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Das müssen Sie zum Südlink-Bau wissen

Stromtrasse Das müssen Sie zum Südlink-Bau wissen

Der Vorschlag für den Verlauf der Stromtrasse Südlink liegt auf dem Tisch. Die Stromautobahn soll durch den Osten der Region Hannover über Gebiete der Stadt Burgdorf und der Gemeinde Uetze verlaufen.  Jetzt geht es an die Detailplanungen für den Bau. Fragen und Antworten zum Thema. 

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Der Baubeginn für den Südlink ist für das Jahr 2021 vorgesehen. Dann sollen Erdkabel zum Einsatz kommen, wie sie in der Vergangenheit etwa bei Raesfeld in Nordrhein-Westfalen verbaut wurden. 

Quelle: Roland Weihrauch/dpa

Hannover. Irgendwann im Verlauf der vergangenen sechs Jahre hat sich fast jede Stadt oder Gemeinde in der Region Hannover einmal mit der Stromautobahn Südlink beschäftigt. Jetzt haben die Netzbetreiber Tennet und TransnetBW ihre Vorzugsvariante festgelegt. Sie streift den Großraum Hannover auf kurzer Strecke im Osten bei Burgdorf und Uetze. Die Alternativstrecke westlich Hannovers von Neustadt über Garbsen und das Deistervorland nach Springe ist damit zu 99 Prozent vom Tisch. Fragen und Antworten.

Wo soll die Stromtrasse verlaufen?

Von Wilster in Holstein westlich an Hamburg vorbei durch die Lüneburger Heide, Südniedersachsen und Hessen nach Grafenrheinfeld bei Würzburg in Bayern und weiter nach Großgartach bei Heilbronn in Baden-Württemberg. Nördlich von Hannover ist der Kreis Celle, südlich der Kreis Hildesheim betroffen.

Wofür wird sie gebraucht?

Um Windstrom von den Küsten in die Ballungszentren Süddeutschlands zu transportieren. Das ist notwendig, weil mit der von der Bundesregierung beschlossenen Energiewende konventionelle Kraftwerke abgeschaltet werden sollen.

Was bedeutet der Begriff Stromautobahn?

Genauer gesagt handelt es sich um eine Hochspannungsgleichstromübertragung, bei der eine Abzweigung zwischen Start- und Endpunkt nicht möglich ist.

Wie werden die Kabel verlegt?

Unter der Erde. Das hat die Politik den Netzbetreibern verordnet. Ursprünglich waren Freileitungen an 70 Meter hohen Masten geplant, was landauf, landab zu einer Protestwelle geführt hat. Wegen des Wechsels zu Erdkabeln mussten Tennet und TransnetBW noch einmal neu planen.

Was sind die Vorteile von Erdkabeln?

Sie beeinträchtigen das Landschaftsbild weniger, bergen keine Gefahr für Vögel und sind leistungsstärker. Nachteile bekommen Waldbesitzer zu spüren, weil für die Trasse Schneisen geschlagen werden müssen. Außerdem wird während der Bauphase viel Platz benötigt.

Was passiert beim Bau?

Die Kabel liegen in einer Tiefe von etwa 1,80 Metern. Um die Leitungen verlegen zu können, sind Baustraßen und Lagerplätze notwendig. Im ungünstigsten Fall ist die Baustelle etwa 60 Meter breit. Sind die Gräben verfüllt, kann über der Leitung wieder Landwirtschaft betrieben werden.

Wie viel kostet Südlink?

Das ist bisher schwierig zu kalkulieren, weil es mit etwa 600 Kilometern Länge das bei Weitem größte Projekt dieser Art in Deutschland ist. Lex Hartman, Mitglied der Geschäftsführung von Tennet, hatte zwischenzeitlich die Summe von 10 Milliarden Euro genannt - die Freileitung wäre mit geschätzten 3 Milliarden Euro deutlich günstiger geworden. In jedem Fall werden die Baukosten auf die Stromverbraucher umgelegt.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Im Jahr 2025 soll die Stromautobahn fertig sein. Da vier Jahre Bauzeit veranschlagt werden, muss die Planung spätestens 2021 abgeschlossen und eine Genehmigung erteilt sein. Diese Zeitschiene gilt als ambitioniert.

Wie geht es nun weiter?

Tennet und TransnetBW wollen Mitte des Monats einen ersten sogenannten Antrag auf Bundesfachplanung stellen. Dafür müssen sie neben der bevorzugten Trasse auch Alternativen nennen. In der Region Hannover wäre das der Korridor westlich der Landeshauptstadt. Fachleute schließen aber aus, dass der zum Zuge kommt. Es folgt ein Planfeststellungsverfahren, in dem der jetzige, einen Kilometer breite Korridor auf 30 Meter verringert wird. Am Ende des Verfahrens steht die Genehmigung durch die Bundesnetzagentur als Aufsichtsbehörde.

Können sich Bürger beteiligen?

Das konnten sie bereits, weil die Netzbetreiber in den vergangenen Monaten im gesamten Trassenverlauf Dialogveranstaltungen angeboten haben. „Anregungen daraus sind in unseren Planungen berücksichtigt worden“, sagt Tennet-Planer Hartman. Für das Planfeststellungsverfahren versprechen die Unternehmen Transparenz, aber hier sind vor allem die sogenannten Träger öffentlicher Belange wie Landesbehörden oder anerkannte Umweltverbände gefordert.

Gibt es noch Proteste?

Ja, etwa aus der Landwirtschaft und von Umweltverbänden. Aber im Vergleich zu denen gegen das Freileitungsprojekt sind sie in der Bevölkerung deutlich abgeflaut.

Wird die Genehmigung ein Selbstläufer?

Wohl nicht. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND), der selbst zu den Kritikern des Projektes zählt, erwartet Einsprüche und Klagen, weil Bodenschutz, Grundwasserschutz, Wälder und Naturschutzgebiete von der Trasse tangiert sind. Der BUND plädiert für eine dezentrale Energieversorgung.

Wie sind die Reaktionen in der Region?

Bei den direkt Betroffenen unterschiedlich. Die Bürgerinitiative Garbsen gegen den Südlink zeigt sich erleichtert und nannte die Entscheidung erfreulich. Dagegen erwartet der Landvolk-Kreisvorsitzende Holger Hennies aus Uetze-Schwüblingsen „massive Eingriffe in die landwirtschaftliche Nutzung“. Er rechnet mit juristischen Auseinandersetzungen. In der Politik herrscht weitgehend Einigkeit. „Ich begrüße die Entscheidung, sie ist aus umweltplanerischer Sicht nachvollziehbar“, sagt die SPD-Bundestagsabgeordnete Caren Marks. Ähnlich äußerten sich ihre Kollegen Matthias Miersch (SPD) und Maria Flachsbarth (CDU). Es komme nun darauf an, vernünftige Lösungen mit den Landwirten zu finden.

Kommentar: Jetzt gilt es

Die Entscheidung von Tennet und TransnetBW, den Südlink in der Region Hannover durch den vergleichsweise dünner besiedelten Ostzipfel führen zu wollen, war erwartbar. Als die Regionsverwaltung den Netzbetreibern Ende des Jahres eine Stellungnahme mit der Auflistung möglicher Beeinträchtigungen für Mensch und Natur zuschickte, fiel die für die Ostvariante erheblich kürzer aus als die für die Trasse weiter westlich. Wenn es nun an die jahrelangen Detailplanungen geht, wird sich zeigen, ob ein derartiges Großprojekt in Deutschland überhaupt noch möglich ist. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass es wieder Proteste und Widerstände gegen die Stromautobahn geben wird – entweder grundsätzlicher Art oder wegen direkter Betroffenheit. Klar ist aber auch: Wenn dieser Trassenvorschlag scheitert, scheitert auch das gesamte Projekt Südlink. Das wäre fatal. Ohne die Stromautobahn misslingt die Energiewende, weil der meiste Ökostrom nicht dort erzeugt werden kann, wo er gebraucht wird. Wer Atomkraftwerke und Kohlemeiler abschalten will, muss entweder teure Gaskraftwerke in die Landschaft stellen – oder eben Strom transportieren.

Von Bernd Haase

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