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Darf ein Lehrer verbieten, aufs Klo zu gehen?

Buch „Was Lehrer nicht dürfen“ Darf ein Lehrer verbieten, aufs Klo zu gehen?

In seinem Buch "Was Lehrer nicht dürfen" klärt Anwalt Rolf Tarneden aus Hannover Schüler über ihre Rechte auf. Es ist ein Bestseller. Der Band mit seinen gut 60 Seiten ist mittlerweile so erfolgreich, dass er jetzt schon nach ein paar Wochen in zweiter Auflage erschienen ist.

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Schultoilette: Darf ein Lehrer verbieten, aufs Klo zu gehen? 

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Darf ein Lehrer einem Schüler, der im Unterricht auf seinem Handy herumtippt, das Telefon wegnehmen? Darf er den Ranzen eines Schülers durchwühlen, wenn er meint, dass dieser Marihuana oder Hasch dabei hat? Können Schüler bei Sturm zu Hause zu bleiben, anstatt zur Schule zu gehen? Antworten auf diese Fragen gibt es in dem Buch „Was Lehrer nicht dürfen“, das zwei Schüler und ein Anwalt im Selbstverlag gedruckt haben und über Amazon vertreiben. Es ist ein Bestseller. Der Band mit seinen gut 60 Seiten ist mittlerweile so erfolgreich, dass er jetzt schon nach ein paar Wochen in zweiter Auflage erschienen ist.

Am Anfang standen die Facebook-Seite von Dallan (18), Gymnasiast aus Celle, und Fernando (19), Schüler aus Sankt Augustin bei Bonn, und ihr Aufruf an Jugendliche, Fragen zu dem Thema zu posten: „Wir hatten 2000 bis 3000 Nachrichten pro Tag, und binnen 24 Stunden 100 000 Gefällt-mir-Daumen“, sagt Dallan. Schnell kam ihnen die Idee, die Fragen von einem Fachmann beantworten zu lassen und daraus ein Buch zu machen. Der hannoversche Rechtsanwalt Rolf Tarneden ist Experte für Schulrecht. Er hat das Buch für Schüler geschrieben, in leicht verständlicher Sprache, mit kurzen Sätzen und juristischen Belegen, aber ohne komplizierte Paragrafen. „Schüler haben Fragen, ich habe die Antworten“, sagt Tarneden.

Rechtsanwalt Rolf Tarneden (links) und Schüler Dallan Sam haben zusammen mit Fernando Rode ein Buch über Schülerrechte geschrieben.

Rechtsanwalt Rolf Tarneden (links) und Schüler Dallan Sam haben zusammen mit Fernando Rode ein Buch über Schülerrechte geschrieben.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Wenn ein Schüler eine einzelne Frage über ein kostenpflichtiges Internetportal von einem Anwalt beantworten ließe, müsse er mindestens 50 Euro dafür bezahlen. Das Buch gebe Antworten auf 50 Fragen und kostet nur knapp 15 Euro. „Das macht gerade mal 30 Cent pro Frage“, sagt Tarneden.

Es sei ausdrücklich kein Buch gegen Lehrer. Der Klappentext lautet: „Dieses Buch wurde nicht geschrieben, um Lehrer zu ärgern, sondern um den Schülern die Chance zu geben, ihr Recht durchzusetzen.“ Tarneden betont, dass er den Schülern nicht rate, die Lehrer zu verklagen, sondern dass er meistens rate, den Konflikt mit einem gemeinsamen Gespräch zu lösen. Das Buch sei auch hilfreich für Lehrer, die sich rechtlich absichern wollen, ob ihr Handeln korrekt sei. „Ich hätte auch so ein Buch für Lehrer schreiben können“, meint Tarneden, aber die hätten genügend Hilfe von Gewerkschaften, Bildungsverbänden oder die Landesschulbehörde, sie hätten Rechtschutzversicherungen und notfalls auch das Geld, eine Rechtsauskunft einzuholen und zu bezahlen. Schüler hätten keine Lobby und allenfalls ihr Taschengeld.

Das sind die Tipps aus dem Buch

Darf ein Lehrer ein Schüler-Handy eine Woche lang einziehen?
„Im Normalfall nein“, heißt es in dem Buch. Das Smartphone gehöre dem Schüler und müsse ihm eigentlich am Ende des Schultages zurückgegeben werden. 

Darf ein Lehrer verbieten, auf Toilette zu gehen?
Nein, stellt Rechtsanwalt Rolf Tarneden klar fest. Das Grundgesetz garantiere die Menschenwürde, und zu einer menschenwürdigen Behandlung zähle es auch, einen Toilettengang zu ermöglichen, wenn ein Kind dieses Bedürfnis habe. Verweigere ein Lehrer dies, könne dies strafrechtliche Konsequenzen haben, möglicherweise könne sogar Schmerzensgeld geltend gemacht werden, wenn ein Kind in die Hose macht, weil es nicht auf Toilette gehen durfte. 

Wie lange darf die Korrektur von Arbeiten dauern?
Das entscheidet laut Buch nicht der Lehrer, sondern das Schulrecht. In Niedersachsen sollen Klassenarbeiten nach 14 Tagen korrigiert und zurückgegeben sein. Ausnahmen sind in der Grundschule oder in der Oberstufe des Gymnasiums möglich, oder auch, wenn ein Lehrer länger krank ist. 

Beendet der Lehrer oder der Gong die Stunde?
Der Lehrer bestimmt das Unterrichtsende. Für die Schulzeiten sei nur ein Rahmen festgelegt, heißt es in dem Buch: So soll die Schule nicht vor 7.30 Uhr beginnen, bei fünf Stunden Unterricht sind Pausen von insgesamt 40 Minuten vorgesehen. 

Darf ein Lehrer das Trinken verbieten?
Diese Frage ist nicht eindeutig zu beantworten. In vielen Grundschulen gehört mittlerweile ein gemeinsames Frühstück zum Start eines Schultages. Im Unterricht kann das Trinken störend sein, wenn Flaschen knacken, es Trinkgeräusche gibt oder Flaschen herunterfallen und Schüler verstärkt auf Toilette müssen. Andererseits mindert zu wenig Flüssigkeit die Leistungsfähigkeit. Wenn Schülern das Essen und Trinken in den Pausen allein überlassen bleibt, kann man sie schlechter über gesundes Verhalten aufklären. 

Der Ratgeber, den Fernando und Dallan mit eigenen Zeichnungen illustriert haben, ist so dünn, dass er in jeden Ranzen passt. Das Buch besteht aus extra dickem, reißfestem Papier, das auch abwaschbar ist, falls mal die Trinkflasche ausläuft. Die ersten 1000 Bücher sind schon verkauft, Bestellungen kamen überwiegend aus Niedersachsen, aber auch aus der Schweiz und Österreich. „Das Thema interessiert 13- bis 18-Jährige in ganz Deutschland“, meint Dallan.

Beispiele für einen zweiten Teil hat Tarneden bereits gesammelt. Dazu könnte der Fall gehören, dass eine Rektorin aus Baden-Württemberg an ihrer Schule das Tragen von aufreizenden Hotpants und bauchfreien Tops verboten hat. Hier steht das Recht der Mädchen auf freie Kleidungswahl gegen das Hausrecht der Schulleitung. „Eine Schule ist eine Bildungseinrichtung und kein Ort für Modenschauen“, stellt Tarneden klar. „Schüler müssen so gekleidet sein, dass der Unterricht störungsfrei ablaufen kann.“

Die Facebook-Seite von Dallan und Fernando hat inzwischen mehr als 230 000 Gefällt-mir. Neben viel positiver Resonanz bekommen die Jungen aber auch Kritik. „Über kein Thema wird so emotional gestritten wie über Schule“, sagt Tarneden. Sein Ziel: „Wir wollen in die Buchhandlungen.“ Der Schülerratgeber soll nicht nur über Amazon erhältlich, sondern auch in Buchhandlungen zu kaufen sein. Erste Verhandlungen dazu führen Dallan und Fernando bereits. Nur ganz verkaufen wollen sie ihre Idee nicht. Dafür ist sie ihnen zu sehr ans Herz gewachsen.

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