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Das müssen Sie über das Länderspiel heute wissen

Ein Jahr nach der Terrorwarnung Das müssen Sie über das Länderspiel heute wissen

Länderspiel in Hannover? Wird schon nichts passieren, dachten vor einem Jahr viele. Dann wurde die Partie zwischen der deutschen Nationalelf und den Niederlanden wegen Terrorgefahr abgesagt. Und was bedeutet das für das Ersatzspiel am Dienstag?

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Leere im Stadion: Das Länderspiel vor einem Jahr wurde kurz vor Anpfiff abgesagt, Polizisten bewachten damals die trostlose Szene.

Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Hannover. Ein Dienstag, 17. November 2015. In zwei Stunden soll das Fußball-Länderspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden angepfiffen werden. Flutlichtmasten strahlen verheißungsvolles Licht in den Herbstabend. Nicht auszuschließen, dass Ron-Robert Zieler spielen würde, der Torhüter des damaligen Bundesligisten Hannover 96, um sich für die bevorstehende Europameisterschaft zu empfehlen. Zehntausende Zuschauer sind auf dem Weg Richtung Stadion. In der Südstadt verlassen einige Flüchtlinge ihre Unterkunft, um sich einer Lichterkette anzuschließen. Roger Cericius hatte sie organisiert, der Vorsitzende des Freundeskreis Hannover will an Opfer des fürchterlichen Terroranschlags Tage zuvor in Paris gedenken. 130 Menschen starben, während die deutsche Mannschaft gegen Frankreich ein plötzlich sehr bedeutungsloses Spiel spielte.

Eine Terrorwarnung sorgt für Chaos

Dann macht in Hannover eine Nachricht die Runde: Aus Sicherheitsgründen sagt die Polizei die Partie ab. Vier Männer und eine Frau seien irgendwo in der Stadt unterwegs, womöglich planten sie einen Anschlag. Im Pavillon erscheinen Polizisten mit Maschinenpistolen, und Veranstalter Gerd Kespohl folgt dem Rat des Einsatzleiters: Er sagt das Jazz-Konzert von Maceo Parker ab, trotz des vollen Saals. „Akute Gefahr“, heißt es. Die „Söhne Mannheims“ dagegen treten in der Tui-Arena auf. Die Lage ist so unübersichtlich wie die Logik mancher Maßnahmen. Blaulichter rasen durch die City, Stadtbahnen fahren nicht, doch der Hauptbahnhof bleibt lange geöffnet. Bis dort ein verdächtiger Gegenstand gefunden wird. Gleise, Bahnsteige und Zugänge werden gesperrt, Menschen warten hinter rot-weißen Absperrbändern. Dann ein Knall, der gesprengte Gegenstand erweist sich als unverdächtig.

Das Länderspiel Deutschland-Niederlande ist abgesagt. Für die ganze Stadt wurden schärfere Sicherheitsmaßnahmen getroffen.

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Und dennoch: Der Terror hatte gerüchteweise Hannover erreicht, eine Stadt, deren Bewohner wohl mehrheitlich im Bewusstsein leben, dass schon nichts passieren wird, weil es eben Hannover ist. Am selben Abend sagte Innenminister Thomas de Maizière, befragt nach einer Einschätzung zur Sicherheitslage, seinen legendären Satz, der es bis in Kantinen, Umkleidekabinen und Kabaretts geschafft hat: „Teile meiner Antwort könnten die Bevölkerung verunsichern.“

Das Ersatzspiel ein Jahr später

Am Dienstagabend ist das Ersatz-Länderspiel in der HDI-Arena angesetzt, es soll der Stadt das verlorene Match zurückgeben. Gleichzeitig findet im Pavillon wieder ein Konzert statt, wenn Trommler Cyro Baptista mit seinem „Neon Zion Trio“ Jazz und Folk spielt. „Ein Weltklasse-Trommler“, sagt Kespohl, „aber das ist Musik für Insider, da kommen keine 100 Leute.“ Die Absage vom vergangenen Jahr spielt beim Pavillon und seinen Konzertbesuchern im Grunde keine Rolle mehr. Als Parker seinen Auftritt bald nachholte, wollten mehr Leute rein, als Besucher Tickets zurückgegeben hatten. Was blieb vom November 2015 war eine Absprache mit der Polizei: „Kommen mehr als 600 Menschen zu einem Konzert, geben wir der Polizei Bescheid“, erzählt Kespohl. Ansonsten übernimmt der Pavillon die Sicherheit. Aber bis heute habe ihm niemand von der Polizei sagen können, wer damals mit welchen Absichten in der Stadt unterwegs war. Kespohl hätte lieber etwas erfahren, um selbst zu entscheiden, welche Antwort ihn verunsichern würde.

Lichterketten-Organisator Cericius erinnert sich an einen sehr widersprüchlichen Novemberabend. Blaulicht überall, Polizisten, und dann waren rund 1000 Menschen zur Solidaritätsaktion in der Nähe des Stadions, die doch wegen seines Appells gekommen waren. Er wollte ein Zeichen setzen für eine offene Welt und musste erleben, dass diese Welt an diesem Tag in Hannover ein wenig enger wurde. Er fühlte ein Unbehagen. Cericius war, wie Zehntausende andere, an einem Ort, der womöglich zum Tatort werden könnte. Später, als er in den Nachrichten Bilder des Abends sah, kam auch die Lichterkette vor. „Noch vor den Blaulichtbildern“, sagt Robert Cericius, „das macht mich auch heute glücklich.“ Er glaubt, dass das Zeichen für eine offene Welt die Menschen erreicht hat. An diesem Montagabend kam er mit dem Flugzeug aus Spanien zurück. Keine Sekunde dachte er nach eigenen Angaben daran, dass dieser Flieger Ziel von Terroristen sein könnte.

Fans freuen sich auf das Spiel

Nach Hannover kommen am Dienstag auch rund 2000 Fans aus Nordirland. Sie werden ausdauernd Klassiker nordirischer Fußballkultur vortragen, und auf der Osttribüne wird Oberbürgermeister Stefan Schostok zuhören. Die Stadt hat eng mit der Polizei zusammengearbeitet, um den Gästen aus Nordeuropa ein sicherer Gastgeber zu sein, es gehe auch um die Reputation Hannovers. „Es gibt keine besondere Erkenntnislage“, sagt Schostok, „auch nicht nach den Ereignissen in Chemnitz.“ Der Verwaltungschef empfiehlt dringend, das Spiel zu besuchen, schon wegen der Kunst der Nordiren.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist am Tag vor dem Länderspiel in Hannover eingetroffen. Mehrere Dutzend Fans warteten bereits am Expo-Gelände auf die Fußball-Stars. Im Anschluss trainierte die mannschaft in der HDI-Arena.

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Auch Ministerpräsident Stephan Weil will ohne Angst zum Länderspiel gehen. „Ich hoffe, dass es ein Fußballfest werden wird, das die Erinnerung an das ausgefallene Länderspiel vergessen lässt“, sagt er. Er selbst habe wegen der bedrohlichen Situation damals keine gute Erinnerung an den Novemberabend. „Allerdings gab es auch die gute Erfahrung, dass die Zusammenarbeit zwischen den Sicherheitsbehörden wie so oft geklappt hat“, sagt Weil. Mit seiner Teilnahme wolle er auch demonstrativ Flagge zeigen: „Ich gehe hin in dem Bewusstsein, dass es nirgendwo eine Zone gibt, wo eine abstrakte Gefahr ganz ausgeschlossen werden kann; aber deswegen möchte ich mir mein freies Leben nicht einschränken lassen.“

Das müssen Besucher des Spiels wissen

Aufgrund der beengten Parkplatzsituation bitten Veranstalter und Polizei darum, möglichst mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Denn der Schützenplatz steht wegen der Abbauarbeiten des Oktoberfests nicht zur Verfügung. Auch um eine frühzeitige Anreise wird gebeten, denn die Besucher werden an den Eingängen intensiv kontrolliert. Dabei dürfen keine Flaschen mit ins Stadion gebracht werden, kleine Trinkpäckchen sind jedoch erlaubt. Auch Fahnen dürfen die Fans mitbringen, solange der Durchmesser nicht größer ist als drei Meter und die Fahnenstange nicht länger als zwei Meter. Damit sind Block- und Bannerfahnen untersagt. Erlaubt sind Rucksäcke und große Taschen zwar, der Deutsche Fußballbund bittet aber, darauf zu verzichten, um die Kontrolle nicht in die Länge zu ziehen.

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