehlwürmer auf ihrem Speiseplan stehen, dem nicht widerspricht. Sie sehen sich die Krabbler an, einige trauen sich, sie in die Hand zu nehmen. Dominik ist auf dem richtigen Weg: „Das sind eigentlich keine Würmer. Das werden mal Insekten“, sagt er.

Die Zooschule, die Angebote für alle Jahrgangsstufen allgemeinbildender Schulen sowie für Berufsschulen im Programm hat, spielt naturgemäß eine wichtige Rolle beim Thema Umweltbildung. Von den 50 Scouts, die der Zoo beschäftigt, sind etwa die Hälfte für die Lehraufgabe von den studierten Pädagogen Erwin Bastian und Stefan Zantop geschult worden. „Wer das machen will, braucht keine spezielle pädagogische Ausbildung, aber eine kommunikative Ader“, sagt Kathrin Röper. Die hat Cora Schmidt, die aus der Wedemark stammt und seit drei Jahren dabei ist, ganz ohne Zweifel, was die Klasse 3b auch honoriert. Abgesehen von einem Jungen, dem in der leicht stickigen Luft in der Affenstall-Küche ein wenig schwummrig wird und der deshalb eine Zwangspause an der frischen Luft einlegen muss, sind alle stets engagiert dabei.

Das Bildungskonzept beeinflusst auch die Baupläne im Tierpark. Bereits zu besichtigen ist das im Dschungelpalast, wo der Zoo in einem früheren Verkaufsraum die sogenannte Elefanten-Rangerstation eingerichtet hat. „Die Ausstellung spricht die Sinne an und fordert zum aktiven Begreifen auf“, erklärt Röper. Im Ranger-Raum hängt eine Landkarte, die zeigt, wie dramatisch klein der Lebensraum für die asiatischen Elefanten in den vergangenen sechs Jahrzehnten geworden ist. Besucher können zuhören, wie die Dickhäuter sich verständigen. Zum Lernprogramm gehört noch ein interaktives Quiz. Wer es absolviert, weiß hinterher, was es bedeutet, wenn Elefanten mit ihren großen Ohren wackeln.

„Wir werden solche Stationen auch in anderen Gehegen einrichten“, erklärt Sprecherin Simone Hagenmeyer. Seit Mitte April können sich Besucher schon einmal Audio-Guides zum Preis von fünf Euro ausleihen. Wer damit über das Gelände spaziert, erfährt an 60 Stationen Wissenswertes, aber auch Unterhaltsames – erzählt von Tierpflegern, Technikern, Veterinären und anderen, die im Zoo arbeiten.

Die Klasse 3b hat trotz der Ablenkung durch den Elefantenbalanceakt noch genug Konzentration für das Löwengebiss mitgebracht und kennt nun den Unterschied zwischen Fangzähnen und Reißzähnen bei Fleischfressern. Das Referat kann kommen.

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