Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Das müssen Sie zu Südlink wissen

Fragen und Antworten Das müssen Sie zu Südlink wissen

Der Bau gigantischer unterirdischer Stromtrassen quer durch Deutschland für die Energiewende nimmt konkrete Formen an. Doch worum geht es bei Südlink überhaupt? Wer entscheidet jetzt über den konkreten Verlauf der Trasse? Und was können Bürger tun, um sich einzubringen? Die wichtigsten Fakten im Überblick.

Voriger Artikel
Wertstoffhof in der Südstadt wieder in Betrieb
Nächster Artikel
Wie gehen wir mit Flüchtlingen um?
Quelle: dpa

Warum soll die neue Südlink-Stromtrasse überhaupt gebaut werden?

Der Atomausstieg ist insbesondere für Süddeutschland eine Herausforderung: Zwei Drittel des Atomstroms werden südlich von Frankfurt produziert. Dort gibt es aber bisher nicht genug Ersatzkraftwerke. Gleichzeitig steht die Masse der Windkraftanlangen im Norden, vor allem in Niedersachsen. Die Südlink-Trasse ist eines von drei großen Neubauprojekten, die im Zuge der Energiewende zum Stromtransport nötig werden. Als Gesamtkosten werden mindestens zehn Milliarden Euro für insgesamt 36 Ausbau- und Netzverstärkungsprojekte veranschlagt. 

Wann geht es los?

Die jetzt von Tennet vorgelegten Entwürfe für den Trassenverlauf sind nur ein weiterer Schritt in einem noch über Jahre andauernden Verfahren. 2017 werden zunächst die Anträge erwartet, über die dann politisch entschieden werden muss. Die Leitungen sollen nicht vor 2025 in Betrieb genommen werden.

Warum verlegt man die Kabel unterirdisch?

Ursprünglich war vorgesehen, Freileitungen zu bauen. Doch der Protest gegen die "Monstertrassen" war zu groß. Zahlreiche Bürgerinitiativen befürchteten eine Verschandelung der Landschaft sowie Gesundheitsschäden für in der Nähe lebende Menschen. Im Oktober 2015 einigte sich die Regierung dann auf einen Kompromiss: Statt Strommasten zu bauen, soll Südlink komplett unter der Erde verlegt werden Mit dem Vorrang für die Erdverkabelung kam die Bundesregierung auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) entgegen. Der hatte gegen die großen Freilufttrassen gekämpft, weil der Widerstand in Bayern gegen vermeintliche "Monstertrassen" groß sei. Kritik wegen der Milliarden-Zusatzkosten wies er zurück.

Was hat die Entscheidung für Erdkabel für Auswirkungen? 

Erdkabel bieten gegenüber Freileitungen viele Vorteile: Sie stören nicht das Landschaftsbild, Hagel und Sturm können ihnen nichts anhaben. Durch Erdkabel verringern sich auch die Energieverluste. Leider sind Erdkabel aber auch um das Drei- bis Fünffache teurer; deshalb kommen sie in der Regel nur in besonders sensiblen Gebieten zum Einsatz. Beispiel: Bei einer Trasse von 600 Kilometern, bei der ein Viertel unterirdisch verlegt wird, belaufen sich die Mehrkosten nach Schätzungen auf 450 Millionen Euro. Dass Südlink komplett unter die Erde verlegt wird, ist also letztlich eine politische Entscheidung gewesen, und keine wirtschaftliche.

Wer ist für den Trassenbau zuständig?

Die Stromautobahnen gehörten ursprünglich den vier großen Energiekonzernen e.on, RWE, EnBW und Vattenfall. Angesichts dieses Monopols witterte die EU-Kommission ein Kartell. Um ein entsprechendes Verfahren zu verhindern, verkaufte e.on sein 10 700 Kilometer langes Hochspannungsnetz zwischen Flensburg und Fürstenfeldbruck 2009 an die niederländische Tennet. Das Staatsunternehmen hatte nach dem Kauf des Netzes Schwierigkeiten, auch die Mittel für Investitionen bereitzustellen. Deshalb stockte unter anderem der Bau von Leitungen, mit denen Offshore-Windparks angeschlossen werden sollten."

Wer entscheidet am Ende über den konkreten Verlauf der Trasse?

Zunächst wird die zuständige Bundesnetzagentur die Vorschläge prüfen. Im weiteren Verfahren sollen dann auch die Bürger die Möglichkeit bekommen, ihre Meinung zu sagen - noch vor dem offiziellen Antrag Tennets bei der Bundesregierung. Von Mitte Oktober bis Mitte November wollen Tennet und TransnetBW Info-Foren durchführen. Über 30 Veranstaltungen werden in den Landkreisen stattfinden, in denen die vorgeschlagenen Erdkabelkorridore verlaufen könnten, verspricht das Unternehmen. Die letztliche Entscheidung wird aber die von der Bundesregierung eingesetzte Bundesnetzagentur treffen.

Warum ist die Bundesregierung für den regionalen Verlauf einer Stromtrasse zuständig?

Lange Zeit waren die Länder in solchen Fällen zuständig. Doch die alte schwarz-gelbe Bundesregierung hatte vor wenigen Jahren die Zuständigkeiten zugunsten des Bundes geändert. Zwei Gründe waren dafür maßgeblich: Erstens durchkreuzen die Stromtrassen mehrere Bundesländer. Es wäre zu aufwendig, an Landesgrenzen die Planungen miteinander zu verknüpfen. Das gewichtigere Argument war die Beschleunigung des Netzausbaus. Der Bund hatte die Erwartung, derartige Projekte zügiger abwickeln zu können, da die verschiedenen Landesverwaltungen näher an kommunalen Akteuren und damit beeinflussbarer für Einwände wären. Ob aber die Bundesnetzagentur das Projekt rascher durchsetzen kann, ist fraglich.

Was sagen die betroffenen Kommunen?

In der Region Hannover reagierten die vom Trassenbau voraussichtlich betroffenen Städte von Beginn an zurückhaltend. Anfängliche Kritik flaute indes deutlich ab, nachdem die Entscheidung für die Verlegung unter die Erde beschlossen war. Die Südlink-Pläne wurden von Beginn an von zahlreichen Bürgerprotesten begleitet. Dabei ging es jedoch zunächst vor allem darum, Freileitungen zu verhindern. Jetzt werden auch in Hannovers Umland Widersprüche gegen die beiden vorgelegten Trassenverläufe erwartet. Denn besonders der westliche Verlauf führt nah an mehreren Städten der Region vorbei, etwa Neustadt, Seelze, Ronnenberg und Gehrden.

Was ist, wenn sich Grundeigentümer gegen den Bau wehren?

Je konkreter die Planung wird, desto intensiver tauscht sich Tennet mit den Grundeigentümern aus. Diesen können Abfindungen angeboten werden. Wie hoch die Summen ausfallen, ist Verhandlungssache. Wenn sich jemand trotzdem querstellt, sind zwei andere Möglichkeiten denkbar – entweder Tennet macht einen Bogen um das Areal, oder aber es wird eine Enteignung anvisiert. Diese ist durchaus möglich, kostet aber viel Zeit.

r./dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

Nacht der Pferde auf der Pferd & Jagd 2016

Am Freitag zeigten sich 3740 Zuschauer bei der Nacht der Pferde auf der Pferd & Jagd begeistert. Harmonie zwischen Mensch und Pferd, atemberaubende Kunststücke – 150 Pferde und 60 Akteure sorgten für Gänsehautstimmung.